CFP: 6. Forum Kunst des Mittelalters "Sinne / Senses"

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Type: 
Call for Papers
Date: 
October 15, 2020
Location: 
Germany
Subject Fields: 
Art, Art History & Visual Studies

Call for Papers

 

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6. Forum Kunst des Mittelalters

 

„Sinne / Senses“

 

Deadline: 15. Oktober 2020

 

Frankfurt am Main, 29. September bis 2. Oktober 2021

(Bitte beachten Sie, dass aufgrund der Covid-19-Pandemie noch nicht entschieden ist, ob das Forum ‚live‘ stattfinden kann, ob es ganz oder teilweise virtuell umgesetzt oder auch verschoben wird.)

 

Organisation: Deutscher Verein für Kunstwissenschaft e.V. gemeinsam mit dem Kunst-geschichtlichen Institut der Goethe-Universität Frankfurt (Kristin Böse / Joanna Olchawa)

Die Künste und die Sinne waren schon immer wechselseitig aufeinander bezogen. Im Mittelalter machten Kunst und Architektur unterschiedliche Angebote, die Welt sinnlich zu begreifen und zu ordnen. Das Einverleiben von Farbe byzantinischer Ikonen, das Schwören auf die im Reliquiar eingeschlossenen Reliquien, das Tragen inwendig gestalteten Körperschmucks, das Schwingen goldglänzender Weihrauchfässer, um den heiligen Raum durch Geruch zu markieren, oder das Glockengeläut, um die Nähe Gottes zu vermitteln, lassen keinen Zweifel daran, dass das Mittelalter sinnlich geprägt war.

Das 6. Forum Kunst des Mittelalters lädt dazu ein, über die Rolle der sinnlichen Wahrnehmung in ihrem mittelalterlichen Verständnis sowie dessen Visualisierung und das Zusammenspiel der Sinne in den mittelalterlichen Bild- und Objektkulturen wie auch für die Deutung von Räumen und Architekturen im interreligiösen und transkulturellen Vergleich zu diskutieren. Der inzwischen abgeschlossene Call for Sessions ergab eine Vielzahl an Vorschlägen, die sowohl einzelne Sinne in den Blickpunkt rücken als auch eine multisensorische, synästhetische Betrachtung von Kunst und Architektur favorisieren.

 

Willkommen sind nun Papers (bevorzugt in Deutsch oder Englisch) zu den einzelnen Sektionen. Die Vorträge umfassen in der Regel 20–30 Minuten. Bitte bewerben Sie sich bis zum 15. Oktober 2020 mit einem Abstract (max. eine Seite) auf eine der Sektionen unter mail@mittelalterkongress.de. Die Ergebnisse der Auswahl und das Programm werden voraussichtlich im 1. Quartal 2021 unter www.dvfk-berlin.de und in den einschlägigen Portalen publiziert.

Sektionen:

 

Sektion 1 (diese Sektion wird nur in englischer Sprache ausgeschrieben):

The Range and Reciprocity of Touch in the Byzantine World

Sektionsleitung: Anthony Cutler (University Park) / Glenn Peers (Syracuse)

(Sponsored session: Mary Jaharis Center for Byzantine Art and Culture, Brookline)

 

Unexamined, touch may strike one as a single directional sensation when human meets object. It makes only the human, who receives the sensation and explains it. Naturally, objects cannot feel or embody tactility in themselves. As Aristotle taught us so long ago, every animated body is tactile, and touch is the evidence of soul. Touch makes the human subject, in ways articulated by Jean-Louis Chrétien, “…far from making the living organism into a mere spectator, [touch] pledges it to the world through and through, exposes it to the world and protects it from it” (The Call and the Response, 85–86).

Moreover, museums, where many of our Byzantine objects reside, keep us exiled from the regime of touch that was deeply embedded in perception and consciousness of all these participants in that historical culture. In these settings, “the contagious magic of touch is replaced by the sympathetic magic of visual representation” (Susan Stewart in Material Memories, 30) and discrete entities circulate in those museum settings, formed and inoculated by vision.

Touch activates and forms feeling subjects on both sides. For example, when tokens of St. Symeon Stylite the Elder were formed from soil that had been in contact with his column and person, the chain of touch linked saint, soil, imprint and distant devotee, each activated by their mutualizing touch across those entities. Makers knew (and know) this mutualizing of touch, too, in the ways working with materials is always a responsive, reciprocal making. The woodworker and basket-maker are each touched by their materials, and each entity is made by and in touch, “through and through.”

Such objects also make meaning for humans through reciprocal touch that expands and extends meanings from other senses. For example, in the eleventh century, Michael Psellus writes that touch bridges worlds and merges matter, as paint and flesh are touched as one, “For the image in no way differs from its model, so it seems to me at any rate. Hence, I have often touched the paint, as I would the body.” Touch ranges and makes relation across matter. Objects, such as ivories and paintings, and buildings and their furnishings, invited touch and made their subjects in the reciprocity of their touch. This is the haptic of the more-than-human totality of touch that this session explores.

This session welcomes proposals that privilege the sense of touch in art-historical analyses of Byzantine objects and attempt to free it from the limited life such analyses conventionally impose. For touch extends through the human and beyond, to encompass all entities in the world, including that special class of historical objects now consigned to museum lives.

 

 

Sektion 2:

Die Stadt, die Sinne und die Künste – Der Tischbrunnen in Cleveland und

die multisensorische Erfahrung im 13. und 14. Jahrhundert

Sektionsleitung: Phillipe Cordez (Paris) / Gerhard Lutz (Cleveland)

(Sponsored session: Deutsches Forum für Kunstgeschichte Paris)

 

Mit etwa 200.000 Einwohnern war Paris um 1300 die bevölkerungsreichste Stadt der westlichen Welt – mit einem bedeutenden Bischofssitz, einer zunehmend zentralisierten und professionellen königlichen Verwaltung, einer großen universitären Gemeinschaft und einem lebhaften künstlerischen und wirtschaftlichen Leben. Diese einzigartige Konstellation von Institutionen, Gemeinschaften und Aktivitäten spielte sich in einem begrenzten Raum ab, auf der Île de la Cité und auf beiden Seiten der Seine, was zu alltäglichen Interaktionen führte. Akteure und Zugereiste – auf den Straßen oder am Fluss, in den Werkstätten und auf den Märkten, in den Kirchen oder im Königspalast – tauchten auf diese Weise in eine reiche sinnliche Landschaft ein.

Parallel dazu war Paris auch ein Ort für Überlegungen und Diskussionen über die Sinne. Am bekanntesten sind die theoretischen Debatten um die Verurteilung aristotelischer Thesen im Jahr 1277, aber auch Peter von Limoges verfasste in Paris seinen „Moraltraktat über das Auge“, Étienne Boileau regelte in seinem „Buch der Zünfte“ Handel und Handwerk und Jean de Jandun lobte in kunstvollem Latein die überwältigenden Eindrücke, die die Stadt hervorrief. Es ist davon auszugehen, dass solche Erfahrungen und Diskussionen im mittelalterlichen Paris die Kulturgeschichte der Sinnessysteme und der damit verbundenen gesellschaftlichen Wert-schätzung wesentlich geprägt haben.

Ausgangspunkt für diese Sektion ist der hydraulisch-musikalische Brunnen im Cleveland Museum of Art. Dieses Gerät aus vergoldetem und emailliertem Silber, das um 1320–1340 in Paris gefertigt wurde, ist ein herausforderndes unicum, für dessen Geschichte vor dem 20. Jahrhundert keine Aufzeichnungen bekannt sind. Eine mögliche Deutung ist, dass es sich um eine multisensorische Evokation des Pariser Königspalastes mit seinen zinnenbewehrten Mauern und Türmen handelt – in Form eines göttlichen Jungbrunnens, der das französische Königreich verjüngen sollte. Um das Verständnis dieses Hauptwerkes und seines breiteren kulturellen Kontextes zu vertiefen, sind Vergleiche und Gegenüberstellungen willkommen. Wir suchen Beiträge, die sich mit der gesellschaftlichen Verbreitung des Aristotelismus und seiner Rezeption in allen Künsten, den städtischen Erfahrungen und Künsten als intellektuellem Anreiz, dem Städtebau und den Stadtlandschaften, der Kunst der Ware, der Goldschmiedekunst, der höfischen bzw. königlichen Kunst, der multi- und intersensorischen Kunst und mit allen verwandten Themen zu Paris und darüber hinaus auseinandersetzen.

 

 

Sektion 3:

Textilien und Trompe-l’œil

Sektionsleitung: Evelin Wetter (Riggisberg)

(Sponsored session: Abegg-Stiftung, Riggisberg)

 

Textilien – Gewebe, Wirkerei und vor allem die Stickerei – zeichnen sich im Spätmittelalter durch vielfache Bezugnahmen auf andere Gattungen aus. Gestickte oder gewirkte Retabel und Andachtsbilder z. B. erzeugen in ihren jeweiligen Techniken Effekte, die dem Material-illusionismus gemalter Zeugnisse in nichts nachstehen oder sogar noch darüber hinausweisen. Ebenso wetteiferten Maler zumal im 15. Jahrhundert um eine möglichst materialgetreue Darstellung kostbarer Textilien auf Tafelbildern. Alle Sinne sollten stimuliert werden, wenn etwa Illuminatoren die Seiten von Stundenbüchern illusionistisch mit goldgemusterten Seiden auslegten und zugleich haptisch greifbare Schmuckstücke, aber auch Wohlriechendes darauf platzierten. Das Bemühen, auch andere sinnliche Erfahrungen im Kontext der Augentäuschung aufzurufen, ist als Anliegen stets erkennbar. Neben der schieren Prachtentfaltung ging es dabei im Wesentlichen um eine Verlebendigung der Darstellung in den jeweiligen Gattungen: Auf großformatigen Wandbehängen scheinen die Protagonisten so gleichsam unmittelbar aus dem dargestellten Geschehen in die Gegenwart des Betrachters zu treten. In ähnlicher Weise fügt sich ein im Relief goldgestickter Kruzifix auf der Kasel des Zelebranten vor den goldgefassten geschnitzten Altaraufsätzen in ein Wahrnehmungsspektrum, in dem eine Unterscheidung der Gattungen gleichsam aufgehoben ist bzw. einzig auf der pragmatischen Ebene der Herstellung getroffen werden kann.

Bildete die Kunst des Trompe-l’œil ausgehend von den Trauben des Xeuxis mit Blick auf die Autorität des gemalten Bildes ein vielfach beforschtes Feld, so wurde das Thema in den textilen Künsten kaum diskutiert. Dabei ist das für Textilien greifbare Potential der Fragestellung schon in der Geschichte der armen Arachne in den Metamorphosen des Ovid vorgespurt. Hier gilt es anzuknüpfen.

Erbeten werden Beiträge, die die Frage nach der Zielsetzung von Trompe-l’œil-Effekten ins Zentrum stellen. Ausgehend von Beschreibungen des Phänomens in textilen Gattungen, aber auch von illusionistisch dargestellten Textilien in anderen Bildkünsten, gilt es den Beweggrund für die jeweilige Augentäuschung zu erfassen. Zielt der Trompe-l’œil-Effekt allein auf das Vorführen technischer Meisterschaft oder auf eine Verunsicherung des in seinen Sehgewohnheiten überraschten Auges? Wie werden diese Effekte im funktionalen Zusammenhang weltlicher Repräsentationsräume oder auch im Kirchenraum geltend gemacht? Dienen sie im Wesentlichen der Veranschaulichung von Luxus oder wirken sie sich erkenntnisleitend oder gar mit Blick auf eine innere Schau aus?

 

 

Sektion 4:

Duft und Sinne: Geruchssinn und Erinnerung in der materiellen Kultur des Mittelalters

Sektionsleitung: Elina Gertsman (Cleveland)

(Sponsored session: International Center of Medieval Art [ICMA], New York)

 

Obwohl wir daran gewöhnt sind, dass im Mittelalter der Sehsinn an erster Stelle stand, beschäftigten sich mittelalterliche Gelehrte aller Couleur geradezu besessen mit Fragen des Geruchssinns. Dieser war vergänglich und flüchtig, aber emotional, spirituell und physiologisch wirkungsvoll und eng mit den humoralen, anatomischen und kognitiven Theorien verbunden. Insbesondere das Gedächtnis konnte durch Gerüche beeinträchtigt werden: Ein übler Geruch, so Avicenna, verursachte eine Krankheit, die die Namen der eigenen Kinder vergessen lassen konnte, während süßlich riechende Parfüms das Gedächtnis stärken und die Hingabe steigern konnten.

Die Sektion möchte die multivalenten Beziehungen zwischen Objekten, Gerüchen und dem Gedächtnis, wie sie insbesondere im späteren Mittelalter bestanden, in den Mittelpunkt stellen. Es soll versucht werden, zwei unterschiedliche Aspekte dieser Beziehung zu erforschen. Einerseits sind Beiträge willkommen, die sich auf visuelle Darstellungen von Gerüchen konzentrieren, wie sie in einem breiten Spektrum in Handschriften und gedruckten Texten von medizinischen Abhandlungen bis hin zu Versdichtungen, von philosophischen Traktaten bis hin zu Enzyklopädien zu finden sind. Auf der anderen Seite sind Beiträge zu Objekten erwünscht, die im Gebrauch den Geruchssinn anregten, wie zum Beispiel Rauchfässer, die während der christlichen Messfeier verwendet werden, ferner jüdische Havdalah-Gewürzbehälter oder besamim, die zum Abschluss des Sabbats zum Einsatz kamen, oder auch Rauchfässer, die bei Empfängen, Veranstaltungen und in Moscheen in der ganzen islamischen Welt gebraucht wurden. Die Beiträge können sich auf spezifische Fallbeispiele konzentrieren oder aber die Verflechtung von Geruch, Erinnerung und Bild in einem breiteren Rahmen der mittelalterlichen Sinneslandschaft thematisieren.

 

Sektion 5:

Kulturell definierter Raum als Ort des Performativen –

gibt es Spezifika des „Ostmitteleuropäischen“?

Sektionsleitung: Jiří Fajt (Leipzig / Prag) / Markus Hörsch (Leipzig)

(Sponsored session: Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa [GWZO], Leipzig)

 

Das ‚Forum Kunst des Mittelalters‘ stellt die Bedeutung aller Sinne, nicht nur des Sehens, für die mittelalterliche Kunst ins Zentrum. Dies bezieht sich vor allem und zu Recht auf rituelle und performative Aspekte, für die Baulichkeiten mit ihrer Ausstattung den Rahmen und Aktionsraum bildeten. Eine Kirche ohne Liturgie, ein Palast ohne höfische Zeremonielle sind letztlich nur repräsentative Rudimente, Zeugnisse der vergangenen Abläufe. In diesem Handlungsraum spielten olfaktorische (v. a. Weihrauch, Spezereien), akustische (Gesang und Musik, Predigt und Rede etc.) wie auch optische (wechselnde Ausstattung und feste Wandzier, Retabel und Grabmonumente) Aspekte ihre jeweilige Rolle. Dieses Ineinandergreifen der Räume vorgebenden Architektur, der davor und darin stattfindenden Handlungen, der Schaffung und Einbindung von beweglicher Ausstattung sowie, nicht zuletzt, von Kleidung soll in der denkbaren Breite das Thema unserer Sektion sein. Für das Mittelalter sind dabei weltliche und sakrale Sphäre kaum zu trennen, ja, es wäre von besonderem Interesse, hier die Möglichkeiten sich gegenseitig ergänzender Formen von Handlungsabläufen und performativer Aspekte zu untersuchen.

Es können Themen aus dem gesamten Forschungsraum Ostmitteleuropa (Baltische Staaten, Polen, Weißrussland, Ukraine, Tschechien, Österreich und östliche Teile des historischen Heiligen Römischen Reichs, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Kroatien etc.) und aus dem gesamten Mittelalter gewählt werden. Interessant wäre es, wenn dabei das Augenmerk auch auf spezifische lokale oder regionale Traditionen gelenkt würde, die sich im Vergleich mit anderen Regionen Europas beschreiben lassen. Folgende Aspekte können als Anregung verstanden werden, insbesondere auch ihre Kombination:

  • Rekonstruktion von Abläufen aufgrund von Dokumenten wie z. B. Chroniken, Libri ordinarii, Consuetudines oder Inventaren
  • Rekonstruktion von Abläufen anhand von Nutzungsspuren in Profan- und / oder Sakralbauten oder aufgrund archäologischer Funde
  • Bildliche Dokumentation performativer Akte z. B. in der aktualisierenden Kunst v. a. des späten Mittelalters
  • Die Rolle von Ausstattung im Rahmen performativer Akte (so ist die Kenntnis der konkreten Verwendung z. B. von Altarretabeln im Rahmen der Liturgie noch immer ein Desiderat)
  • Bewertung performativer Akte sakraler und / oder profaner Art durch Besucher, Chronisten etc. und daraus zu erzielende Aussagen über die Frage repräsentativer Notwendigkeiten, kultureller Normen, der Angemessenheit usf.
  • Unterschiede und gegenseitige Beeinflussung durch benachbarte Kulturräume, z. B. der Nachbarschaft der katholischen und orthodoxen Kirchen im Hinblick auf Liturgie und Ausstattung
  • Spezifika, gesellschaftliche Rolle und Bewertung der rituellen Traditionen des Judentums und des Islams in Ostmitteleuropa
  • Verkündigung des Worts: Art, Rolle und Ort der Predigt in Kloster, Kathedrale und Pfarrkirche, nicht zuletzt im Hinblick auf kirchenreformerische Bestrebungen
  • Art und Rolle der (Kirchen-)Musik
  • Prozessionen und andere Handlungen im ‚Freien‘, Einhegung und Markierung von Handlungsräumen, z. B. durch Bildstöcke oder heraldische Setzungen
  • Exequien und Begräbnisrituale in und außerhalb der Kirche.

 

 

Sektion 6 (diese Sektion wird nicht öffentlich ausgeschrieben):

Mittelalterliche Sakral- und herrschaftliche Profanräume als Orte multisensorischer körperlich-sinnlicher Grenzerfahrungen

Sektionsleitung: Michael Grünbart (Münster) / Franz Körndle (Augsburg) / Matthias Müller (Mainz) / Klaus Oschema (Bochum)

(Sponsored session: Mediävistenverband e.V., Münster)

 

Mittelalterliche Sakral- oder herrschaftliche Profanräume beeindrucken noch heute ganz unmittelbar unsere Sinne aufgrund ihrer besonderen Raum-, Licht- und Klangqualitäten. Wie erhaltene Aussagen mittelalterlicher Rezipienten belegen, wurde diese sinnes- wie körperbezogene Wirkung mittelalterlicher Repräsentationsräume bereits in ihrer Entstehungs-zeit wahrgenommen und kann – mit Blick auf die liturgischen, zeremoniellen und zeichenhaft-symbolischen Funktionen von Kirchen- und Schlossräumen – sogar als ein konstitutiver Faktor gewertet werden. Diese auf eine umfassende Stimulation körperbezogener, visueller wie auditiver Sinneserfahrung ausgerichteten Raumqualitäten erfuhren eine zusätzliche Steigerung durch die in den Räumen sich ereignenden liturgischen oder zeremoniellen Handlungen sowie durch die mit ihnen verbundenen Kunstwerke bzw. Objekte sowie Gesang, Glocken und Musikinstrumente. Auf diese Weise entstanden komplexe Bild- und Klangräume, die bei den Rezipienten zu einem körperbezogenen multisensorischen, synästhetischen Erlebnis führten, das in letzter Konsequenz eine Auflösung und Transzendierung der physischen Sinneserfahrung hin zu einer subjektiv unkörperlichen, spirituellen Erfahrung bewirken konnte.

Zur Generierung und Bedeutung solcher Klangräume hat nicht zuletzt die musikwissenschaftliche Soundscape-Forschung in den letzten Jahren wichtige Ergebnisse vorgelegt. Für das Verständnis der körperlich-seelischen Wirkungsweise von Bildräumen, die mit Hilfe der architektonischen Räume und ihrer bildlichen Ausstattung generiert wurden, sind u.a. die entsprechenden Schilderungen von Abt Suger aufschlussreich, der in seinen Berichten über die von ihm erneuerte Abteikirche von St. Denis die besondere Verschränkung von körperhafter und spiritueller Sinneserfahrung während der Betrachtung des Kirchenraums und der darin aufgestellten Bildwerke als eindrückliches Transzendenzerlebnis schildert. Bei diesem wird die Seele des Menschen sprichwörtlich aus seinem Körper hinausgerissen, um anschließend für eine begrenzte Zeit in einer Zone zwischen Himmel und Erde zu verweilen. Diese Verschränkung von sinnlich-physischer und sinnlich-transzendenter Sphäre gelangt auch in der von Abt Suger gewählten Textform und Terminologie seines Berichts zum Ausdruck, indem er offensichtlich bewusst die Schilderung seiner körperlich-seelischen, im Zusammenspiel von Raum- und Bildwirkung erzielten Grenzerfahrung in theologische Begriffe und paraphrasierte biblische Zitate einkleidet. Die damit aufgeworfene Frage nach dem Realitätsgehalt von Abt Sugers Bericht bzw. dem Verhältnis zwischen einem tatsächlich körperhaften Verständnis von äußeren Sinneseindrücken und einer spirituellen, transzendierenden und von hier aus theologisch deutenden Auffassung beschäftigt die Forschung seit längerem und lässt sich für das 13. / 14. Jahrhundert nicht ohne Blick auf die Körper-Seele-Definition sowie die Visio-Auffassung eines Thomas von Aquin verstehen. Die Beobachtung, dass profane Herrschaftsräume u.a. in Momenten der als multimediale Inszenierung vorzustellenden höfischen Feste des späten Mittelalters strukturell analoge Formen und Effekte aufweisen, lädt zu einer vertieften Untersuchung in vergleichender Perspektive ein.

In der Sektion soll die skizzierte Problemstellung in einem interdisziplinären Zugriff von Kunsthistorikern, Historikern und Musikwissenschaftlern untersucht werden. Die Referenten sind Mitglieder des Mediävistenverbandes e.V., der die interdisziplinäre Diskussion in den Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit stellt.

 

 

Sektion 7:

Experientia und ars.

Sinneswahrnehmung, Reflexion und Imagination in der Kunst der Britischen Inseln

Sektionsleitung: Ute Engel (Halle) / Andrea Worm (Tübingen)

 

Die komplexen Zusammenhänge zwischen mittelalterlichen Theorien der Sinneswahrnehmung und der künstlerischen Imagination treten seit einigen Jahren zunehmend in den Blick der kunsthistorischen Forschung. Diese Sektion möchte den Fokus auf die Entwicklungen des Hoch- und Spätmittelalters in England richten. Dort erprobten im 13. und 14. Jahrhundert Gelehrte wie Robert Grosseteste, Bartholomäus Anglicus, Roger Bacon oder William von Ockham, in Auseinandersetzung mit den Schriften des Aristoteles, neue intellektuelle Konzeptionen einer auf „experientia“ basierenden Wahrnehmung der Welt und der Reflexion über den Zusammenhalt des Kosmos. An der Universität Oxford als Zentrum dieser neuartigen „scientia experimentalis“, aber auch an den Kathedralschulen, wurden Tätigkeiten der verschiedenen Sinne analysiert und klassifiziert, die Wirkungen des Lichts und die Zusammensetzung der Farben empirisch erforscht, besonders markant in Untersuchungen zum Regenbogen. Bemerkenswerterweise spielte bei diesen bahnbrechenden Entwicklungen von Theorien zur sinnlichen Wahrnehmung beim Sehen, also der Optik, die Befassung mit der Mystik, also der inneren Schau, eine ebenso wichtige Rolle, waren doch Physik und Metaphysik immer noch eng verbunden.

Wir planen, in dieser Sektion Fragen zu den Interdependenzen zwischen dieser neuartigen Theoriebildung und deren möglichen Manifestationen in Bildern, Artefakten oder Architektur nachzugehen. In welcher Weise werden die theoretischen Konzepte zur Sinneswahrnehmung z. B. in Illustrationen der entsprechenden Traktate visualisiert? Schlagen sich diese Konzepte nieder in Werken, welche die Schau im Spannungsfeld von „visio“ und „speculatio“ implizit oder explizit thematisieren, wie bei der Weltkarte von Hereford? Inwieweit hat die seit dem 11. Jahrhundert feststellbare, im 13. Jahrhundert nochmals gesteigerte Naturbeobachtung und -wiedergabe in der englischen Kunst mit den gewandelten Ideen der Naturphilosophie zu tun? Ist die Innovationskraft der englischen Architektur- und Bildkünste seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als „Gothic Wonder“ (Paul Binski) zu bewerten oder welche Rolle könnte die auf Robert Grosseteste zurückgehende Geometrie des Lichts spielen, wie kürzlich von John Shannon Hendrix anhand der Kathedrale von Lincoln postuliert? Wir möchten zur Diskussion über solche aktuellen Forschungsfragen zum Zusammenhang zwischen mittelalterlichen Theorien der Sinneswahrnehmung, künstlerischer Imagination und den auf Visualität angelegten Künsten anregen, ausgehend von der dynamischen Entwicklung auf den Britischen Inseln, aber auch im Hinblick auf deren Wirkungen auf dem Kontinent.

 

 

Sektion 8:

Getäuschte Sinne.

Simulacra und Synästhesie in der Wahrnehmung mittelalterlicher Kunst

Sektionsleitung: Gregory Bryda (New York) / Joris Corin Heyder (Bielefeld)

 

In zahlreichen Beispielen mittelalterlicher Kunst ist die Täuschung der Sinne eine zentrale Qualität des Artefakts beziehungsweise des Rezeptionsprozesses. In unserer Sektion interessieren wir uns daher für alle Phänomene, die mit den eng verflochtenen Begriffen Simulacrum und Synästhesie in Verbindung gebracht werden können. Verstand man unter dem Begriff des Simulacrums seit Plato vornehmlich einen „false claimant to being“ (Michael Camille 2003), wurde er unter dem Eindruck des Aristotelischen ‚Materialismus‘ im 13. Jahrhundert zunehmend rehabilitiert. Simulacra sind notwendigerweise referentiell und in den meisten Fällen wird die Referentialität überhaupt erst durch die Täuschung von Sinnen operationalisiert. Egal ob mit Blick auf Manipulationen von Sinnen bei Kopien des Heiligen Grabes, der olfaktorischen Evidenz für echten oder unechten aber optisch überzeugenden Bernstein, die täuschende Lebensechtheit von Skulpturen oder aber die unzähligen Beispiele für visuelle Simulacra in der mittelalterlichen Kunst – stets scheinen einerseits die materialen, räumlichen oder temporalen Qualitäten von Kunstwerken sowie andererseits das Zusammenspiel unserer sinnlichen Erfahrungen in erheblichem Maße affiziert zu sein.

In einem solchen Zusammenwirken arbeiten unsere Sinne darauf hin, ein Gesamtbild von etwas Gesehenem, Gehörtem, Geschmecktem, Gefühltem oder Gerochenem herauszukristallisieren. Selbst wenn wir bestimmte Praktiken normalerweise mit bestimmten Sinnen verknüpfen, ist es ratsam den Wahrnehmungsprozess auch als ein gesamtheitliches Zusammenspiel aller Sinne zu verstehen. Denn gerade die synästhetische Erfahrung bzw. die simultane Wahrnehmung von verschiedenen sensuellen Stimuli kann getäuscht oder verführt werden. Unser vorrangiges Interesse gilt daher Simulacra, deren als-ob-Charakter und unhintergehbares imitatives Potential durch die Herausforderungen und Hindernisse der sich überlagernden sensuellen Erfahrungen motiviert sind. Uns interessiert ferner, wie synästhetische Erfahrungen in ihren mannigfachen sensuellen Kombinationsmöglichkeiten womöglich sogar selber Simulacra hervorbringen können. Eine erste These lautet, dass besonders solche Simulacra, die von synästhetischen Dynamiken profitieren, dabei helfen könnten, zum weiteren Verständnis von Repräsentation und Mimesis in der mittelalterlichen Kunst beizutragen. Wir freuen uns über Vorschläge zu Vorträgen in englischer oder deutscher Sprache, die etwa dem Verhältnis zwischen Simulacra und synästhetischen Erfahrungen als substituierenden, spielerischen, metaphorischen, korrigierenden, augentäuschenden oder skeuomorphischen Phänomenen in mittelalterlichen Artefakten sowie mittelalterlicher Architektur nachgehen.

 

 

Sektion 9:

Ephemeres für die Sinne – Bedeutungsdimensionen mittelalterlicher Kunst im Kontext ephemerer Handlungen und Inszenierungen

Sektionsleitung: Julia von Ditfurth (Kiel) / Hanna Christine Jacobs (Bonn)

 

Sinneswahrnehmungen werden uns vor allem dann bewusst, wenn sie zeitlich begrenzt sind. Das Ephemere steigert die Konzentration auf den Moment. Im Mittelalter wurden Architekturen und Bildwerke in einmalige oder sich wiederholende, temporär beschränkte Handlungen eingebunden und durch Textilien, Aufbauten oder flüchtige Elemente wie Licht, Klang, Gerüche, Rauch oder Bewegung akzentuiert. Dies fand sowohl innerhalb des kirchlichen wie auch des höfischen oder städtischen Zeremoniells statt. Die Bewegung oder Berührung bestimmter Objekte konnte ein elementarer Teil einer rituellen Handlung sein, der diese erst gültig, das heißt rechtskräftig oder wirkmächtig machte. Ziel der Sektion ist es, anhand überlieferter Objekte und / oder schriftlicher Quellen herauszuarbeiten, wie ephemere Handlungen oder Inszenierungen die Bedeutungsdimensionen mittelalterlicher Kunstwerke verändern konnten. Mögliche Fragestellungen könnten sein:

  • Welchen Einfluss hatte das Ephemere auf die sinnliche Wahrnehmung von Objekten, Handlungen und Handlungsorten durch die Betrachtenden im Mittelalter?
  • Führte die multisensorische Kombination mehrerer ephemerer Elemente zu einer intensiveren sinnlichen Wahrnehmung oder einer Überlagerung von Sinneseindrücken?
  • Werden eine Ambivalenz oder eine Hierarchie menschlicher Sinneswahrnehmungen thematisiert?
  • Spielt der Transitus vom Diesseits ins Jenseits, von einer Sphäre in eine andere, von einem Rang in den nächsthöheren eine besondere Rolle?
  • (Wie) Wird das Ephemere visualisiert, selbstreferentiell verhandelt oder memoriert – jenseits des Ereignisses selbst?
  • Lassen sich ephemere Handlungen an Objekten selbst ablesen (Stichwort Affordanz)?
  • Welches Verlebendigungs- oder Verkörperungspotential wird Artefakten in ephemeren Handlungen und Inszenierungen zugeschrieben (Stichwort Agency)?

Einzelne Fallbeispiele sind ebenso willkommen wie Überblicke über Objektgruppen oder Ereignisse sowie methodologische Reflektionen. Die Vorträge könnten beispielsweise natürliche oder konstruierte Lichtphänomene thematisieren, die nur einmal im Jahr oder zu bestimmten Tageszeiten wahrnehmbar sind. Auch könnten die Verhüllung bestimmter Raumkompartimente oder Bildwerke durch Textilien, die Bewegung von Personen und bestimmter mobiler Ausstattungsstücke oder das Eintauchen eines Raumes oder eines Objektes in Klang und Rauch in den Blick genommen werden. Methodologisch könnten etwa die Herausforderungen untersucht werden, die sich aus dem Einbezug ephemerer Erfahrungen angesichts deren erschwerter bis unmöglicher konkreter Fassbarkeit ergeben. Neben kunsthistorischen sind historische, liturgie- oder musikwissenschaftliche Beiträge ausdrücklich erwünscht.

 

 

Sektion 10:

Mystik und Bildgenerierung

Sektionsleitung: Gia Toussaint (Wolfenbüttel)

 

„Deine Ohren werden Augen machen“ – mit diesem gewitzten Spruch wirbt der Sender RBB Kultur um Hörer und weist (unbewusst?) zugleich auf synästhetische Wirkungen des Hörens hin. Dass über das Hören innere Bilder entstehen können, ist nirgends so evident wie in der Mystik. Das auditive Wahrnehmen z. B. von Lesung, Gebet und liturgischem Gesang vermag in einem mystisch begabten Menschen einen ganzen Kosmos innerer Sinneserfahrungen auszulösen. Gleiches gilt für die visuelle Wahrnehmung von Bildern und Bildwerken, die, wie in der Forschung bereits gezeigt wurde, als Stimulanzien einer inneren Schau dienen. Die Schilderungen der so ausgelösten komplexen inneren Sinneserfahrungen von Mystikern sind vor allem in Texten greifbar. Weniger verbreitet sind aus diesen Erlebnissen resultierende Bildzeugnisse. Die Schriften Heinrich Seuses beispielsweise beinhalten Ausführungen über multisensorische innere Prozesse, welche oft eng miteinander verwobene visuelle, auditive, haptische, gustatorische und olfaktorische Erlebnisse beschreiben. Diese Mitteilungen werden dem späteren Rezipienten zwar viel öfter im Medium des Textes als im Medium des Bildes vermittelt. Grundsätzlich aber scheint sich die mystische Bildüberlieferung durch außerordentlich individuelle Darstellungen auszuzeichnen, die sich weitgehend der gängigen Ikonographie entziehen.

Aufzuwerfen ist die Frage, ob und inwieweit es diesen Bildern gelingen kann, einen komplexen inneren Wahrnehmungsprozess abzubilden. Kann eine multisensorisch generierte innere Bildwelt äußere Darstellungen evozieren, die die inneren Wahrnehmungen sichtbar machen? Ist mit einer bildlichen Darstellung nicht immer auch eine Reduktion aller nicht-visuellen Sinne verbunden? Sind deshalb aus mystischem Erleben entstandene Bilder auf erläuternde Texte angewiesen? Oder ist es gerade umgekehrt: Sind äußere, dem mystischen Erleben entsprungene Bilder unabhängig vom Text verständlich? Können sie sogar neue Möglichkeiten multisensueller mystischer Erfahrung erschließen? Diesem in bisheriger Forschung nur anfänglich erkundeten Wechselspiel soll sich die Sektion widmen.

 

 

Doppelsektion 11:

Schmerz - Repräsentation und Erfahrung

 

Sektion 11a:

Konzepte der Schmerzrepräsentation in Bild und Text

Sektionsleitung: Iris Grötecke (Frechen)

 

Im Schmerzzustand wird der gesamte Körper zum Sinnesorgan, das sowohl lokal begrenzt als auch in seiner Gesamtheit Schmerzen empfinden kann. Schmerzzufügung, Schmerzempfindung und Schmerzäußerung sind anthropologische Grunderfahrungen, die jeweils einer epochenspezifischen kulturellen Sinngebung unterliegen.

Im Mittelalter war physischer Schmerz ubiquitär: Die Passion Christi und die Heiligenmartyrien deuteten die Schmerzzufügung im Sinne einer Heiligung, Bußrituale folgten dieser Idee. Schmerz konnte als Prüfung (Hiob) oder als Strafe (Höllenqualen) verstanden werden. Die säkulare Gerichtspraxis setzte Körperverletzungen zur Wahrheitsfindung, als Strafe, als Schandmal oder als Demütigung ein. Ritterlicher Zweikampf und Krieg verursachten Schmerz, darüber hinaus wurden Hunger, Krankheiten, aber auch medizinische Eingriffe von Schmerzen begleitet.

Die Sektion 11a fragt danach, welche Funktion die Repräsentationen von Schmerz haben. Das Zeigen intensiver körperlicher Schmerzen und das Verbergen der Schmerzen, die in diesem Fall nur indirekt aus der Bildhandlung oder den Zeichen erlittener Qualen erschlossen werden können, stellen unterschiedliche Deutungen dar. Ebenso interpretieren das emotionslose Ertragen körperlicher Schmerzen oder das Konzept der Schmerzlosigkeit in Situationen, in denen Schmerz zu erwarten wäre (etwa die Geburt Christi in den Visionen der Heiligen Birgitta), die Sinneswahrnehmung sehr unterschiedlich. Willkommen sind Vorträge, die die Strategien des Zeigens, Verbergens, Sublimierens und der Abwesenheit von Schmerz in der Fülle mittelalterlicher Themen untersuchen, oder die neue eigene Analysekriterien zur Diskussion stellen wollen. Im Zentrum der Sektion steht die kognitive Deutung der körperlichen Schmerzen.

 

 

Sektion 11b:

Schmerz – Von der Empfindung zum Gedächtnis des Körpers

Sektionsleitung: Daniela Mondini (Mendrisio) / Vladimir Ivanovici (Brno)

 

Sektion 11b lädt dazu ein, den Einsatz von Schmerz aus einer Perspektive des Körpers zu betrachten. Anstatt Beispiele der Darstellung, Beschreibung oder Vorführung von menschlichem Leiden zu behandeln, sollten sich die Beiträge auf dessen Inszenierung konzentrieren. Von spätantiken Homilien, in denen jede Wunde an durch Pilgerfahrt und nächtliches Gebet körperlich erschöpften Zuhörern detailliert geschildert wird, über illuminierte Handschriften mit Leidensdarstellungen, die für spezifische private und öffentliche Rituale verwendet wurden, bis hin zur Teilnahme an Selbstgeißelungsprozessionen auf den Straßen mittelalterlicher spanischer Städte als emotionaler Höhepunkt der Fastenzeit am Gründonnerstag – all diese Praktiken bedurften einer sogfältigen Mise-en-scène und dienten dazu sicherzustellen, dass der Schmerz nicht nur ins Auge fiel, sondern bei den Zuschauern einen bleibenden Eindruck hinterließ (sich in den Körper einschrieb). Ebenso willkommen sind Beiträge, die den weltlichen Aspekt des Phänomens berücksichtigen, indem sie erörtern, wie Bilder von physischem Schmerz und Bestrafung zur Abschreckung von Kriminalität eingesetzt wurden – also die Verwendung der gleichen visuellen Strategie zur Abwehr und nicht zur empathischen Teilhabe.

 

 

Sektion 12:

The Sense of Water:

Wahrnehmung und Darstellung von Wasser in der Kunst des Mittelalters

Sektionsleitung: David Ganz / Sophie Schweinfurth (Zürich)

 

In allen Kulturen hat Wasser schon immer eine zentrale Rolle für das Wohlergehen und den Wohlstand von Gesellschaften gespielt. Gerade in Zeiten des Klimawandels und sich stetig steigernder Hitzerekorde ist der Wert des Wassers wieder vermehrt in den Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit gerückt. Auch das Mittelalter war sich der überragenden Bedeutung des Wassers als wertvolle Ressource bewusst.

Als eines der vier Elemente adressiert Wasser die gesamte menschliche Sinneswahrnehmung auf vielfältige Art und Weise: Sehen durch Farbe und Reflexion, Hören durch die Produktion unterschiedlicher Geräusche wie z. B. Plätschern oder Tröpfeln, Schmecken durch Trinken und Fühlen durch das Eintauchen des Körpers oder Schwimmen. Die Sektion will untersuchen, wie die sinnliche Erfahrung, die durch Wasser ausgelöst wird, in der Kunst des Mittelalters reflektiert wird. Dabei ist die Wahrnehmung von Wasser in mittelalterlichen Kulturen untrennbar mit einer Vielzahl symbolischer Inhalte verbunden. Da ist z. B. das lebensspendende Potential von Wasser, das die Vorstellung des Paradiesgartens, der von Flüssen durchzogen ist, in allen drei abrahamitischen Religionen geprägt hat. Weiter diente Wasser als wichtiges Medium beim Vollzug von Reinigungs- und Initiationsritualen. Zahlreiche mittelalterliche Legenden berichten von der heilenden Wirkmacht von heiligem Wasser, während die Inszenierung von Wasserreichtum durch Brunnen oder Wassergärten im Bereich der Herrschaftsrepräsentation ein wirkungsvolles Instrument der Machtdemonstration und der Markierung sozialer Unterschiede sein konnte. Gleichzeitig vermag Wasser aber auch Tod zu verursachen, etwa durch Ertrinken und Überfluten, wie es exemplarisch in der alttestamentlichen Sintfluterzählung verdichtet wird.

Die Sektion fragt danach, wie all diese verschiedenen Bedeutungsebenen die mittelalterlichen Darstellungen und Inszenierungen von Wasser referenziert haben. Dabei zielt die Sektion einer aktuellen Tendenz der kunsthistorischen Forschung folgend darauf ab, die Frage von Materialität um den Aspekt der mittelalterlichen Wahrnehmung von Materialität – in unserem Fall Wasser – zu erweitern. Der Call richtet sich ausdrücklich an Forschende zur Islamischen, Jüdischen, Westlichen, Byzantinischen etc. Kunstgeschichte, um ein möglichst breites Panorama der Darstellung und Inszenierung von Wasser in den unterschiedlichen Kulturen des Mittelalters zu entfalten.

 

 

Doppelsektion 13:

Sinnlichkeit in der 3D-Rekonstruktion mittelalterlicher Stadttopographien, Objekte und Räume

Sektionsleitung: Andrea von Hülsen-Esch (Düsseldorf) / Tanja Michalsky (Rom) / Julia Trinkert (Düsseldorf) / Gerhard Weilandt (Greifswald)

 

3D-Digitalisierungsprojekte in der historischen Stadtraumforschung (z. B. Naples Digital Archive / MPI für Kunstgeschichte, Rom oder das Verbundprojekt TOPORAZ und TRANS-RAZ an der Universität Greifswald, Universität Köln, TU Darmstadt, FIZ Karlsruhe) und Denkmalpflege (z. B. das virtuelle Rekonstruktionsprojekt Der Kölner Ratsbezirk um 1600; TU Darmstadt und HHU Düsseldorf) sowie bei der Erforschung von Objekten (z. B. das Projekt Cenobium, MPI für Kunstgeschichte, Florenz) zeigen, dass die digitale Darstellung von Stadttopographien, Objekten und Räumen als ernstzunehmendes, neuartiges Tool für die wissenschaftliche Forschung etabliert wird. Visualisiert werden die Materialität von Objekten und Trägern von Architektur und Kunst, Raumwirkungen sowie kontextuelle Bezüge. Komplexe topographische und binnentopographische Strukturen lassen sich so erheblich besser und präziser erfassen als das mit herkömmlichen Mitteln möglich war. Außerdem bieten virtuelle Modelle die Möglichkeit, Datenbanken zu integrieren, die umfassende Informationen zusammenführen.

Die große Herausforderung dabei ist, im Auge zu behalten, dass damit virtuelle Räume und Realitäten geschaffen werden, die in dieser Weise nicht existiert haben, da alle Rekon-struktionen die Vorannahmen und den Wissensstand einer Momentaufnahme des jetzigen Forschungsstandes spiegeln. Des Weiteren verführt die nahezu perfekte technische Umsetzung dazu anzunehmen, mit dem Instrument der digitalen Rekonstruktion ein überprüfbares Verfahren für die Richtigkeit oder ‚Wahrheit‘ von Forschungsergebnissen gefunden zu haben – vergleichbar den Messwerten und Diagrammen in den sog. exakten Wissenschaften.

Dennoch sind digitale Rekonstruktionen nicht nur grundlegend für die Weiterentwicklung der Konservierung und Restaurierung von Objekten und Architektur oder als zusätzliches ubiquitär verfügbares Anschauungsmaterial in der Forschung. Das Potential von digitalen Rekon-struktionen und Animationen über den Aspekt der anschaulichen Vermittlung an ein breiteres Publikum hinausgehend kann auch dazu genutzt werden, synästhetische Verhältnisse zu bestimmten Zeitpunkten zu erforschen: So könnte bspw. die visuelle und akustische Wirkung von Objekten in variierenden Zeit- und Raumverhältnissen simuliert werden, um damit das Wechselspiel von Objekten und Betrachter/innen zu erforschen und bis zu einem gewissen Grade die sinnliche Wahrnehmung der Betrachter/innen beschreibbar zu machen.

In der Sektion sollen innovative Ansätze komplexer Raum- und Objektforschung als Teil einer neu zu etablierenden Forschungsinfrastruktur vorgestellt werden. Beiträge im Rahmen dieser Sektion können bspw. die folgenden Fragestellungen aufgreifen: Inwiefern ist eine Annäherung an die synästhetische Wahrnehmung im Mittelalter erst durch digitale Rekonstruktionen möglich? In welcher Weise verschieben sich Interpretationsebenen von Räumen und Objekten durch eine Berücksichtigung ihrer sinnlichen (heutigen und historischen) Wahrnehmung? Welchen Einfluss haben Riten und Handlungen auf das (sinnliche) Erscheinungsbild von Räumen und Objekten? Welche Herausforderungen ergeben sich durch die spartenübergreifende Zusammenarbeit von Forscher/innen etwa in Bezug auf die spezifischen Fachsprachen und die davon abgeleiteten Thesauri? Wie kann die notwendige Zusammenarbeit zwischen Informatiker/innen und Geisteswissenschaftler/innen sinnvoll gestaltet werden? Welche Standards gibt es, und wo liegen die Defizite, die unbedingt ausgeglichen werden sollten?

Gesucht werden Beiträge, die 3D-Rekonstruktionen als Medium wissenschaftlicher, insbeson-dere transdisziplinärer Forschung nutzen. Wir brauchen belastbare Standards als Richtlinien für eine zukunftsorientierte Forschung. Dazu möchte diese Sektion einen Beitrag leisten.

 

 

Doppelsektion 14: Klang und Hören

 

Sektion 14a:

Klang und Sakralraum, 12.–15. Jahrhundert

Sektionsleitung: Antje Fehrmann (Hamburg) / Christian Freigang (Berlin)

 

Die Klangforschung ist seit mehreren Jahren ein innovatives Feld der interdisziplinären Erkundung synästhetisch bewirkter Sinnvermittlung, insbesondere in Bereichen von Liturgie und Ritual. Gesang, Musik und Glockenklang setzen sich hierbei akzentuiert von dem disparaten und lauten Geräuschpegel der mittelalterlichen Stadt ab. Sie kreieren und strukturieren zeitlich vorübergehende Klangräume, die das Innere wie den Außenbereich von Sakraltopographien hierarchisieren. Dabei werden die Klangemissionen in verschiedenster Weise räumlich architektonisch gerahmt, gelenkt und verstärkt bzw. durch andere Medien ergänzt und erläutert. Abschrankungen, Schallöffnungen, Turmgestaltungen, Bildprogramme sind einige dieser architektonisch-bildlichen Resonanzmedien, die eine wesentliche Sinnschicht erst durch eine solche synästhetische Aufladung erhalten. Diese Funktion als Tonemittenten betrifft etwa die räumliche Disposition von Choranlagen und Emporengeschossen, die Anlage mancher Gewölbe, die Ikonographie von Glockengeschossen usw.

Erwünscht sind Beiträge auf der Schnittstelle zwischen Architekturgeschichte, Musik- und Liturgiewissenschaften, welche die klangliche Performanz im Zusammenhang mit der Konstitution von sakral herausgehobenen Räumen untersuchen. Der Begriff Sakralbauten ist weit gefasst, schließt auch nicht-katholische Kirchen, Synagogen und Moscheen mit ein. Die Sektion ist auch offen für Fragen von akustischer und musikalischer Wahrnehmung und Diskursivierung, sofern dies mit Räumen und Bauten des Sakralen in Zusammenhang zu bringen ist.

 

 

Sektion 14b:

Hören im Sakralraum

Sektionsleitung: Rebecca Müller (Heidelberg) / Joanna Olchawa (Frankfurt am Main)

 

Adlerpulte, die einen Schrei ausstoßen, Skulpturen scheinbar lauschender Figuren an Pfeilern, Orgeln mit ‚Brezelmännern‘, welche Spottlieder singen und derbe Witze reißen – die Kunst des Mittelalters verbindet in ihrer multisensorischen Konzeption und Perzeption vor allem visuelle und akustische Dimensionen. Gerade in geschlossenen, sakralen Räumen wurden diese anspruchsvollen Automaten, aufwendig gestalteten Skulpturen und komplexen Instrumente wie auch Ausstattungselemente mit der Intention geschaffen, nicht nur Klang für die Strukturierung und Hierarchisierung der Rituale, Zeremonien und Feste zu erzeugen. Vielmehr thematisierten sie häufig das Hören selbst, als eine an die Anwesenden adressierte Aufforderung, sich über das Sehen hinaus verstärkt auf die akustische Erfahrbarkeit der Predigt, des Gesangs und des gesprochenen Wortes zu konzentrieren. Trivial ist das nicht. Denn das Hören sollte ein stärker körperliches Erlebnis der Liturgie ermöglichen, mnemotechnische Hilfen anbieten, um das Gedächtnis weiter auszubilden und handlungsleitend zu wirken. So sollte ‚Resonanz‘ auch im übertragenen Sinne erzeugt werden.

Die Sektion widmet sich vor dem Hintergrund der aktuellen Sound Studies, der lebendig geführten Debatten um Lautsphären und dem schon längst ausgerufenen ‚Auditory Turn‘ sowie der Begriffe der Auralität, des Hör-Wissens und natürlich der Audiovisualität, diesem Phänomen dezidiert in Hinblick auf die künstlerischen Erzeugnisse. Da sich der ephemere, damalige Klang und dementsprechend das kulturell geprägte, nie objektive Hören der historischen Rekonstruktion entziehen, wird Wert auf die Analyse sowie Diskussion der kulturellen Relevanz gerade anhand der erhaltenen Objekte und Skulpturen gelegt. Willkommen sind zudem auch Beiträge, die sich mit außereuropäischen Räumen beschäftigen, sich der digitalen Rekonstruktion auditiver Räume widmen oder auch Vorschläge, die über den Beitrag einer kunsthistorischen Mediävistik zu den Sound Studies reflektieren.

 

 

Sektion 15:

Ästhetik des Tastens.

Haptische Praktiken und ihre künstlerische Reflexion im späten Mittelalter

Sektionsleitung: Melis Avkiran / Ulrich Rehm (Bochum)

 

Inwiefern sind die Praktiken spätmittelalterlicher Religiosität vom haptischen Erlebnisvermögen geprägt? Welche Aussagen zum kinästhetischen Erfahrungsangebot lassen sich über die entsprechenden Artefakte, ihre Materialien und Gestaltungsformen treffen? Und, wie wurden diese künstlerisch reflektiert? Unter dieser Fragestellung lädt die Sektion zur Einsendung von Beiträgen über die Ästhetik des Tastens ein.

