CFP: Zum Einfluss von disziplinären Publikationskulturen auf Theoriebildung in den deutschsprachigen Geistes- und Sozialwissenschaften seit 1945, Mainz (15.01.2023)

Ute Schneider's picture

Workshop am Gutenberg Institut für Weltliteratur und schriftorientierte Medien/Buchwissenschaft der Universität Mainz vom 31. Mai bis 1. Juni 2023

Clemens Boehncke (HIS Hamburg) / Oliver Römer (GAU Göttingen) / Ute Schneider (JGU Mainz)

 

Die Geschichtsschreibung über die Entstehung und Entwicklung von Theorien in den Geistes- und Sozialwissenschaften kennt mehrere, gut ausgetretene Pfade: alteingesessen, wenn auch mittlerweile etwas aus der Mode gekommen, sind autorenzentrierte Darstellungen. Theoriebildung wird dann der Karriere einzelner, entscheidender Figuren, die nicht selten als heroische Solisten auftreten, geschildert. Ein verwandter Zugang erforscht dies nicht anhand von Individuen, sondern Kollektiven oder Netzwerken, und kann so den Aufstieg wie Niedergang bestimmter Denkschulen zeigen. Weiterhin wurden Theoriebildungen nicht nur kognitiv, sondern auch institutionell betrachtet: jene mehr oder weniger greifbaren Orte, Foren oder aber Einrichtungen, an denen Einzelpersönlichkeiten oder Netzwerke Theoriearbeit betreiben und auf Dauer stellen können.

Schon seit längerer Zeit wird dabei in der Forschung anerkannt, dass, um überhaupt nachhaltig theoriebildend wirken zu können, publiziert und rezipiert werden muss. Damit stößt man auf die Infrastruktur und Begleitindustrie geistes- und sozialwissenschaftlichen Arbeitens und die jeweiligen Publikationskulturen, die diese Wissenschaftsdisziplinen hervorgebracht haben und die auf sie zurückwirken. Einigkeit besteht dahingehend, dass Publikationskulturen keineswegs als neutrale Medien der wissenschaftlichen Wissensproduktion begriffen werden dürfen. Offen bleibt trotz einer Fülle materialer Einzelstudien jedoch bisher die Frage, wie unterschiedlich oder ähnlich sich jenes Wechselverhältnis zwischen Theoriebildung und disziplinspezifischen Publikationskulturen über unterschiedliche Geistes- und Sozialwissenschaften im deutschsprachigen Bereich konstituiert.

Der Workshop will diesbezüglich insbesondere die Zeit seit 1945 betrachten. Besonders erwünscht sind Beiträge sowohl zu bestimmten Verlagserzeugnissen (wie etwa Zeitschriftengründungen, Editionsprojekte oder Buchreihen) im Großen wie zu den Beziehungsgeflechten etwa zwischen Autoren und Verlagen im Kleinen. Alle Beiträge sollen ausdrücklich dem vorläufigen Charakter eines Workshops entsprechen und sehr gerne in Form kondensierter und zugespitzter Thesen zur Diskussion einladen.

Die Veranstalter:innen bitten um ein kurzes Exposé bis zum 15. Januar 2023 an Clemens Boehncke M.A. (clemens.Boehncke@his-online.de), Dr. Oliver Römer (oliver.roemer@sowi.uni-goettingen.de) und Prof. Dr. Ute Schneider (uschneid@uni-mainz.de). Eine Entscheidung über die Aufnahme der Beiträge erfolgt spätestens zum 15. Februar 2023. Reise- und Übernachtungskosten können voraussichtlich übernommen werden.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu