CFP: Grenzenlosigkeit (30.10.2023)

Nina Nowara-Matusik's picture

 Call for Papers

Open-Access-Zeitschrift „Wortfolge. Szyk Słów”

Heft 8 (2024)

Thematischer Schwerpunkt:

Grenzenlosigkeit

Grenzenlosigkeit – Ewigkeit, Unendlichkeit und Unbeschränktheit: ein Urbedürfnis, ein Traum, eine Utopie, ein Mythos, eine Illusion? Die vielen Bedeutungen, die sich an die Denkfigur Grenzenlosigkeit anschließen (können), eröffnen ein zwar fest etabliertes, aber immer noch frappierendes und herausforderndes, interdisziplinäres Forschungsfeld. Und gerade gegenwärtig scheint es von Nutzen zu sein, sich nicht nur der Grenze als solche, sondern auch deren Implikationen, Umkehr- und Begleiterscheinungen anzunehmen. Haben sie denn in der globalisierten, scheinbar grenzenlosen Welt ein ähnliches Gewicht, wie noch etwa vor hundert Jahren? „Wir sind heute alle Freiheitsfanatiker. Freiheit, Grenzenlosigkeit heißen die Göttinnen, um sie sind schwerste Opfer gebracht worden, überallhin ist der Weg nun frei. Leichter ist dadurch das Leben bisher nicht geworden; denn alle Bindungen, seien sie religiös oder patriarchalisch-traditionell, sind statische Elemente, sind, wenn man will, Fesseln, die aber, solang der Glaube unerschüttert ist, Beruhigung und Sicherheit geben.“ (Schmutzer, Alice: Gedanken über zwei Generationen) Die Begegnung der Grenzenlosigkeit mit dem Gestus des Fesseln-Anlegens thematisiert ebenfalls die Schriftstellerin der Jahrhundertewende, Lou Andreas-Salomé, wobei sie allerdings stärker als Schmutzer den zwischenmenschlichen Aspekt betont: „Wir werfen unser Denkschema wie ein unzerreißliches Netz über alle zerstückte Grenzenlosigkeit der sich uns aufdrängenden Tatsächlichkeiten: zwecks der Verständigung untereinander, zwecks der Gemeinschaftlichkeit in dieser für uns abgegrenzten Welt des Netz-Umfanges […]“ (Andreas-Salomé, Lou: Lebensrückblick). Dieser so imaginierten Grenzenlosigkeit, wie sie sowohl von Schmutzer als auch von Andreas-Salomé beschworen wird, wohnt dabei etwas Unheimliches inne: Solche Grenzenlosigkeit scheint von oben her den Einzelnen zu bedrängen, gleichsam wie ein omnipotentes Monstrum: ein gefährliches, unfassbares und – unmenschliches.

Aus dem bereits Gesagten dürften sich daher u. a. folgende Fragen und Aspekte ergeben, zu denen wir literatur- und/oder sprachwissenschaftlich orientierte Beiträge erbitten möchten:

  • Wie wird die Grenzenlosigkeit (literarisch, sprachlich) semantisiert?
  • Wo wird sie besonders gern thematisiert?
  • Wie wird die Grenzenlosigkeit bewertet?
  • In welchen (literarischen, sprachlichen) Kontexten taucht diese Denkfigur auf?
  • Was sind ihre Kehrseiten? Was sind ihre Konsequenzen? Ihre Gefahren?
  • Auffassungen und Konzepte der Grenzenlosigkeit im diachronen / interkulturellen Vergleich

Die Deadline für die Einsendung von druckfertigen Manuskripten ist der 30. Oktober 2023.

Publikationssprachen: Deutsch, Polnisch, ausnahmsweise Englisch

Alle Beiträge werden peer-reviewed.

Bitte reichen Sie Ihre Manuskripte, die einen Umfang von 30.000 Zeichen nicht überschreiten sollten, via unser OJS ein: https://journals.us.edu.pl/index.php/wss/about/submissions

Bitte konsultieren Sie die Redaktion, wenn Sie längere Beiträge einreichen möchten. Bei allen Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Kontakt: wortfolge@us.edu.pl


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu