CFP: Post/Doc-Workshop "Literatur der frühen Bundesrepublik: Materielle Kulturen und mediale Öffentlichkeiten", Marburg (05.06.2022)

David Brehm's picture

Post/Doc-Workshop, Philipps-Universität Marburg
6. und 7. Oktober 2022

Literatur der frühen Bundesrepublik: Materielle Kulturen und mediale Öffentlichkeiten

Während die Publikations- und Lesekulturen der Nachkriegsjahrzehnte aus zeit- und kulturgeschichtlicher Perspektive in den letzten Jahren verstärktes Interesse erfahren haben (u.a. Berliner Tagung „Leseverhältnisse“ 2015; Felsch 2015; Schildt 2020), stehen in der literaturwissenschaftlichen Forschung zur frühen Bundesrepublik Fragen zur Medialität und Materialität, zu den Rezeptionspraktiken und Öffentlichkeiten von Literatur, wie sie vor allem mit Blick auf frühere Zeiträume zuletzt vermehrt gestellt worden sind (programmatisch u.a. Kaminski/Ruchatz 2017, Spoerhase 2018, Polaschegg 2020; Hron u.a. 2020), noch vergleichsweise selten im Fokus. Der Workshop möchte daher Wissenschaftler:innen in der Promotions- und Post-Doc-Phase in Austausch bringen, die in ihren Forschungsprojekten die literarische Kultur der frühen Bundesrepublik unter diesen Gesichtspunkten zu vermessen suchen, um unterschiedliche Zugänge zum historischen Material zu diskutieren und Perspektiven der Kooperation auszuloten.

Die Veranstaltung soll als Forschungswerkstatt dienen, bei der laufende Arbeitsvorhaben zur Diskussion gestellt werden können, die insbesondere nach den materiellen Formen, den medialen Schauplätzen, den rezeptionshistorischen und praxeologischen Dimensionen der westdeutschen Literatur der Nachkriegsjahrzehnte und ihrer internationalen Kontexte fragen. Dabei können Fragestellungen wie die folgenden eine Rolle spielen: In welchem Zusammenhang stehen die Poetik, Ästhetik, Rhetorik literarischer Texte nach 1945 mit den Eigenlogiken und Gebrauchsangeboten ihrer medialen Formate: mit den Büchern, Taschenbüchern und Paperbacks, in denen sie an die Öffentlichkeit treten, den Heftserien, Broschüren, Digests und Lesering-Ausgaben, den Zeitungen, Kulturzeitschriften und Illustrierten, nicht zuletzt mit dem Rundfunk? Wie regulieren diese Formate, was nach 1945 sagbar und unsagbar ist? Wie nehmen sie aufeinander Bezug? In welche intermedialen und interkulturellen Zusammenhänge sind sie eingebettet? Welche Aggregatzustände nimmt ‚Literatur‘ in ihnen an? Wie berühren und verschränken sich in ihnen hoch-, populär- und subkulturelle Phänomene, literarische und außerliterarische Diskurse, zeitgenössische und ältere Texte? Auf welche Weise wird dabei Gegenwart konstruiert und gedeutet, wie lässt sich das retrospektiv fassen? In welchen Settings, mithilfe welcher Praktiken wird in der frühen Bundesrepublik gelesen? An welche Öffentlichkeiten richten sich Literatur und ihre Medien nach 1945, welche Publika bringen sie hervor? Welche geschmacks-, geschlechter-, klassen- und generationenpolitischen Fragen stehen dabei zur Disposition? Welche Austauschbeziehungen bestehen zwischen Literaturbetrieb und Literaturwissenschaft? Und mit welchen theoretischen und methodischen Ansätzen lässt sich all dies in den Blick rücken?

Zur Vernetzung und zum fachlichen Austausch möchten wir Doktorand:innen und Post-Doktorand:innen einladen, die sich in ihrer Forschung mit der Literatur der Nachkriegsjahre und der Bundesrepublik von 1945 bis in die 1980er Jahre hinsichtlich dieser und ähnlicher Fragen an der Schnittstelle von Literatur-, Buch-, Medien-, Kultur- und Sozialwissenschaften befassen. Vorgesehen sind 20-minütige Impulsvorträge mit anschließender ausführlicher Diskussion. Denkbar sind sowohl Projektvorstellungen als auch einzelfallbezogene Präsentationen oder die gemeinsame Arbeit am konkreten Material, das gerne auch im Vorfeld an die Teilnehmenden verschickt werden kann. Überlegungen im work in progress-Zustand sind ausdrücklich willkommen!

Der Workshop ist als Präsenzveranstaltung am 6. und 7. Oktober 2022 an der Philipps-Universität Marburg geplant. Die Zahl der verfügbaren Plätze ist begrenzt. Reise- und Übernachtungskosten im üblichen Umfang, die nicht von der Heimatinstitution übernommen werden können, werden erstattet.

Wir freuen uns über Beitragsvorschläge (max. 500 Wörter) sowie knappe Angaben zum favorisierten Format (Vortrag/Materialdiskussion), zum eigenen Forschungsprojekt und zur Person bis zum 5. Juni 2022 an
david.brehm@uni-marburg.de und noran.omran@uni-marburg.de

Zitierte Literatur:

Felsch, Philipp (2015): Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960-1990. München
Hron, Irina u.a. (Hrsg.) (2020): Leseszenen. Poetologie – Geschichte – Medialität. Heidelberg
Kaminski, Nicola / Jens Ruchatz (2017): Journalliteratur – ein Avertissement. Hannover
Polaschegg, Andrea (2020): Der Anfang des Ganzen. Eine Medientheorie der Literatur als Verlaufskunst. Göttingen
Schildt, Axel (2020): Medien-Intellektuelle in der Bundesrepublik. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Gabriele Kandzora und Detlef Siegfried. Göttingen
Spoerhase, Carlos (2018): Das Format der Literatur. Praktiken materieller Textualität zwischen 1740 und 1830. Göttingen

Organisation:
David Brehm M.A. / Noran Omran M.A.
Philipps-Universität Marburg
Institut für Neuere deutsche Literatur
Deutschhausstraße 3
35037 Marburg

Gefördert von der Marburg University Research Academy (MARA).

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

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