Die sensorische Anziehungskraft spätmittelalterlicher Devotionalien heben nicht zuletzt jüngste Fallstudien zur interaktiven Vermittlung von Objekten der materiellen Kultur mit sog. „Multi-Sensory Prayer Nuts“ hervor und belegen das Disziplinen übergreifende Interesse an der Erkenntnisvermittlung über die Sinne. So vereint der multisensorische Akt im Beten des Rosenkranzes haptisches Erleben mit auditiver Rezitation und kann zudem reizvolle visuelle und olfaktorische Aspekte bieten. Denken wir an Darstellungen des Rosenkranzes in Gemälden, ist der zeitliche Ablauf der haptischen Praxis aufgehoben und die dreidimensionale Erfahrbarkeit im Tasten entzogen. Gerade in diesem Zusammenhang können Gemälde allerdings ihre Fähigkeit herausstellen, Dreidimensionalität und haptische Erfahrbarkeit, eventuell auch die damit verbundene Zeitlichkeit zu evozieren. Die Annahme antiker Autoren, alle Sinne seien Modifikationen des Tastsinnes, spiegelt sich in Aristoteles‘ Sehstrahlentheorie wider. Die Idee, das Auge ‚erfasse‘ mittels eines ausgesendeten Sehstrahls seinen Wahr-nehmungsgegenstand, lässt sich unmittelbar mit künstlerischen Vorstößen, die materielle Beschaffenheit der Welt ins Bild zu übersetzen, verknüpfen. Wie sehr ist die Naturtreue im Detail, etwa eines Jan van Eyck, weniger ein Produkt visueller Mimesis als vielmehr Äquivalent einer haptischen Welterschließung?

 

 

Sektion 16:

Objekte in Berührungsritualen –

Provokationen, Negationen und Substitute taktiler Heilserfahrung

Sektionsleitung: Jochen Hermann Vennebusch (Hamburg)

 

Schon aus der vorchristlichen Antike und ebenso aus biblischen Texten sind verschiedene Formen einer oft ritualisierten Berührung von Personen oder Objekten überliefert, mit denen z. B. Amtsübergabe, Heilsübertragung oder Ehrerbietung artikuliert werden konnten. Auf dieser Grundlage wurden Berührungsrituale zu einem konstitutiven Element christlicher Liturgie. Vor diesem Hintergrund geht die Sektion der Frage nach, ob und wie im Mittelalter Objekte und Geräte, die in Berührungsrituale involviert waren, auf verschiedene Formen der Berührung und deren Sinngebung abgestimmt waren. Zudem soll erörtert werden, wie sie oder auch ihr Kontext eine taktile Begegnung provozierten, negierten, steuerten oder abwehrten, darstellten und deuteten.

Bei zahlreichen sakral oder liturgisch genutzten Objekten des Mittelalters wurde die Berührung schon bei der Konzeption und Formgebung einkalkuliert. Mitunter waren hierfür praktische Gründe ausschlaggebend, vor allem aber wirkte sich das Bedürfnis der Gläubigen nach der heilsvermittelnden physischen Nähe und Berührung auf die Gestaltung der Objekte und auf ihre Gebrauchsweise aus. So konnten intendierte Kontaktstellen besonders herausgehoben werden, um eine haptische Verehrung und körperliche Teilhabe am Heiligen zu provozieren. Ein zentraler Aspekt hierbei ist die Materialität der Heiltümer und ihrer ‚Rahmung‘, die möglicherweise zu einer haptischen Sinnes- und Heilserfahrung einladen oder sie gleichermaßen abwehren konnte. Sofern der unmittelbare Zugang der Gläubigen zu den Objekten oder heilbringenden Orten eingeschränkt oder unterbunden war, bildeten sich oftmals Ersatzhandlungen und Substitutionsformen heraus, die zwar eine gewisse Nähe inszenierten und einen als taktil erfahrbaren Blick gewährten, doch keinen direkten Kontakt zum Bildwerk oder zur Reliquie zuließen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, auf welche Weise eine faktische Berührung kompensiert werden konnte und welche weiteren Objekte und Substitute in diesen Fällen zur haptischen Heilserfahrung genutzt wurden.

 

 

Sektion 17:

Das Göttliche mit allen Sinnen erfahren:

Reliquien, Relikte und Spuren im mittelalterlichen Islam

Sektionsleitung: Sara Kuehn (Aix-en-Provence / Tübingen)

 

Seit der Zeit des Propheten Muhammad wurde die sinnliche Erfahrung von physischen Relikten bzw. Reliquien und Artefakten des Propheten und seiner Anhänger in der islamischen Kultur kultiviert. Neben den verschiedenen ‚Spuren‘ (athar), die Muhammad hinterlassen hat, wie z. B. seine Haare, Nägel, Zähne, Kleidung, Sandalen, Utensilien, Ausrüstungsgegenstände, Waffen und vor allem Fußabdrücke, war die Huldigung vergleichbarer athar islamischer Heiliger ein integraler Bestandteil der mittelalterlichen islamischen Volksfrömmigkeit.

Solche Reliquien und Artefakte, die ihre Bedeutung aus der sensorischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Konsumpraktiken (Einnehmen, Berühren, Sehen, Riechen) ableiten, riefen körperliche und geistige sowie individuelle und gemeinschaftliche Sinneserfahrungen hervor. Dieses Panel soll die Auswirkungen und Folgen dieser religiösen Empfindungen beleuchten und Beiträge zusammenführen, die die sinnliche Dimension von athar des Propheten Muhammad und islamischer Heiliger im mittelalterlichen Islam untersuchen. Die Auseinandersetzung mit der Rolle dieser athar in den verschiedenen Formen, in denen die Sinne bei der Ausübung islamischer Frömmigkeit, wundersamen Heilungen, sozio-politischen Ereignissen und der Schaffung neuer Zentren der Sakralität instrumentalisiert wurden (und damit zur Erweiterung und Festlegung der territorialen Grenzen des Islam dienten), ermöglicht uns nicht nur den Zugang zu kontextuellen Atmosphären und menschlichen Darstellungen, sondern auch zu Handlungsmotivationen. Als Materialien, die direkt zu ihrer ‚Inszenierung’ beitrugen und durch sie konditioniert wurden, erlauben diese Zeichen spiritueller Macht und Autorität, mittelalterliche sunnitische und schiitische sensorische Erfahrungen über Zeit, Raum und Kulturen hinweg zu rekonstruieren. Die Exploration solch mächtiger Artefakte der Fürbitte und Transformation in verschiedenen kontextuellen Zusammenhängen kann einen weiteren Zugang zu einem multisensorischen Verständnis von prophetischen und heiligen Reliquien im mittelalterlichen Islam bieten. Diskussionen über diese ‚materiellen Vermittler‘ der menschlich-göttlichen Dyade an Wallfahrtsorten, die das Heilige zwischen den drei abrahamitischen Religionen ‚teilen‘ sowie kulturübergreifende Perspektiven sind besonders willkommen. Das Panel zielt ferner darauf ab, eine Diskussion darüber anzustoßen, wie Sinneserfahrungen mittelalterlicher islamischer Reliquien und Artefakte in einem zeitgenössischen Museumskontext erfasst und reproduziert werden können, um Einblicke in unterschiedliche Formen des Verstehens von Sinnen zu gewinnen, die als ‚wissensbildend‘ gelten.

 

 

Sektion 18:

Die sinnliche Erfahrung von Heiligengräbern in Spätantike und Frühmittelalter 

Sektionsleitung: Sabine Feist (Halle) / Patricia Strohmaier (Düsseldorf)

 

Die sinnliche Erfahrung von Märtyrern war in der Frühzeit des Christentums Voraussetzung und fester Bestandteil ihrer Verehrung, wie schon der wahrscheinlich früheste überlieferte Martyriumsbericht über den Bischof Polykarp zeigt. Nach dessen Tod auf dem Scheiterhaufen sammelte die Gemeinde von Smyrna seine Gebeine ein, die sie für „wertvoller als kostbare Steine und schätzbarer als Gold“ erachtete und „an geeigneter Stelle beisetzen“ wollte. Von besonderem Interesse im Martyriumsbericht sind diese Passagen bezüglich des Umgangs mit dem Körper des Bischofs nach dessen Tod, sollte die Wertschätzung der körperlichen Überreste, der Reliquien, in den folgenden Jahrhunderten doch zentral für die Verehrung christlicher Heiliger werden. Denn mit der Religionsfreiheit konnten Christen ihren Glauben offen leben, wurden nicht mehr verfolgt oder gar für ihren Glauben getötet. Abgesehen von den vereinzelten, nur im Osten des Römischen Reiches anzutreffenden sogenannten Holy Men und den frühmittelalterlichen Missionaren an der Peripherie und außerhalb der Reichsgrenzen, konnten Heilige folglich nicht mehr, wie noch zur Zeit Polykarps, unmittelbar erlebt werden. An die Stelle des persönlichen Erlebens mussten somit andere Ebenen der Wahrnehmung treten, mussten neue Strategien der sensorischen Erfahrbarkeit von Märtyrern und Heiligen gefunden werden.

