KONF: Rilke und das Judentum (Gerleve, 23.-25.09.2022)

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Weiß man um Rainer Maria Rilkes Zurückhaltung, sich in gesellschaftlichen oder politischen Dingen öffentlich zu äußern, signalisiert seine Beteiligung an einer 1907 von Julius Moses veranstalteten Rundfrage zur ‚Lösung der Judenfrage‘ bereits sein grundsätzliches Interesse am Thema. Auch in seinen Briefen kommt er auf das „Schicksal des Juden“ (so in einem Brief an Ilse Blumenthal-Weiss vom 25.4.1922) zu sprechen, in diesem Fall, um seiner jüdischen Briefpartnerin zu versichern, dass das durch die Juden „Bewirkte uns allen schließlich unentbehrlich ist, nicht wegzudenken und nicht wegzuwollen“. Gleichwohl entwirft Rilke in diesem Brief (und nicht nur dort) ein ambivalentes Bild des Judentums, das „sein Gutes und sein Arges“ habe; so verweist er auf Fälle, in denen Juden durch ein erzwungenes „Unbefestigtsein“ zum „Schädling, zum Eindringling, zum Auflöser“ geworden seien. In den 100 Jahren, die seit diesem Brief vergangen sind, hat man Rilke sowohl zum Philosemiten als auch zum Antisemiten erklärt. Grund genug, sich mit Rilkes literarischen, brieflichen und diskursiven Texten zum Judentum differenziert und unter Einbeziehung des historischen Kontextes zu beschäftigen. Dies ist das Ziel der Tagung 'Rilke und das Judentum', die von der Internationalen Rilke-Gesellschaft vom 23.-25.9.2022 im Tagungshaus Ludgerirast der Benediktinerabtei Gerleve (im Münsterland) veranstaltet wird.

Programm

Freitag, 23.9.2022
19.00 Prof. Dr. Torsten Hoffmann (Stuttgart): Begrüßung und Einführung ins Thema

19.30 Dr. Martina Niedhammer (Collegium Carolinum, München): Zwischen Rückschau und Aufbruch: Die Situation der jüdischen Bevölkerung in den böhmischen Ländern um 1900

Samstag, 24.9.2022
9.00    Dr. Cornelia Pechota (Genf): Jesus als Jude. Lou Andreas-Salomés Aufsatz Jesus der Jude und Rilkes Christus-Visionen
10.30 Workshop-Phasen I & II
Dr. Alfred Hagemann (Stuttgart): Jüdisches Leben: Eine Szene aus dem Ghetto von Venedig (aus den Geschichten vom lieben Gott)
Benjamin Krutzky (Osnabrück): Rabbi Löw in Rilkes Gedichten Rabbi Löw und Judenfriedhof
Prof. Dr. Charlie Louth (Oxford): Ein jüdischer Jesus? Judenfriedhof und Der Ölbaum-Garten
Dr. Silke Pasewalck (Oldenburg): Neue Gedichte zu biblischen Figuren: Esther und Ein Prophet
16.00 Prof. Dr. Torsten Hoffmann & PD Dr. Anna-Dorothea Ludewig (Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam): „fürchten oder rühmen“? Das Judentum in Rilkes Dialog mit Ilse Blumenthal-Weiss
19.30 Rilke-Foyer (organisiert von Dr. Tina Simon, Leipzig)

Sonntag, 25.9.2022
8.45    Dr. Hannah Lotte Lund (Zentrum für Antisemitismusforschung, Berlin): „Selbstaufrichtung.“ Rilkes Beitrag zur Umfrage ‚Die Lösung der Judenfrage‘ (1907) im Kontext
10.15 Prof. Dr. Erich Unglaub (Braunschweig): Lyrik nach der ‚Schrift‘: Rilke zu Jakobs Kampf mit dem Engel
11.45  Abschlussdiskussion

Gäste sind herzlich willkommen! Weitere Informationen und Anmeldung (bis zum 15.7.2022) unter http://www.rilke.ch/?page_id=12.

Kooperationspartner
Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Potsdam
Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts

Tagungsort
Haus Ludgerirast
Benediktinerabtei Gerleve
Gerleve 1
48727 Billerbeck
www.abtei-gerleve.de

Organisation
Alfred Hagemann, Torsten Hoffmann und Erich Unglaub

Fragen zur Organisation richten Sie bitte an Alfred Hagemann via sekretariat@rilke.ch.

 

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