KONF: ‚Rückkehr aus dem Exil‘ – Katholische Tendenzen und Trends in der Kultur der Weimarer Republik, Weimar (31.08. – 02.09.2022)

Moritz Strohschneider's picture

Petersen-Bibliothek, Goethe- und Schiller-Archiv Weimar, 31.08.–02.09.2022

Veranstalter: Prof. Dr. Florian Bock (Bochum) und Dr. Moritz Strohschneider (Tübingen)

Die Tagung wird durch eine Förderung der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung ermöglicht.

 

Die Kultur der Weimarer Republik interessierte sich in besonderem Maße für solche religiösen Ideen, von denen man sich Hilfe bei der Lösung der zahlreichen sozialen, kulturellen, politischen oder wirtschaftlichen Probleme der Gegenwart versprach. Dabei rückte gerade die römisch-katholische Kirche nach dem Ersten Weltkrieg neu in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit, wie nicht zuletzt zahlreiche Konversionen zeigen. Das große Faszinationspotential der katholischen Konfession beruhte – so die These – auf dem Umstand, dass in ‚der‘ katholischen Tradition – im Gegensatz zum Protestantismus – sowohl die Modernisten als auch die Fortschrittsgegner Anknüpfungspunkte für ihre jeweiligen Weltanschauungen finden konnten: Der Kampf gegen Pluralismus und Individualismus oder für Europa und den Pazifismus, die Sehnsucht nach einer ständischen Gesellschaftsorganisation oder die Bereitschaft zur politischen Partizipation in der Republik ließen sich gleichermaßen im Rückgriff auf katholische Argumente begründen. Diese ‚Entdeckung‘ des Katholischen schlug sich in ganz unterschiedlichen Wissensbereichen nieder und prägte vielfältige gesellschaftliche Semantiken und Praktiken in Literatur, Kunst, universitärer Wissenschaft, Politik und Sozialleben. Die Tagung wird diese Faszination im interdisziplinären Gespräch untersuchen und so einen bisher unterschätzen Bereich der Kulturgeschichte der Weimarer Republik erhellen. Ihr Untersuchungszeitraum beginnt mit dem Jahr 1918, da das Ende der preußisch-protestantischen Monarchie den Katholikinnen und Katholiken das Gefühl vermittelte, einen politisch-kulturellen Neuanfang versuchen zu können. Er endet mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933, die eine explizit antichristliche Politik verfolgten und so das gesellschaftliche Koordinatensystem dramatisch verschoben.

 

Mittwoch, 31.08.2022

ab 14.15 Begrüßungskaffee

15.00 Florian Bock / Moritz Strohschneider

Eröffnung der Tagung: Einführung in das Thema

15.30 Magnus Lerch (Köln)

Rückkehr aus dem Exil – Wiederkehr der Tradition? Zur Strittigkeit von Kontinuität und Bruch im Katholizismus der Weimarer Republik

16.15 Thorsten Voß (Wuppertal)

Zwischen Ressentiment, Agitation und Kulturkampf. Die Rhetoriken katholischer Essayistik in der Weimarer Republik: Hugo Ball, Theodor Haecker, Carl Schmitt und Martin Spahn

17.00 Kaffeepause

17.15 Friedrich Vollhardt (München)

1924/25: Eine Momentaufnahme zum Kulturprogramm der Zeitschrift „Hochland“ in der Mitte der 1920er Jahre

18.15 Abendvortrag: Almut-Barbara Renger (Berlin)

Buddhismusrezeption zur Zeit der Weimarer Republik (1918–1933) und ihre Wegbereitung in Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien, Europa und Nordamerika

20.00 Gemeinsames Abendessen

 

Donnerstag, 01.09.2022

9.00 Lea Lerch (Tübingen)

„Konservative Revolution“ und Katholizismus bei Paul Ludwig Landsberg (1901–1944)

9.45 Gabriel Rolfes (Chemnitz)

„… diesen Frontwechsel in jenen größeren Zusammenhang einzubauen, den das Schlagwort ‚Rückkehr aus dem Exil‘ meint.“ – Walter Dirks’ journalistisches Programm einer katholisch-sozialistischen Verständigung als Phänomen katholischer Erneuerung zwischen Kulturkampf und Republik

10.30 Kaffeepause

11.00 Stefan Gerber (Jena)

„Bürger, aber nicht Bürgen“. Willly Hellpachs politische Konfessionssoziologie in der Weimarer Republik

11.45 Daniel Weidner (Halle)

Hermann Broch und die katholische Romantik. Essayistik, Diskursmischung, Hybridisierung

12.30 Mittagspause

14.00 Tim Lörke (Berlin)

Konkurrierende Herrschaftsformen. Die Frage demokratischer Legitimität in Hugo von Hofmannsthals Der Turm

14.45 Gabriela Wacker (Tübingen)

Diplomat des Christentums. Zur Paul Claudel-Rezeption in Deutschland

16.00 Nachmittag zur freien Verfügung für Gespräche, Austausch oder den gemeinsamen Besuch eines Museums

20.00 Gemeinsames Abendessen

 

Freitag, 02.09.2022

9.00 Sabine Gruber (Tübingen)

Romantik-Rezeption als (Wieder-)Entdeckung des Katholischen? – Das von Franz Dessauer und Paul Pattloch geplante Brentano-Museum in Aschaffenburg

9.45 Thomas Pittrof (Eichstätt)

„Nun der Verlag. Einen katholischen Verlag bekommen wir dafür nicht. Einen Diederichschen will ich nicht.“ Positionierungsprobleme katholischer (Religions‑)Intellektueller im Kulturkatholizismus der 1920er und 1930er Jahre

10.30 Kaffeepause

11.00 Thomas Ruster (Dortmund)

„Rechts stehen und links denken“. Kapitalismus- und Kirchenkritik bei Alfons Maria Knoll

11.45 Florian Bock / Moritz Strohschneider

Abschluss, Resümee

13.00 Gemeinsames Essen


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu