CFP: (verlängere Bewerbungsfrist) FVF-Jahrbuch 2023: Deutsch-britischer Kulturtransfer im Vormärz (31.7.2022)

Andrew Cusack's picture

Verlängerung CFP: Call for Papers für das FVF-Jahrbuch 2023 (neue Frist 31.7.2022).

Deutsch-britischer Kulturtransfer im Vormärz

Hg. Andrew Cusack (University of St Andrews)

Die neuen politischen Konstellationen nach 1815 führten auch zu einem neuen Interesse der ‚Siegermächte‘ des Deutschen Bundes und Großbritannien aneinander. Briten und Deutsche begegneten sich aber nicht nur auf der Ebene der europäischen Hochpolitik, im Tourismus, oder auf wirtschaftlichem Gebiet. Von gleicher Bedeutung waren Begegnungen im Journalismus, in der Geschichtsschreibung, in den Reiseberichten und Übersetzungen, in den Erzählungen, Romanen und Dramen und literarischer Kritik.

Literarische Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien finden zunehmend die Aufmerksamkeit der Forschung, erwähnt seien das seit 2008 erscheinende Jahrbuch für britische-deutsche Kulturbeziehungen Angermion, der 2016 von Lore Knapp und Eike Kronshage herausgegebene Aufsatzband Britisch-deutscher Literaturtransfer 1756-1832, oder die 2019 in London stattfindende Tagung Two Centuries of Anglo-German Correspondences: Celebrating Queen Victoria, Prince Albert, George Eliot and Theodor Fontane. Dennoch steht eine umfassende Kontextualisierung dieser Beziehungen für die Epoche des Vormärz immer noch aus.

Deswegen zielt dieser Band auf eine Rekonstruktion der literarischen Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien für den Zeitraum 1815-1848. Er sucht den vielfältigen Facetten des Kultur- und Wissenstransfers zwischen beiden Ländern gerecht zu werden, indem er mit dem erweiterten Literaturbegriff des neunzehnten Jahrhunderts operiert: einem Literaturbegriff, dessen Schwerpunkt in der Belletristik liegt, der aber auch für historische, politische, theologische, natur- und staatswissenschaftliche Schriften offen ist.

Bisher hat sich die Forschung hauptsächlich für den Literaturtransfer von Großbritannien nach Deutschland interessiert. Weniger Beachtung hat die Auswahl, Übersetzung und Verbreitung deutscher Literatur in Großbritannien speziell in der Epoche des Vormärz gefunden. Die Asymmetrie des Literaturtransfers in einem Zeitalter der anhaltenden Anglophilie von der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts wirkte zugunsten der britischen Literatur. Mit der Klassik und der Frühromantik fand jedoch auch eine Umkehrbewegung statt, die für eine verstärkte Rezeption deutscher Texte in Großbritannien sorgte. Die 1851 im Londoner Crystal Palace ausgestellten Büsten deutscher Dichter und Schriftsteller zeugen vom Erstarken des Profils deutscher Literatur in Großbritannien gerade im Vormärz. Neben kanonischen Größen wie Goethe, Schiller, Klopstock, Lessing, Wieland und Tieck waren überraschender Weise auch die Gegenwartsautoren Berthold Auerbach, Karl Gutzkow und Alexander von Humboldt auf der Weltausstellung zu sehen.

Dass deutsche Schriftsteller (und Schriftstellerinnen) auch unterhalb der Ebene der kanonisierten Hochliteratur auf dem britischen Markt sich durchsetzen, dürfte aus einer Untersuchung der Kritiken in literarischen Zeitschriften wie die Dublin University Magazine, Blackwell’s Edinburgh Magazine, Fraser’s Magazine and The Westminster Review ersichtlich werden. Welche britischen JournalistInnen, KritikerInnen und ÜbersetzerInnen, die in diesen Organen veröffentlichten, spielen eine führende Rolle bei der Vermittlung und Interpretation deutscher Literatur?

Ein besonderes Augenmerk des geplanten Bandes gilt diesen Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittlern. Dabei sind Beiträge erwünscht, welche der britisch-deutschen Vermittlungsarbeit bekannter Größen wie George Henry Lewes, Mary Anne Evans (George Eliot), Thomas Carlyle, Walter Scott, James Clarence Mangan, Heinrich Heine, Theodor Fontane, Georg Weerth, Friedrich Engels oder Jacob Venedey neue Aspekte abgewinnen. Aber auch Aufsätze, die sich der Aufdeckung seinerzeit einflussreicher, aber nunmehr wenig bekannter Autorinnen und Autoren widmen, verdienen einen wichtigen Platz. Zeitungen, Zeitschriften und Journale sind neben anderen Institutionen ebenfalls an der Vermittlerrolle beteiligt.

1833 bewunderte Heinrich Laube den Lesehunger britischer Reisender in Leipzig, die »mehr Zeitungen an einem Tag [verbrauchten], als die ganze übrige teutsche Tischgesellschaft in einer Woche«. Wer sind die Reisenden aus Großbritannien, die im Vormärz die Forschungsuniversitäten Humboldt’scher Prägung und Stätten deutscher Kultur wie Weimar aufsuchten? Inwiefern tragen ihre Reiseberichte zur Konstituierung des Bildes von Deutschland als aufstrebender Kulturnation bei? Wie tendieren sie zu einer Differenzierung, indem sie den Partikularismus und regionale Unterschiede thematisieren?

Willkommen sind Beiträge bevorzugt auf Deutsch aus der Germanistik, Anglistik, Komparatistik, Geschichtswissenschaft, der Kunst- und Musikwissenschaft, der Philosophie und der Theologie, und aus den Sozialwissenschaften.

Abgabeschluss für die Beiträge ist Ende Juli 2023.

Vorschläge mit einem kurzen Exposé (nicht länger als 500 Worte) bitte bis zur neuen Frist (31. Juli 2022) an Dr Andrew Cusack (atc4@st-andrews.ac.uk).

 

________________________________________________________________________________________________________________

Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

Categories: CFP