CFP: [KORREKTUR: LINKS] Rivista di letteratura e cultura tedesca / Zeitschrift für deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft 23 (28.02.2023)

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Call for papers: links. Rivista di letteratura e cultura tedesca / Zeitschrift für deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft 23 (2023)

DEUTSCH

Naturlyrik: zeitgenössische Formen von Naturgedichten und neue Ansätze zur poetischen Subjektivität

Das Konzept des „Anthropozäns“, das bereits in den frühen 1980er Jahren von dem Biologen Eugene Stoermer formuliert und im Jahr 2000 von dem Atmosphärenchemiker Paul Crutzen wieder aufgegriffen wurde, beschreibt das geologische Zeitalter, in dem menschliche Aktivitäten eine Reihe von transformativen Veränderungen auf dem Planeten Erde hervorgerufen haben, die Ökosysteme verändern und die Beziehungen zwischen den Lebewesen dauerhaft modifizieren. Der Begriff „Anthropozän“ wirft immer wieder Fragen auf, die neue Diskussionsfronten eröffnen: An welche Themen wenden wir uns, wenn das geologische und natürliche Agens Anthropos unmissverständlich in Frage gestellt wird? Wer ist wirklich für das Anthropozän verantwortlich und welche Alternativen bieten sich auf einer theoretisch-kritischen und damit terminologischen Ebene an? Wie kann unser Planet auf Dauer bewohnbar gemacht werden? Bereits seit den frühen 1990er Jahren haben Philosophie und Anthropologie Überlegungen angestellt, die darauf abzielen, den ontologischen Natur-Kultur-Dualismus aus den Angeln zu heben und die anthropozentrische Perspektive zu dezentralisieren, indem sie den Anthropos als Subjekt eines dichten Beziehungs- und Verwandtschaftsnetzes (Haraway 2008) mit den anderen Elementen und Subjekten der Natur, den lebenden und nicht lebenden, in einer Inter- und Multi-Spezies-Perspektive betrachten (Kohn 2013; Haraway 2008). Andere zeitgenössische Theorien lesen die Beziehung zwischen Subjekt und Natur auch im Sinne einer Mitbestimmung, einer „Metaphysik der Vermischung“, ohne Ursprung und in ständiger Metamorphose (Coccia 2016), oder sogar eines „gemeinschaftlichen Überlebens“ unter den Arten (Tsing 2015).

Obwohl das Konzept des „Anthropozäns“ problematisch ist, hat es kurz gesagt eine interdisziplinäre Debatte in Gang gesetzt: Es entstand im Kontext der Geochemie, wurde aber bald von der Klimatologie, der Biologie, der Ökonomie, der Philosophie, der Anthropologie und der Literaturwissenschaft übernommen und hat den in den 1980er Jahren begonnenen ökokritischen Diskurs wiederbelebt. Die Dringlichkeit der aktuellen globalen Klimasituation rückt somit den ökologischen und umweltpolitischen Diskurs zunehmend in den Mittelpunkt der Literaturwissenschaft.

Die deutschsprachige Literatur hat eine reiche Tradition an Texten, die sich mit der Natur im weitesten Sinne befassen: Naturerscheinungen und -phänomene, Landschaften, Katastrophen, Formen des Verhältnisses zwischen Menschen und Tier. Diese Tradition hat im Laufe der Zeit die deutsche Identität geformt und zur Entstehung kultureller Konstrukte geführt, die sich im Laufe der Zeit sedimentiert und kristallisiert haben, aber auch wieder aktualisiert werden (man denke an der Wanderlust oder den Mythos der Wildnis). Der Begriff „Naturschreiben“, angelehnt an das englische Nature Writing, beschreibt die enge Verbindung zwischen Schrift, d.h. Sprache, und der natürlichen Welt. Paradigmatisch ist in den letzten Jahren die Etablierung des Deutschen Preises für Nature Writing und der Verlagsreihe Naturkunden im Verlag Matthes & Seitz, die sich genau der Praxis des Naturschreibens widmet. Sachbuchveröffentlichungen in diesem Bereich wachsen stetig zu.

Einen sehr interessanten Fall stellt dann die zeitgenössische Szene der Naturlyrik dar, die vor allem in der klassisch-romantischen Zeit stark verwurzelt ist, aber auch in starker Diskontinuität zu dieser Tradition steht. Die Zäsuren der Geschichte, vor allem im 20. Jahrhundert, zwischen Kriegen, Umwelt- und Atomkatastrophen, aber auch die ökologische Debatte der 1970er Jahre, haben die Naturpoesie immer wieder erneuert und reaktualisiert. So hat die Poesie im Laufe der Zeit neue ästhetische und hermeneutische Modelle der Landschaft geformt und soziale Veränderungen im Verhältnis zwischen der menschlichen Geschichte und der Naturgeschichte aufgezeichnet, die neue Formen der (Ko-)Existenz und des Bewohnens der Welt widerspiegeln.

Zu diesen Thematiken wurde eine interuniversitäre Forschungsgruppe in Italien eingerichtet, die von Francesco Fiorentino (Universität Roma Tre), Camilla Miglio (Sapienza) und Amelia Valtolina (Universität Bergamo) koordiniert ist, mit Nunzio Allocca, Luca Baruffa, Giulia Bocchetti, Lorella Bosco, Raul Calzoni, Diletta Giordano, Gabriele Guerra, Matteo Iacovella, Francesco Ottonello, Daniela Padularosa, Gianluca Paolucci, Serena Sapienza, Ute Weidenhiller; dieses CfP soll also als Erweiterung der Forschungsthemen und Vertiefung in die spezifischen Aspekte der deutschen Dichtung nach 1945 gelten.

Die Jahreszeitschrift „links. Rivista di letteratura e cultura tedesca / Zeitschrift für deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft“ lädt Interessierte ein, Beiträge einzureichen, die sich der zeitgenössischen deutschsprachigen Naturlyrik seit 1945 widmen und verschiedene Aspekte dieses neuen Ansatzes poetischer Subjektivität im Kontext der Naturlyrik untersuchen. Einige mögliche Themen zum Nachdenken:

- Beziehung zwischen Naturwahrnehmung und poetischer Subjektivität: An- und Abwesenheit des poetischen Ichs im Text;

- Überschneidungen zwischen Natur- und Menschheitsgeschichte in der Poesie: Fragen der Identität, der Konstruktion von Subjektivität, des kulturellen Gedächtnisses, der Emotionen, der Möglichkeit der (Ko-)Existenz auf einem „infizierten Planeten“;

- Naturpoesie als Praxis des Aktivismus: die Funktion des Schreibens als Instrument zur Sensibilisierung für Umweltprobleme und zur Auseinandersetzung mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit;

- Darstellung von Tieren und Tierrechten, auch unter dem Gesichtspunkt ihrer Beziehung zur menschlichen Spezies, insbesondere vor dem Hintergrund von Aussterbephänomenen;

- Lyrik „nach der Natur“: Die Darstellung von Natur- und Umweltkatastrophen und ihre Auswirkungen auf die deutschsprachige Literatur;

- Verhältnis zur Tradition: Kontinuität und Diskontinuität mit traditionellen Formen der Naturlyrik, zeitgenössische Neuschreibungen klassischer poetischer Formen, Wiederbelebung von Themen der kanonischen Naturdarstellung (z.B. Romantik).

Wer sich für diese Themen interessiert, wird gebeten, bis zum 28. Februar 2023 einen Vorschlag in englischer Sprache mit maximal 300 Wörtern an den Redaktionsausschuss, links.rivista@gmail.com, und den Herausgeber der Zeitschrift, gabriele.guerra@uniroma1.it, zu senden.

Der redaktionelle und wissenschaftliche Beirat der Zeitschrift zusammen mit der Forschungsgruppe bewertet die Abstracts und teilt den Autoren mit, welche Aufsätze angenommen werden. „Links“ ist eine wissenschaftliche Zeitschrift mit Peer-Review, d. h. die angenommenen Aufsätze werden von den Gutachtern anonym und in doppelter Blindheit bewertet. Die Aufsätze können in Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch verfasst werden und dürfen nicht mehr als 30.000 Zeichen (einschließlich Leerzeichen) umfassen.

Zeitplan:

28. Februar 2023: Einreichung eines Abstracts auf Englisch (max. 300 Wörter)

15. März 2023: Interne Bewertung und Bestätigung der ersten Annahme von Texten

15. Juli 2023:  Lieferung der Texte (max. 30.000 Zeichen inklusive Leerzeichen)

30. September 2023: Abschluss des review-Verfahrens

30. Oktober 2023: Endgültige Übergabe an die Redaktion der überarbeiteten Texte

 

https://links-rivista.wixsite.com/links

ITALIANO

Naturlyrik: forme contemporanee di poesie della natura e nuove impostazioni della soggettività poetica

Il concetto di “Antropocene”, formulato già nei primi anni ’80 dal biologo Eugene Stoermer e ripreso nel 2000 dal chimico dell’atmosfera Paul Crutzen, descrive l’era geologica nella quale le attività umane hanno prodotto una serie di cambiamenti trasformativi sul pianeta Terra, alterandone gli equilibri ecosistemici e modificando in modo permanente le relazioni tra i viventi. La nozione di “Antropocene” non cessa di sollevare interrogativi che aprono sempre nuovi fronti di dibattito: a quali soggetti ci si rivolge quando viene chiamato in causa, in modo indistinto, l’agente geologico e naturale anthropos? Chi è davvero responsabile dell’Antropocene e quali alternative si offrono, a livello teorico-critico e quindi terminologico? Come rendere il nostro pianeta abitabile sul lungo periodo? Già dai primi anni ’90, la filosofia e l’antropologia hanno avviato riflessioni tese a scardinare il dualismo ontologico natura-cultura e a decentrare la prospettiva antropocentrica, vedendo l’anthropos come soggetto di una fitta rete di relazioni e parentele (Haraway 2008) con gli altri elementi e soggetti della natura, viventi e non, in una prospettiva inter- e multispecie (Kohn 2013; Haraway 2008). Anche altre teorie contemporanee leggono il rapporto tra soggetto e natura nei termini di una codeterminazione, di una “metafisica della mescolanza”, senza origine e in continua metamorfosi (Coccia 2016), o ancora di una “sopravvivenza collaborativa” interspecie (Tsing 2015).

Benché problematico, il concetto di “Antropocene” ha insomma permesso di avviare un dibattito trasversale a tutte le discipline: nato nel contesto della geochimica, è ben presto passato alla climatologia, alla biologia, fino all’economia, alla filosofia, all’antropologia e allo studio della letteratura, rilanciando il discorso ecocritico iniziato negli anni ’80. L’urgenza dell’attuale situazione climatica a livello mondiale pone quindi il discorso ecologico e ambientale sempre più al centro degli studi letterari.

La letteratura di lingua tedesca conosce una ricca tradizione di testi che si confrontano con la natura nel senso più ampio del termine: manifestazioni e fenomeni naturali, paesaggi, cataclismi, forme della relazione tra umani e animali. Tale tradizione ha forgiato, nel tempo, l’identità tedesca e ha fatto emergere costrutti culturali che nel tempo si sono sedimentati e cristallizzati ma che vengono anche riattualizzati (si pensi alla Wanderlust o al mito della wilderness). Il termine Naturschreiben, ricalcato sull’inglese Nature Writing, descrive l’intima connessione tra la scrittura, ovvero la lingua, e il mondo naturale. Negli ultimi anni, è paradigmatica l’istituzione del Deutscher Preis für Nature Writing e della collana editoriale Naturkunden presso l’editore Matthes & Seitz, dedicata proprio alle pratiche del Naturschreiben. Anche le pubblicazioni saggistiche in questo campo sono in continuo aumento. Un caso molto interessante è poi rappresentato dalla scena contemporanea della poesia della natura (Naturlyrik), fortemente radicata soprattutto nell’età classico-romantica ma che con questa tradizione si pone anche in forte discontinuità. Le cesure della Storia, in particolare nel Novecento, tra guerre, catastrofi ambientali e nucleari, ma anche il dibattito ecologico degli anni ’70, hanno continuamente rinnovato e riattualizzato la poesia della natura. Nel corso del tempo, la poesia ha così plasmato nuovi modelli estetici ed ermeneutici del paesaggio e registrato i mutamenti sociali nel rapporto tra storia umana e storia naturale, riflettendo nuovi modi di (co)esistenza e di abitare il mondo.

