Jenseits des Unbehagens: Christian Kracht revisited

Christine Riniker's picture
Type: 
Call for Papers
Date: 
May 31, 2016
Location: 
Switzerland
Subject Fields: 
German History / Studies, Literature

Tagung an der Universität Bern

13./14. Oktober 2016

Leitung: Prof. Dr. Matthias Lorenz, Christine Riniker

Die Tagung geht von dem in weiten Teilen des Literatur- und Wissenschaftsbetriebs virulenten Unbehagen aus, das die Werke und Auftritte Christian Krachts auslösen. Dieses Unbehagen zeigt sich in den meisten Fällen weniger in der offensiven Skandalisierung inkriminierter Werke als vielmehr in einer oft außerliterarisch begründeten Ablehnung des Autors, die sich unter anderem in dem bemerkenswerten Ausbleiben von Literaturpreisen für ein Œuvre äußert, das zugleich eine große Leserschaft hat. Fans wie Verächter argumentieren dabei selten literarästhetisch.

Doch wer oder was ist eigentlich ‚Christian Kracht‘ und was zeichnet seine Texte aus? Die Tagung fragt ausgehend von der oft verkürzenden und polarisierten Krachtrezeption nach den genuin schriftstellerischen Verfahren dieses Autors. Hierzu sollen auch bislang kaum wahrgenommene Früh- und Nebenwerke des Autors in den Blick genommen werden, die bislang zu selten im Kontext des Gesamtwerkes und als Bestandteile einer Werkpolitik betrachtet wurden.

Im Vergleich mit anderen Zeitgenossen soll zudem eruiert werden, was sich als Spezifikum von Christian Krachts Schreiben offenlegen lässt und warum dort, wo eigentlich keine Unterschiede zu KollegInnen bestehen, die Rezeptionsphänomene gleichwohl so unterschiedlich ausfallen. Welche Regelwerke des literarischen Feldes werden sichtbar, wenn das Spiel mit unzuverlässigen Erzählinstanzen eines Wolf Haas oder mit der Selbstinszenierung als Autor eines Raphael Horzon dem Feuilleton als charmant erscheinen, analoge Verfahren bei Kracht aber als Provokation empfunden werden? Welche Funktionen kommen den mitunter verstörenden Gehalten im Werk dieses Autors zu, inwiefern legen bestimmte Reaktionsweisen hierauf Mechanismen des Diskurses offen, welche Klischees der Kracht-Rezeption lassen sich anhand genauer Lektüren noch einmal aufbrechen?

Anhand einer Konzentration auf die Texte selbst und ihren Werkzusammenhang sowie ihre Verortung im literarischen Feld sollen Fragen wie diese untersucht werden, um genauere Aussagen über die angewandten Verfahren und die sich aus dem Zusammenspiel aller Teilelemente von Produktion und Rezeption ergebende Werkpolitik zu gewinnen – keinesfalls unkritisch, aber jenseits des Unbehagens.

Vorschläge für Vorträge werden bis zum 31.05.2016 mit einem kurzen Abstract und CV erbeten an christine.riniker@germ.unibe.ch

Reise- und Unterbringungskosten können von der Universität Bern ganz oder teilweise übernommen werden. Wenn Ihnen von Seiten Ihrer eigenen Institution Reisemittel zur Verfügung stehen, geben Sie dies bitte in Ihrer Bewerbung an. Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge!

Contact Info: 

Christine Riniker
Doktorandin SNF

Universität Bern
Institut für Germanistik
Unitobler, Länggassstrasse 49
Postfach
CH-3000 Bern 9