KONF: Glück am Ende? Episodisches Erzählen in Mittelalter und Gegenwart, Heidelberg (03.-05.06.2016)

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Glück am Ende? Episodisches Erzählen in Mittelalter und Gegenwart

Internationale DFG-Tagung/ IWH-Symposium

am Internationalen Wissenschaftsforum Heidelberg (IWH), 3.-5. Juni 2016

Organisation: Doren Wohlleben (Heidelberg)/ Christian Schneider (St. Louis)

Kontakt: doren.wohlleben[at]gs.uni-heidelberg.de, christianschneider[at]wustl.edu

Das Erzählen in Episoden als ein ästhetisches Kompositionsprinzip, das durch variierende Wiederholung im Sinne von Gleichheit, Ähnlichkeit und Differenz strukturell-thematische Grundmuster kenntlich macht und teleologische Erzählordnungen subvertiert, erfährt im Film und in der Literatur seit den 1990er Jahren eine neue Konjunktur. Obgleich es in der Moderne besonders prominent geworden ist, handelt es sich hierbei um kein modernes Phänomen: Im Gegenteil dienten gerade mittelalterliche Erzähltexte, wie beispielsweise der Tristan, als Strukturmodelle, die den theoretischen, zunächst mediävistischen Diskurs über ein Erzählen im Paradigma überhaupt erst initiierten. Die Suche nach Sinn und das Problem des (guten) Endes in einer – vermeintlich? – vom Zufall deregulierten Welt führt zu neuen Modellierungen von Kontingenzerfahrungen und Kohärenzstiftungen. Glück kommt dabei in seiner Doppeldeutigkeit zum Tragen: als ordnungsdestabilisierendes, kontingentes Moment, das (äußere) Zeit als Zäsur besonders stark erfahren lässt, sowie als ordnungssuchendes, kohärenzförderndes Moment, das ein Gefühl des (inneren) Zeitkontinuums, wenn nicht gar von Zeitlosigkeit evoziert.

Die transatlantische Tagung wagt sich dabei in zweierlei Hinsicht auf neues Terrain: Erstens führt sie mediävistische, neuphilologische und filmwissenschaftliche Theorieansätze und Beispielanalysen zusammen. Und zweitens erweitert sie die narratologischen Theorien um existentialphilosophische Perspektiven. Ein besonderer Glücksfall ist, dass die Büchner-Preisträgerin (2012) und Heidelberger Poetik-Dozentin (2016) Felicitas Hoppe für die Tagung gewonnen werden konnte: Mit ihrer Rezeption mittelalterlicher Stoffe, Strukturen und aventiure-Modelle, mit denen sie narratologisch experimentell verfährt und dabei immer wieder das Happy Ending zum Spielball ihrer episodischen Autofiktionen und Poetiken macht, stellt sie ein ideales Bindeglied der interdisziplinären Tagung dar. Diese führt internationale Expert/-innen der Narratologie-Forschung, amerikanische und deutsche Nachwuchswissenschaftler/-innen aus der Alt- und Neugermanistik sowie Literaten und Literaturkritiker zusammen.

Gäste sind sehr herzlich willkommen, müssen sich aus logistischen Gründen aber bitte bis zum 27. Mai 2016 anmelden (doren.wohlleben(at)gs.uni-heidelberg.de)!

Freitag, 3. Juni 2016

14.00-14.30 Uhr Doren Wohlleben (Heidelberg)/ Christian Schneider (St. Louis): Begrüßung, Kurzeinführung

14.30-15.30 Uhr Michael Scheffel (Wuppertal): Episodisches Erzählen vom ‚Frauenglück‘ in Romanen zwischen Barock und Moderne oder: Von Grimmelshausens Trutz Simplex zu Arthur Schnitzlers Therese. Chronik eines Frauenlebens

15.30-16.15 Uhr Ludger Lieb (Heidelberg): Serialität als Bedrohung und Ermächtigung, oder: Wie Brautwerbungserzählungen zu einem ,glücklichen‘ Ende kommen

16.45-17.30 Uhr Gunther Martens (Gent): Happy-End oder Schrecken ohne Ende? Eine stilometrische Analyse von (Un)Glücksepisoden in Märchen

17.30-18.15 Uhr Tom Kindt (Fribourg): Episodisierung? Plotstrukturen und Existenzmodelle im deutschen Bildungsroman von Goethe bis zur Gegenwart

Samstag, 4. Juni 2016

9.00-9.45 Uhr Ricarda Wagner (Heidelberg): Heil am Ende. Episodisches Erzählen in der mittelalterlichen Hagiographie

9.45-10.30 Uhr Christine Putzo (Lausanne): Alexanders Ende – von Anfang an erzählt? Episodische Serialität in deutschsprachigen Alexanderromanen des Mittelalters

11.00-11.45 Uhr Regina Toepfer (Braunschweig): Unglück in Serie. Der trostlose Held der ,historischen‘ Dietrichepik

11.45-12.30 Uhr Felix Stang (Heidelberg): Wiederholungstäter oder: Serien gegen die Ordnung. Episode, Vieldeutigkeit und Doppelgänger im Kriminal-Märe Der Dieb von Brügge

14.30-15.15 Uhr Stephan Kraft (Würzburg): Zirkularität und Komik in Gerhart Hauptmanns Biberpelz

15.15-16.00 Uhr Anna-Rebecca Nowicki (St. Louis): Leserglück? Episodisches Erzählen in Wilhelm Raabes Krähenfelder Geschichten

16.30-17.15 Uhr Doren Wohlleben (Heidelberg): Zu Ende erzählt? Spielformen des Wiederholens und Weitererzählens bei Felicitas Hoppe und Christoph Ransmayr

17.30-19.00 Uhr Lesung/ Gespräch mit der Heidelberger Poetik-Dozentin Felicitas Hoppe

Sonntag, 5. Juni 2016

9.00-9.45 Uhr Studentische Projektgruppe (Heidelberg)

9.45-10.30 Uhr Miriam Wray (Boston): Episodisches Erzählen und Erinnern bei W. G. Sebald

11.00-11.45 Uhr Florian Mundhenke (Leipzig): Episoden und Ensembles – Geschichte und Theorie des Multiplotfilms

11.45-12.30 Uhr Florian Kragl (Erlangen): Episodisches Erzählen – Erzählen in Episoden

12.30-12.45 Uhr Schlussworte

 

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Alexander Nebrig] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

Categories: Conference, Announcement
Keywords: Ethik, KONF