CFP: Populäre Gender-Inszenierung, Universität des Saarlandes (31.12.2022)

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Call for Abstracts

»Populäre Gender-Inszenierung«

 Panel zur 8. KWG-Jahrestagung: Populäre Kulturen / Popular Cultures

(Universität des Saarlandes / Saarbrücken, 27.–30.9.2023)

 

Organisatorin:

Katja Kauer  (Universität Fribourg)

Wir wissen nicht erst durch die popfeministischen Diskurse, dass die Populärkultur Gendervorstellungen popularisiert, die ehemals als deviant oder problematisch galten. Die Popularisierung von neuen Geschlechterrollen darf zwar nicht vorschnell mit Feminismus, Emanzipation und kritischem Bewusstsein gleichgesetzt werden, doch die Diversifizierung von den Genderbildern, wie wir sie z.B. auch aus der Girl-Kultur der 1920er Jahre kennen, wirkt kulturverändernd, eröffnet neue Räume und kann somit durchaus Emanzipation befördern. Im Medium des Populären werden allerdings auch Räume geschlossen, die als »veraltet« und »langweilig« gelten.

In der Spätmoderne erhebt Genderidentität nicht den Anspruch »authentisch« oder »überzeitlich« zu sein, vielmehr geht es darum, einem bestimmten Gender-Profil zu entsprechen. Die Identitätsphilosophie reflektiert das dadurch, dass sie von Identität als »Profile-Based-Identity« spricht. Für den Zusammenhang von Popkultur und Gender lässt sich das folgendermaßen adaptieren: Menschen profilieren ihr Gender, indem sie sich in medialen Räumen mit ihrer Genderidentität auseinandersetzen. Sie passen sie gegebenenfalls gesellschaftlich entstandenen, neuen Diskursen an.

Der Umgang mit Genderrollen ist kein selbstverständlicher, er impliziert in vielen Bereichen der Populärkultur eine kritische Haltung zur Heteronormativität. Die Popularisierung eines Genderdiskurses, der Binarismen auflöst, stößt aber auch auf konservative Ablehnung und befördert Sehnsüchte nach festeren Basen für Genderidentitäten, die sich u.a. in Maskulinismus oder Homophobie ein Ventil suchen.

In der Sektion »Populäre Gender-Inszenierung« soll diskutiert werden, wie diese Bewegungen verlaufen, wie Popkultur das Phantasma »Gender« steigert, indem es versucht, (marktkompatibel) bestimmte Identitäten zu naturalisieren oder sie zu dekonstruieren, um ästhetisch neue Spielfelder zu betreten, die beispielgebend werden wie die metrosexuelle Männlichkeit einiger Popstars um 2000, Lady Gagas Gender Questioning in den 2010er oder der gegenwärtige Sexpositivismus, der mit hyperbolischen Weiblichkeitsattributen operiert wie er bei einigen weiblichen Rapperinnen in der Gegenwart zu beobachten ist. Der Antigenderismus, der auf naive Weise die ihm überbordend erscheinende Diversität kritisiert, bietet Gender-Profile an, die sich deutlich von den der diversifizierten, spätmodernen Phänomenologie abheben. Es ist offenkundig, dass es eine verlorengegangene Natürlichkeit von Geschlecht, einen unwandelbaren Sinn geschlechtlicher Identität niemals gegeben hat. Antigenderismus arbeitet jedoch mit der Erzählung dieses Verlustes und versucht die Komplexität des Themas Gender zu verringern und nutzt dazu populäre Medien. Wir können allerdings im popkulturellen Raum auch eine moralische Aburteilung veralteter Genderideale beobachten, die ebenfalls unterkomplex argumentiert. Interessanterweise wird der Abwehrkampf gegenüber einer Genderdiversität und die Infragestellung konservativer Genderidentitäten oft mit ähnlichen Mitteln ausgefochten. Es wird nicht nur mit »wokem« Bewusstsein öffentlich debattiert, ob bestimmte Politiker »alte, weiße Männer« sind, sondern oft im selben Atemzug mit konservativen Kategorien bemängelt, wenn ein Politiker als ein »Schluffi« erscheint. Die Populärkultur produziert Genderprofile in doppelter Hinsicht, sowohl konservative als auch »woke«.

Eine Diskussion des Einfluss des Populären auf spätmoderne (profil-basierte) Genderidentäten zeigt, wie sich Issues von Race, Class, Gender und Diversity durch Populärkultur(en) entstanden sind und potenziert haben. Diese Sektion ist Bestandteil der 8. Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft (KWG), Populäre KULTUREN, die am 27.–30. September 2023 an der Universität Saarbrücken stattfindet. Wir bitten um Beträge, die sich an einem oder mehreren Beispielen populären Gender-Identitäten widmen, unabhängig davon, ob diese als »woke« oder »konservativ« gelten.

Wie wird die Populärkultur zur Impulsgeberin, Spiegel oder zum Kampffeld neuer Gender-Identitäten?

Welche Medien haben besonders starken Einfluss? Wie wirkt die Digitalisierung an der Popularisierung bestimmter Gender-Identitäten mit?

Wie verhalten sich Kapitalismus und Klassismus zum Thema Gender?

Sehen Sie eine historische Veränderung/Entwicklung?

Wie unterscheiden sich popkulturelle Geschlechtsidentitäten des 21. Jahrhunderts von denen des 20 Jahrhunderts?

Spielt der »male gaze« in der Popkultur noch eine tragende Rolle?

Wir bitten um die Einsendung von Abstracts. Diese sind im Umfang von maximal einer Seite zusammen mit einer Kurzbiografie bis zum 31. Dezember 2022 an Katja Kauer (katja.kauer@unifr.ch, katja.kauer@ovgu.de) zu richten. Die Autor*innen erhalten bis Mitte Januar eine Zu- oder Absage.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu