DEADLINE EXTENDED: “Heimat and Memory Today”: IV. Conference on literary representations of Homeland in recent German-speaking Literature / NEUE FRIST: „Heimat und Gedächtnis heute“: IV. Fachtagung zu literarischen Repräsentationen von Heimat

Garbiñe Iztueta's picture
Type: 
Call for Papers
Date: 
March 21, 2019 to April 15, 2019
Location: 
Spain
Subject Fields: 
German History / Studies, Literature

 

Deutsch:

 

„Heimat und Gedächtnis heute“: IV. Fachtagung zu literarischen Repräsentationen von Heimat in der aktuellen deutschsprachigen Literatur



25.-27. September 2019
Universität des Baskenlandes, Vitoria-Gasteiz, Spanien

 

Verflechtungen, Schichtungen und Verschiebungen des Begriffs von Heimat, verstanden als dynamisches und komplexes Raumkonstrukt, das aus sozialen und symbolischen menschlichen Interaktionen hervorgeht (Morley, Eigler, Gebhard et al., Blickle, Eichmanns/Francke), stehen seit Jahren im Zentrum des Interesses unserer Forschungsgruppe an der Universität des Baskenlandes, welches sich in mehreren Forschungsprojekten (aktuelles Projekt “Historical memories answered” MINECO FFI2017-84342-P) und drei Tagungen in Vitoria-Gasteiz (2013, 2015 und 2017) herauskristallisierte.

 

Die dabei errungenen Erkenntnisse führten dazu, die Rolle von Gedächtnis bei der Konzeptualisierung von Heimat stärker in den Mittelpunkt unserer Überlegungen zu rücken. Dieser vernetzte Fokus von spatial turnemotional turn (vgl. Lehnert 2011) und kulturellem Gedächtnis (Aleida und Jan Assmann 2006, 2008, 2011; Erll 2011) auf Heimat erweist sich als besonders interessant für unsere Analyse, denn das Konzept Heimat ist in seiner Verbindung mit Gedächtnisdiskursen in der deutschen Gesellschaft genauso problematisch, vielschichtig und emotionsbeladen wie z. B. der entsprechende baskische Begriff aberria in der baskischen Gesellschaft.


Vor diesem Hintergrund wollen wir nun zum vierten Mal nach Vitoria-Gasteiz einladen, um weiterhin unseren Beitrag zur internationalen Debatte zu leisten sowie den Kontakt zu Forschungsgruppen mit verwandten Interessen aufzunehmen bzw. aufrechtzuerhalten und zu intensivieren. Aus diesem Grunde organisieren wir vom 25.—27. September 2019 die nächste Fachtagung, diesmal zum Thema „Heimat und Gedächtnis heute“: literarische Repräsentationen in der aktuellen deutschsprachigen Literatur.


Anlass zu diesem thematischen Vorschlag bietet zunächst einmal die aktuelle Gesellschaftsdiagnose. In unserer globalen Gegenwart hat der Einfluss der Emotionen zur Mitgestaltung des Gedächtnisses und der Realität außerordentlich zugenommen. In diesem Zusammenhang tut es Not, so unser Standpunkt, die Analyse der emotionalen Dimension bei der Gestaltung von Identitäten und Heimaträumen in unabdingbarer Korrelation mit Parametern der Konfigurationen von Gedächtnis durchzuführen. Literarische und Kunstdiskurse schaffen kollektive Abbilder der Vergangenheit, sie stellen vorenthaltene Erinnerungen wieder her und tragen so u.a. zur Versöhnung zwischen Gegenwart und Vergangenheit bei. Daher beschäftigt sich das kulturelle Gedächtnis nicht nur mit der Vergangenheit, sondern es wirkt sich auch direkt auf den Aufbau der gegenwärtigen und zukünftigen Gesellschaft aus und sein Beitrag zum Begriff Heimat verdient eine sorgfältige Untersuchung.