Su queste tematiche si è costituito in Italia un gruppo di ricerca interuniversitario coordinato da Francesco Fiorentino (Università di Roma Tre), Camilla Miglio (Sapienza) e Amelia Valtolina (Università di Bergamo), comprendente Nunzio Allocca, Luca Baruffa, Giulia Bocchetti, Lorella Bosco, Raul Calzoni, Diletta Giordano, Gabriele Guerra, Matteo Iacovella, Francesco Ottonello, Daniela Padularosa, Gianluca Paolucci, Serena Sapienza, Ute Weidenhiller, di cui questo CfP va considerato un’estensione e un approfondimento sul versante specificamente poetico di lingua tedesca successiva al 1945.

La rivista annuale “links. Rivista di letteratura e cultura tedesca / Zeitschrift für deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft” invita gli interessati a proporre contributi dedicati alla poesia della natura contemporanea di lingua tedesca a partire dal 1945 che indaghino aspetti diversi di questa nuova impostazione della soggettività poetica nel contesto della Naturlyrik. Alcuni possibili temi di riflessione:

  • Relazione tra la percezione della natura e la soggettività poetica: presenza e assenza dell’io poetico nel testo;
  • Intersezioni tra storia naturale e storia umana nella poesia: questioni identitarie, di costruzione della soggettività, memoria culturale, emozioni, possibilità di (co)esistenza su un “pianeta infetto”;
  • Poesia della natura come pratica di attivismo: la funzione della scrittura come strumento di sensibilizzazione ai problemi ambientali e di confronto con le questioni di giustizia sociale;
  • Rappresentazione degli animali e dei diritti degli animali, anche nell’ottica della loro relazione con la specie umana, soprattutto sullo sfondo dei fenomeni di estinzione;
  • Poesia “nach der Natur”: rappresentazione delle catastrofi naturali ed ecologiche e il loro impatto sulla letteratura di lingua tedesca;
  • Rapporto con la tradizione: continuità e discontinuità con forme tradizionali della Naturlyrik, riscritture contemporanee di forme poetiche classiche, ripresa di temi dell’immaginario canonico della natura (ad es. Romanticismo).

Si invitano coloro che sono interessati a queste tematiche a proporre un saggio, inviando un abstract in inglese di max. 300 parole entro il 28 febbraio 2023 all’indirizzo della redazione, links.rivista@gmail.com e del direttore della rivista, gabriele.guerra@uniroma1.it.

Il comitato editoriale e scientifico della rivista, d’intesa con il gruppo di ricerca, valuterà gli abstracts e comunicherà agli autori quali sono i saggi accettati. “Links” è una rivista peer review, quindi i saggi accettati saranno sottoposti alla valutazione in forma anonima alla valutazione di referees in forma doppia cieca. I saggi possono essere scritti in inglese, tedesco, francese, italiano e non devono superare le 30.000 battute (spazi inclusi).

 

Timing:

28 febbraio 2023: invio abstract in inglese (max. 300 parole)

15 marzo 2023: valutazione interna e conferma prima accettazione testi

15 luglio 2023: consegna testi degli autori (max 30.000 battute spazi inclusi)

30 settembre 2023: conclusione del referaggio

30 ottobre 2023: consegna definitiva testi revisionati

 

https://links-rivista.wixsite.com/links

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

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