Eine Möglichkeit dafür fand man schnell in der aufwendigen Ausgestaltung und Zugänglichmachung von Heiligengräbern. In Rom etwa geschah das bereits seit konstantinischer Zeit, doch gilt als entscheidende Etappe für die Aufwertung und Inszenierung der verehrten Gräber das Pontifikat Damasus’ I. Ablesbar ist dessen Wirken an den vielen überlieferten Grabgedichten, die unter seiner Ägide an den Bestattungsorten der Märtyrer angebracht wurden. Zudem ließ der römische Bischof die Gräber architektonisch fassen, mit Bildern ausschmücken und veränderte die Lichtführung. Aus den Werken Gregors von Tours ist zu erfahren, dass Gräber wie das des heiligen Martin mit Marmorplatten, Schranken, Kerzen und Textilien visuell hervorgehoben waren. Kleriker wuschen die Gräber und verlasen dort die Vita der verehrten Person an ihrem Festtag. Pilgernde berührten und küssten die Gräber, weinten an ihnen, riefen die Heiligen an und streuten wohlriechende Kräuter aus.

Solche Einblicke, die uns archäologische Befunde wie auch Schriftquellen in die Inszenierung von Heiligen in Spätantike und Frühmittelalter gewähren, lassen ein multisensorisches Angebot um die verehrten Gräber erkennen, das nicht ausschließlich auf eine rein visuelle Stimulierung abzielte. In der Sektion soll dieses breite und vielfältige Spektrum sinnlicher Erfahrbarkeit von Heiligengräbern im Mittelpunkt stehen. Neben weiteren Aspekten sollen daher folgende Fragen angesprochen werden:

  • Wie werden Pilgernde in den Fällen, in denen ein Heiligengrab zugänglich ist, auf diesen besonderen Ort vorbereitet? Was verraten uns die archäologischen Befunde z. B. über gezielte Wegeleitung zu den Gräbern, Lichtinszenierung und (laut?) zu lesende Grabepigramme? Was erfahren wir dazu aus den frühen Pilgerberichten?
  • Gibt es weitere rekonstruierbare Elemente der Ausstattung von Heiligengräbern, z. B. Abdeckung mit Textilien, Aufstellung von Weihrauchgefäßen und Votivgaben, ephemere Inszenierungen zu besonderen Anlässen?
  • Wie wird die Ambivalenz von An- und Abwesenheit der oder des Heiligen im Grab sinnlich vermittelt?
  • Welche sensorischen Handlungen nehmen Gläubige an den Heiligengräbern vor?
  • Was geschieht in den Fällen, in denen Heiligengräber nicht sichtbar sind? Welche Strategien werden hier angewendet, um die oder den Heiligen sinnlich erfahrbar zu machen?
  • Wie werden die heiligen Überreste bei Translationen sinnlich inszeniert?

 

 

Sektion 19:

Sinnliche Begegnungen mit mittelalterlichen Münzen

Sektionsleitung: Jacqueline Marie Lombard (Pittsburgh) / Luke A. Fidler (Chicago)

 

In machtvollen Netzwerken zirkulierend sind Münzen vor allem materielle und rituelle Objekte, die die fünf Sinne ansprechen und durch diese aktiviert werden. Mittelalterliche Beobachter behandelten zum Beispiel die optischen und haptischen Eigenschaften des Münzgeldes, wenn sie diese als specie authentifizierten. Klimpernde Pfennige begleiteten das Offertorium, Oboli wurden Leichnamen in den Mund gelegt und die mit einer spektakulären Metallproduktion verbundenen Münzstätten brachten vielerlei Gerüche und Geräusche hervor.

Kunsthistoriker/innen, Archäolog/innen, und Numismatiker/innen haben die Bedeutung von Münzen für Datierungsfragen schon seit langem erkannt und ihre Erscheinung sorgsam auf ikonografische und epigrafische Aspekte hin erforscht. Den jüngeren Forschungstendenzen der Numismatiker/innen folgend möchte diese Sektion jedoch mit Blick auf die materiellen und damit auch sinnlichen Qualitäten von Münzen folgende Frage diskutieren: Auf welche Weise haben die Eigenschaften der Objekte die wirtschaftlichen und sozialen Funktionen des Geldes verstärkt oder geschwächt? Wie wurden diese Funktionen durch konkrete körperliche Begegnungen mit Münzen aktiviert oder verändert? Wir sehen grundsätzlich die interdisziplinären Forschungsinteressen an mittelalterlichen Münzen im Vordergrund stehen und laden zu Vorschlägen ein, die sich mit den sinnlichen Eigenschaften und performativen Modi des Münzgelds beschäftigen. Mögliche Themen sind unter anderem:

  • Materialeigenschaften der Münzen (Farbe, Leitfähigkeit, Gewicht, usw.)
  • Reisen, Biografien und Transformationen bestimmter Münzen
  • Abstraktion, Entfremdung und Materialisierung der Arbeit
  • Beziehungen zwischen dem Wert und den sensorischen ‚Token‘
  • Rituelle und performative Verwendungen von Münzen (z. B. die wundertätigen Könige, im Begräbnisritual oder als Opfergaben)
  • Technische und konzeptuelle Veränderungen von Münzen durch Prozesse wie Biegen, Schneiden, Falten und Schmelzen
  • Metaphorische Verwendung von Münzen in fiktionalen Texten, Predigten und Vitae
  • Münzen als Orte des künstlerischen Experimentierens
  • Religiöse und soziale Grenzen, die dem Umgang mit Geld gesetzt werden.

 

 

Sektion 20 (Diese Sektion findet innerhalb des Rahmenprogramms statt):

Eigentlich kann es nur so gewesen sein – Datierung und Rekonstruktion in der karolinger- und ottonenzeitlichen Architektur und deren Ausstattung

Sektionsleitung: Guido Faccani (Basel)

 

Die Feststellung, die Themen Datierung und Rekonstruktion spielten im Prozess der Bearbeitung von Befunden der Archäologie, Bauforschung, Kunstgeschichte und anderer historischer Forschungsdisziplinen gerade für das Frühmittelalter eine eminente Rolle, heißt ‚Wasser in den Main‘ tragen. Sie sind die Grundlagen für Kontextualisierung und funktionales Verständnis, für vergleichende Analysen und schlimmstenfalls Ausgangspunkte von Zirkelschlüssen. Es versteht sich in der kritischen Forschung seit je von selbst, dass zeitliche Ansätze und Ergänzungsvorschläge der einzelnen Disziplinen für sich erarbeitet und erst anschließend zu Auswertung und weitergehender Interpretation kombiniert werden dürfen. Doch ist das tatsächlich auch immer der Fall? Stehen die Disziplinen in ausreichend direktem Austausch? Sind die wechselseitige Wahrnehmung und das gegenseitige Verständnis der Disziplinen wirklich vorhanden?

Die Region um Frankfurt bietet eine Dichte an frühmittelalterlichen Bauwerken, an denen die genannten Forschungsanliegen thematisiert werden können. Bereits erforschte Objekte werden neu betrachtet, so z. B. St. Justinus in Höchst oder die Pfalz von Frankfurt. Langzeitprojekte wie die Forschungen zur Pfalz von Ingelheim sind immer wieder in Berichten der Grabungsequipe greifbar, die Bauplastik ist monographisch behandelt. In der laufenden Grabung in der Johanniskirche von Mainz werden ältere Ergebnisse durch neue Forschung ergänzt, berichtigt und die Stadtgeschichte um wesentliche Punkte bereichert, doch bestehen hier gravierende Lücken im architektonischen Bestand.

Bei den stellvertretend genannten Arbeiten besteht, wie sonst auch, der Anspruch, dass die vorgeschlagenen Rekonstruktionen nachvollzogen und Datierungen auf gesicherte Grundlagen zurückverfolgt werden können. Ist dem so? Wie weit darf ein Vorbericht bei der Auslegung von noch nicht aufgearbeiteten Befunden gehen? Wie wird es sinnvoll, überregionale technische und materielle Merkmale sich einander gewinnbringend gegenüberzustellen – oder geht das gar nicht? Sind Abläufe von Liturgie oder höfischem Zeremoniell im Archäologischen abzulesen? Was sagen uns Schriftquellen über Bauherren, deren Kunst-, Form- und Funktionswollen? Sind lineare Entwicklungen zu belegen, wo lassen sich Brüche feststellen?

Den Fragen soll anhand von Fallbeispielen aus karolingischer und ottonischer Zeit nachgegangen werden. Sakrale und profane Architektur, Bauplastik, