CFP: [Korrektur] Grenzüberschreitungen – Plots, Akteure, Kontexte: Missionserzählungen in Literatur und Film, Wittenberg (31.12.2022)

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Fachgruppentagung der Sektion Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie in der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie
30. März (15 Uhr) – 1. April 2023
in Wittenberg
1st Call for Papers 


Grenzüberschreitungen – Plots, Akteure, Kontexte 
Missionserzählungen in Literatur und Film


Erzählungen von Grenzüberschreitungen sind in Literatur und Film nicht selten. Sie sind aber geradezu unvermeidbar, wenn es um Mission geht. Das gilt sowohl für Literatur und Filme, die Mission in einem engeren Sinn verstehen, wie es etwa in Martin Scorceses „Silence“ (2016) und der 
Buchvorlage von Shūsaku Endō (1966) oder in „The Mission“ von Roland Joffé (1986) der Fall ist. Grenzüberschreitungen sind aber auch zentral in Büchern und Filmen, die ein eher weites Verständnis von Mission konstruieren: In „Dune“ bspw. fließen fluide, von konkreten Religionsformationen abstrahierende, aber doch religionsaffine Elemente zusammen; in „Avatar“ geht es – unter anderem – um eine ökologische vs. eine ökonomische ‚Mission‘.


Auch in unbekannteren Filmen und Büchern wird Mission thematisch, mit Missionar:innen mal in Hauptrollen, mal in Nebenrollen und fast durchgängig mit einem wie auch immer gearteten Verhältnis zu Themen des Kolonialismus und der Begegnung mit ‚dem anderen‘ oder ‚den anderen‘. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema aus der Perspektive der Religionsforschung fällt vergleichsweise schmal aus. Das mag an der Interdisziplinarität des Feldes zwischen Literatur-, Film- und Medien-, Geschichts- und Religionswissenschaft sowie Theologie liegen oder an den Verflechtungen von Vermarktungsinteressen, historischen und soziopolitischen Bedingungen der Film- und Buchproduktion oder den Kontexten der Ereignisse, auf die Bezug genommen wird – ob ‚real‘ oder imaginiert. Mission wird oftmals in einem sehr komplexen und ambivalenten Spannungsfeld inszeniert und reflektiert, was eine inter- oder transdisziplinäre Bearbeitung durch die genannten Disziplinen als gewinnbringend erscheinen lässt. 

Doch was veranlasst eigentlich die BBC dazu, ein Remake zu einem 70 Jahre alten Film über die Geschichte einer Mission im Himalaya mit verrückt werdenden Nonnen neu zu drehen ("Black Narcissus")? Was einen zeitgenössischen Autor wie Michel Faber ("The Book of Strange New Things") zu einem ‚klassischen‘ Missionsplot im Gewand der Science Fiction? Wie verflechten die literarisch oder filmisch inszenierten Erzählungen historische Fakten und gegenwärtige gesellschaftliche und globalpolitische Entwicklungen? Was zeigen uns Erzählungen der Missionsgeschichte über die inter- und transnationalen Verhältnisse der Gegenwart? Gibt es gleich bleibende Repräsentationsmuster in der Darstellung: des Missionars/der Missionarin, des/der ‚anderen‘ oder der ‚anderen‘ Kultur? Welche Stereotype und Hierarchien werden wie reproduziert – oder gebrochen? Welche (Geschichts-/Missions-..., transnationalen) Narrative und Gegen-Narrative werden erzeugt oder wiederholt? Wie sieht das Bild der Mission in Filmen und Büchern aus dem Globalen Süden aus? Gibt es gender-, race- oder class-bezogene Differenzierungen? Welches (global-universalisierte, lokale, global) Wissen über, welche Deutung von Mission, Kultur, Kulturbegegnung etc. wird von wem wie erzeugt bzw. rezipiert?

Im Fokus sollen Grenzüberschreitungen stehen: Wer überschreitet welche Grenzen? Wessen Grenzen werden wie überschritten? Wie und durch wen werden diese Grenzen überhaupt definiert – wer hat hier die Deutungsmacht? Welche Praktiken (Rituale, Konversionen…) sind grenzüberschreitend? Wie beschreibt/erzählt der/die Autor:in oder Regisseur:in aus der Außenperspektive die Grenze und Grenzüberschreitungen? Inwiefern lassen sich Grenzüberschreitungen ausmachen, die für Missionserzählungen spezifisch sind? Wie wirken die Grenzüberschreitungen in den Genres (etwa von Buch zu Film oder von Graphic Novel zu Serie) mit erzählten Grenzüberschreitungen zusammen?


Die Sektion Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie in der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie wird sich auf ihrer nächsten Fachgruppentagung, die von 30. März bis 1. April 2023 in Wittenberg stattfindet, mit diesen und ähnlichen Fragen befassen. Sie knüpft an die 
Vorgängertagung zu Mission in Literatur und Film an, die vom 30.3.-1.4.22 stattgefunden hat und deren Beiträge Anfang 2023 im Tagungsband veröffentlicht werden, differenziert und vertieft das Thema jedoch in o.g. Weise. Es wird um die Anmeldung von Beiträgen gebeten, die sich im Rahmen der oben skizzierten Thematik bewegen. Konkrete Einzelfallstudien und -analysen sind dabei ebenso willkommen wie konzeptionell-theoretische Reflexionen und Grundsatzpapiere. Die Beiträge können aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven und Zugängen kommen (z.B. 
Literatur- und Medienwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Ethnologie, postkoloniale Theorie, Genderforschung, Religionswissenschaft, Theologie). Auf der Fachgruppentagung sollen die Vorträge selbst max. 30 Minuten nicht überschreiten, um genügend Raum für Diskussionen zu lassen, sie können für die geplante Veröffentlichung aber weiter ausgearbeitet werden. Außerdem können weitere Beiträge für die Veröffentlichung nachnominiert werden. Zur weiteren Planung und Ausgestaltung des Programms erbeten wir bei der Einreichung um folgende Angaben:
• Name und Adresse, insbes. E-mail des/der Einreichenden 
• Titel des Beitrags 
• Abstract von max. 200-250 Wörtern 
Deadline für die Anmeldung von Beiträgen und Abstracts: 31. Dezember 2022
an: claudia.jahnel@rub.de sowie nehring.andreas@t-online.de


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu