CFP: Mittelalterliche Lernpfade – Konzepte einer Didaktik der älteren Sprache und Literatur für den Deutschunterricht, Kassel (15.1.2018)

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Die Lernpfade von Schülerinnen und Schülern sind unterschiedlich, vielfach verschlungen und führen mitunter in Sackgassen. So sind die Wege, die Kinder und Jugendliche zu einem Wissen über das Mittelalter führen, oft von populärkulturellen Vorstellungen geprägt. Die Schülerinnen und Schüler verfügen also bereits über ein gewisses Vorwissen über und ein Interesse für das Mittelalter.[1] Beides kann ein enormes motivationales Potential für den Deutschunterricht eröffnen, das es zu nutzen gilt. Dabei ermöglicht das Thema ‚Mittelalter‘ in besonders produktiver Weise den Zugang zu außerschulischen Lernorten, wie Burgen, Museen und Kirchen und lassen so einen Unterricht zu, der alle Sinne anspricht und einbezieht. Durch das Lernen auf Wandertagen und Exkursionen können die Schülerinnen und Schüler ihre Lernpfade im wahrsten Sinne des Wortes neu begehen, austreten und vertiefen.

In den letzten Jahren haben verschiedene Didaktikerinnen und Didaktiker gezeigt, dass mediävistische Themen sowohl auf sprachlicher als auch auf inhaltlicher Ebene für Schülerinnen und Schüler kompetenzfördernd sind.[2] Die Umstellung von inhaltszentrierten Lehrplänen auf kompetenzorientierte Kerncurricula stellt in dieser Hinsicht zugleich eine Chance und eine Herausforderung für Lehrende dar, denn die Kompetenzorientierung ermöglicht zwar grundsätzlich eine Beschäftigung mit mittelalterlicher Sprache und Literatur, aber sie macht sie nicht verpflichtend. Daher entscheiden häufig die Lehrenden und deren Zugriff auf Lehrmaterialen, Schülerausgaben und die didaktische Aufbereitung von Themen darüber, was im Unterricht behandelt wird. Das Angebot an mittelalterlicher Sprache und Literatur ist in Lehrbüchern allerdings nur spärlich vertreten. Dabei bieten die Themen des Mittelalters zahlreiche Anknüpfungspunkte für einen fächerübergreifenden Unterricht mit Fächern wie Geschichte, Religion, Sachunterricht, Kunst etc. Außerdem wohnt den Alteritätserfahrungen, die Lernende mit fremden Denkmustern, Sprachstufen und Literaturgattungen machen, ein hohes Reflexionspotential in Bezug auf Fremdheit, Spracherwerb und Sprachwandel inne. Und so ist, verschiedener Initiativen der letzten Jahre zur fachlichen und didaktischen Aufbereitung von Unterrichtsmaterial zum Trotz, die Erschließung des Themas ‚Mittelalter‘ für den Deutschunterricht nach wie vor ein Desiderat.

Genau an diesem Punkt möchten wir mit unserer Tagung ansetzen und uns über aktuelle fachdidaktische Projekte und ihr Potential für den Deutschunterricht austauschen. Die Beschäftigung mit dem Thema ist aus zwei fachlichen und fachdidaktischen Kooperationsseminaren mit anschließender Exkursion hervorgegangen, in denen die Studierenden eigene didaktische Konzepte und entsprechendes Lehrmaterial entwickelt haben. Die Studierenden wirken konzeptionell und organisatorisch an der Tagung mit und möchten mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, Lehrerinnen und Lehrern sowie Expertinnen und Experten in einen disziplinären Austausch über didaktische Konzepte, die Erprobung von Lehr- und Lernmaterial, sowie die Diskussion über Chancen und Grenzen mittelalterlicher Themen und Literatur im Deutschunterricht treten.

Wir möchten Sie dazu einladen, Ihre Ideen, Erfahrungen und Ergebnisse mit mittelalterdidaktischen Themen im Deutschunterricht mit uns zu teilen und bitten um Abstracts (max. 500 Wörter) für Vorträge oder Workshops mit einer Länge von ca. 20 Minuten zu folgenden Themen:

Vorstellung und Erproben von Lehrmaterial (Unterrichtsentwürfe, Mittelalterkoffer, Lernplattformen, außerschulische Lernorte, Projektwochen etc.),
Chancen der älteren Sprache und Literatur in der Schule (Kerncurricula, Lehrpläne, institutionelle Vorgaben),
Mittelalterliche Texte und Themen für den Unterricht (Primärtext vs. Übersetzung, populärkulturelle Adaptionen, Medienverbünde).

 

Neben Vorträgen und Workshops ist es auch möglich, Konzepte und Materialien auf einem „Infomarkt“ aus- und vorzustellen. Bitte reichen Sie die Abstracts und eine Kurzvita bis zum 15.01.2018 per Mail an Annegret Montag und Johanna Kahlmeyer unter der Mailadresse lernpfade@uni-kassel.deein.

 

[1] Karg 2011, S. 103; Heiser 2012, S. 271; Mendes 2012, S. 12; Miedema/Sieber 2013, S. 7; 8; Küenzlen et al. 2014, S. 10.

[2] Vgl. Krohn/Wunderlich 1983, S. 9; Hofmeister 2006, S. 159; Hinterholzer 2007, S. 42; Bärnthaler 2010, S. 29; Pfeiffer 2010, S. 60-61; Wichert 2010, S. 51; Mendes 2012, S. 12-14; Hamm 2013, S. 144; Miedema/Sieber 2013, S. 8; Schwinghammer 2015, S. 158; 160.


 

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