CFP: „Eine Sprache, die sprachlos macht.“ – Experimente im Werk Gerhard Falkners (Ästhetische Signaturen, Bd. 5)

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In der sprachlichen Ausdrucksweise neue Wege zu gehen und im Experimentieren mit Worten die Grenzen des Sagbaren auszuloten, galt lange Zeit als das Merkmal der Literatur. Wirft man einen Blick in die Neuerscheinungen der letzten Jahre, so verdrängen Texte, die sich durch das Abarbeiten aktueller gesellschaftlicher Themen auszeichnen, Sprachexperimente in die zweite oder dritte Reihe. Ein Autor, der wie kein anderer gegen alle Widerstände des Marktes am Experiment festhält und immer wieder polemisch die Mechanismen des Marktes kritisiert, ist Gerhard Falkner. Aufgrund der Explosivität seiner Texte beschreiben die Herausgeber seiner gesammelten essayistischen Schriften Constantin Lieb und Manfred Rothenberger seine Gedichte als „Sprachminen“, die den Willen zeigen, die etablierten Wege dichterischer Produktion zu verlassen. So verwundert es nicht, dass er mit dem Hinweis, dass es für das lyrische Ich im 20. Jahrhundert Zeit für das Müttergenesungswerk werde, die Schreibweisen seiner Kolleginnen und Kollegen kritisiert. Beschreitet der Lyriker in seinen Gedichten neue Wege – der Titel „Materialschlachten“ eines Lyrikzyklus sei hier exemplarisch genannt –, so ist eine Suche nach neuen Ausdrucksweisen auch in der Prosa erkennbar. „Das Ziel dieser Dichtung ist die Entschuldigung ihrer Kühnheit.“ Mit dieser Anlehnung an Jean Paul unterläuft Falkner in seinem jüngsten Roman „Romeo oder Julia“ das gleichförmige Erzählen im 13. Kapitel. Die Rezeptionshaltung des Lesers als Ziel seines Angriffs ist unschwer erkennbar, rückt doch auf diese Weise die ästhetische Gestaltung des Romans in den Blick.

Die vielfältigen Formen des Experiments und die Suche nach neuen Schreibweisen in allen von Gerhard Falkner erprobten Gattungen möchte der neue Band in der Reihe „Ästhetische Signaturen“ in den Blick nehmen. Dabei sollen folgende Aspekte abgedeckt werden:

  • Einzelinterpretationen von Gedichten und Gedichtzyklen, die die besondere Empfindungssensibilität Falkners wie seine Vorliebe für Sprachexperimente in den Blick nehmen,
  • Analysen seiner erzählenden Schriften „Bruno“, „Apollokalypse“ und „Romeo oder Julia“ und seiner Dramen,
  • vergleichende Untersuchungen mit anderen Autorinnen und Autoren der Gegenwart, die die ästhetische Signatur der Werke Falkners und seine Stellung in der Literatur der Gegenwart herausarbeiten.
  • Auseinandersetzungen mit seinen Einsprüchen und Provokationen in essayistischer Form, die ausgehen von der Flugschrift „Wie man den alten Hasen die Bücher erklärt“ Falkners kritische Auseinandersetzung mit dem Buchmarkt und der Literaturkritik reflektieren und die Besonderheiten seiner essayistischen und polemischen Texte herausstellen.

Beitragsvorschläge werden bis zum 20. Januar 2018 an die Herausgeberin Dr. Miriam Seidler an die Adresse ms@miriamseidler.de erbeten. Die Beiträge sollen bis zum 31. Mai 2018 in der Druckfassung vorliegen.

Categories: CFP
Keywords: CFP, Humanities