 

Wir gehen von der Auffassung des Gedächtnisses als eines Konstruktionsprozesses aus, wobei Bedeutung aus Erfahrungen, Kenntnissen und Identität(en) der Vergangenheit entsteht. Es handelt sich dabei um einen individuellen Prozess, der allerdings auch durch kollektives Erinnern konditioniert ist. Das kollektive Gedächtnis wird seinerseits durch das individuelle Erinnern beeinflusst. Aleida und Jan Assmann betonen darüber hinaus in ihren Betrachtungen zum kommunikativen und kulturellen Gedächtnis die relevante Rolle von Emotionen als Mitgestalter von Bedeutungen (Aleida Assmann 2015). Dazu kommt, dass Jan Assmann Gedächtnis als das Wissen über sich selbst in einer diachronischen Dimension, d.h. als das Wissen über die eigene diachronische Identität konzipiert, sei es Identität als Einzelperson oder als Familienmitglied, als Mitglied einer Generation, einer Gemeinschaft, einer Nation oder einer kulturellen und religiösen Tradition (Jan Assmann 2008, 114). Diese drei für die Gedächtnisauffassung zentralen Elemente (der sich gegenseitig konditionierende individuelle und kollektive Prozess, die entscheidende Rolle von Emotionen und die direkte Verbindung zur Identität in einer diachronischen Dimension) erweisen sich zugleich als entscheidende Schlüssel für eine kritische Betrachtung des Konzeptes Heimat.

 

Marianne Hirsch ergänzt diesen theoretischen Rahmen zu Gedächtnis mit dem Begriff "Postmemory", der als Verbindung zwischen einem bestimmten traumatischen bzw. relevanten Ereignis der Vergangenheit (z.B. Nazionalsozialismus, Holokaust, Kriege, DDR-Vergangenheit) und jüngeren Generationen, die es nicht erlebt haben, zu verstehen ist. Diese späteren Generationen werden durch vererbte Erinnerungen, Geschichten, Bilder und Verhaltensweisen geprägt, die direkt bzw. indirekt, vielleicht nicht verbalisiert, aber immer emotionsbeladen die Traumata und Konflikte der Vergangenheit projizieren (2012, 33).

 

Ziel der ausgerufenen Tagung ist die Erkundung des Gedächtnisses in den literarischen Repräsentationen von Heimaträumen. Angesichts der rasanten Entwicklung des Heimatkonzeptes, welches, einst als Garant der Geborgenheit und des Vertrauten verstanden, parallel zur historischen Entwicklung des 20. Jh. in ein mehrschichtiges multidimensionales Konstrukt überging, ist es heutzutage und vor dem Hintergrund der dargelegten Gesellschaftsdiagnose berechtigt, Heimat mit der semantischen Konstellation von Erbe, Gedächtnis und Emotionen zu begegnen. Wichtig wäre dabei zu vermeiden, (erneut) in bipolare Konzeptualisierungen (etwa Heimat-Antiheimat, Vergangenheit-Gegenwart) und eine Auffassung von Gedächtnis als stabilem, abgegrenztem und kohärentem Raum zu verfallen.

 

Key-note Speaker:

Prof. Dr. Thomas Anz (Phillips-Universität Marburg)

Prof. Dr. Raul Zelik (Universität Kassel)

 

 

Folgende Diskussionsansätze möchten wir vorschlagen:

 

  • Bestandsaufnahme über aktuelle Heimat- und Gedächtnisdefinitionen und die Herausforderung postbipolarer Konzeptualisierungen.
  • Ist eine Entwicklung vom traditionellen Gedächtnisverständnis in Hinsicht auf Heimat hin zu einer heutigen Auffassung festzustellen und ist sie ebenfalls in der deutschsprachigen Fiktion zurückzuverfolgen?
  • Welche Definitionsaspekte des Gedächtnisses treffen für die heutigen Konfigurationen von Heimat in der neuesten Literatur zu? Aktualität bzw. Entwicklung des Begriffs „Gedächtnis“.
  • Steht die Aufarbeitung von Gedächtnis und Heimat in der aktuellen Literatur in Verbindung mit einer ethischen Verantwortung?
  • Welche Rolle spielen dabei asymmetrische (Gender-)Verhältnisse?
  • Welche narratologischen Verfahren werden für die literarische Gestaltung von gedächtnisverbundenen Heimaträumen verwendet?

 

Nicht ausschließlich aber bevorzugt wird die thematische Verbindung mit folgenden oft zusammenhängenden Teilbereichen in der deutschsprachigen (und baskischsprachigen) literarischen Fiktion seit 2000 berücksichtigt: 

  • Heimaträume und Gedächtnis
  • Heimaträume und Herrschaftsdiskurse
  • Heimaträume in der Korrelation von Gedächtnis und Stimmen der Vielfalt (Gender, Kindheit, Senioren, Religionen, Ethnien, Hintergründe)

Konferenzsprache: Deutsch
 

Willkommen sind 20-minütige Vorträge (plus ca. 10 Minuten Diskussion). Abstracts im Umfang von max. 1 DIN-A-Seite (2000 Zeichen inkl. Leerzeichen) können ab sofort, spätestens jedoch bis zum 15. April 2019 mit vollständiger Anschrift (inkl. E-Mail-Adresse) bei der  Tagungsorganisation eingereicht werden, und zwar bei: garbine.iztueta@ehu.escarme.bescansa@ehu.esmario.saalbach@ehu.esheimattagungupvehu@gmail.com


Anmeldegebühren:
Vortragende: 35 Euro
ZuhörerInnen: 20 Euro
Studierende: 15 Euro

Wir freuen uns auf reges Interesse und verbleiben mit besten Grüßen
 

Die Organisation

Wissenschaftlicher Beirat:
Dr. Withold Bonner (Tampere University)

Prof. Dr. Thomas Anz (Phillips-Universität Marburg)

Dr. Sabine Egger (Mary immaculate College, Limerick)

Dr. Carme Bescansa (Universität des Baskenlandes)

Dr. Garbiñe Iztueta (Universität des Baskenlandes)Prof. Dr. Mario Saalbach (Universität des Baskenlandes)
cand. phil. Iraide Talavera (Universität des Baskenlandes)



Organisationskomitee:

Dr. Garbiñe Iztueta garbine.iztueta@ehu.eus
Dr. Carme Bescansa carme.bescansa@ehu.eus
Prof. Dr. Mario Saalbach mario.saalbach@ehu.eus
cand. phil. Iraide Talavera iraide.talavera@ehu.eus

Dipl. Wirtschaftsromanistin, Daria A. Eismann heimattagungupvehu@gmail.com

 

English:

 

Heimat and Memory Today”: IV. Conference on literary representations of Heimat/Homeland in recent German-speaking Literature

 

25.-27. September 2019
University of the Basque Country, Vitoria-Gasteiz, Spain

 

Layers, shifts and twists of the concept of Heimat/Homeland, understood as a dynamic and complex construct resulting from social and symbolic human interactions, has been at the center of interest of our research group (research project “Historical memories answered” MINECO FFI2017-84342-P) and it has crystallized in the conferences held in 2013, 2015 and 2017 at the University of the Basque Country.

 

The conclusions reached led us to convey a central role to memory in the conceptualization ofHeimat/homeland. This combined focus of spatial turn, emotional turn (see Lehnert 2011) and cultural memory (Aleida and Jan Assmann 2006, 2008, 2011, Erll 2011) on Heimat proves to be particularly interesting for our analysis, because the concept of Heimat/Homeland is, as far as its connection with memory discourses is concerned, in German society just as problematic, multi-layered and emotionally charged as the corresponding Basque term aberria in Basque society.
 

We would like to invite you to Vitoria-Gasteiz for the fourth time to continue not only contributing to the international debate and but also establishing, maintaining and intensifying our contact with research groups with related interests. For this reason, we organize from 25.-27. September 2019, "Heimat/Homeland and Memory Today": Literary Representations in the recent German-language Literature.

 

The starting point will be memory as a construction process, where meaning arises from experiences, knowledge and identity(-ies) of the past. It is an individual process, nevertheless conditioned by collective memory. Aleida and Jan Assmann also emphasize the relevant role of emotions as co-creators of meanings (Aleida Assmann 2015). Jan Assmann also describes memory as the knowledge of one's own diachronic identity, be it as an individual or as a family member, as a member of a generation, a community, a nation or a cultural and religious tradition (Jan Assmann 2008, 114). These three central aspects of memory (being both an individual and collective process, the crucial role of emotions and the direct connection to identity in a diachronic dimension) also prove to be key aspects for a critical analysis of the concept ofHeimat/Homeland.

 

Marianne Hirsch offers a further step in this theoretical framework with her concept of “Postmemory”, understood as a connection between traumatic and/or relevant events of the past (National-Socialism, Holocaust, wars, GDR past) and younger generations who have not experienced it. These later generations are shaped by inherited memories, stories, images, and behaviors, which are directly or indirectly, perhaps not verbally but always emotionally charged, projecting on these later generations the traumas and conflicts of the past (2012, 33).

 

 The aim of the conference is to explore the concept of memory in the literary representations of spaces of Heimat/Homeland in the German-language Literature in the new Millennium. The concept of Heimat has developed rapidly in the 20th Century: having been once understood as a shelter of security and familiarity, the historical development of the 20th Century has transformed it into a multi-layered multidimensional construct, so in the current society our research group is pleading for an approach to Heimat/Homeland with a semantic connection to meanings of heritage, memory and emotions.

 

Key-note Speakers:

Prof. Dr. Thomas Anz (Phillips-Universität Marburg)

Prof. Dr. Raul Zelik (Universität Kassel)

 

We would like to suggest following approaches:

  • Current definition(s) of Heimat/Homeland and Memory and the challenge of post-bipolar understanding of both concepts
  • Has there been an evolution from the traditional understanding of memory with regard to the concept of Heimat/Homeland to a present-day understanding of it? is it traceable in German-language fiction?
  • Which aspects of memory apply to the present day’s configurations ofHeimat(Homeland in recent literature? Timeliness or development of the term "memory".
  • Is the processing of memory and Heimat/homeland in the current literature in connection with an ethical responsibility?
  • To what extent do asymmetric (gender) relationships play a relevant role in this process?
  • Which narratological procedures are used for the literary design of spaces ofHeimat/Homeland linked to memory?

 

Following thematic subareas related to German-language (and Basque-language) literary fiction of the new Millennium will be considered:

  • Spaces of Heimat/Homeland and Memory
  • Spaces of Heimat/Homeland and discourses of power
  • Spaces of Heimat/Homeland in connection with Memory and Voices of Diversity (Gender, Childhood, Seniors, Religion, Ethnicity, Background)


Conference language: German

 

Abstracts with a maximum of 2,000 characters (spaces included) for papers of 20‐minutes length (plus about 10 minutes discussion) with full address (including e-mail address), are invited by 15 April 2019 to the organisers garbine.iztueta@ehu.euscarme.bescansa@ehu.eus,mario.saalbach@ehu.eus,

heimattagungupvehu@gmail.com


Conference Fee:
Speakers: 35 Euro
Attendants: 20 Euro
Students: 15 Euro

 We are looking forward to your interest

 

 

Scientific Board:
Dr. Withold Bonner (Tampere University)

Prof. Dr. Thomas Anz (Phillips-Universität Marburg)

Dr. Sabine Egger (Mary Immaculate College, Limerick)

Dr. Carme Bescansa (University of the Basque Country)

Dr. Garbiñe Iztueta (University of the Basque Country)

Prof. Dr. Mario Saalbach (University of the Basque Country)

Iraide Talavera (University of the Basque Country)

 

Organising Committee:

Dr. Garbiñe Iztueta garbine.iztueta@ehu.eus
Dr. Carme Bescansa carme.bescansa@ehu.eus
Prof. Dr. Mario Saalbach mario.saalbach@ehu.eus
Iraide Talavera iraide.talavera@ehu.eus

Daria A. Eismann heimattagungupvehu@gmail.com

Contact Info: 

Garbiñe Iztueta garbine.iztueta@ehu.eus

heimattagungupvehu@gmail.com

 

Contact Email: 

heimattagungupvehu@gmail.com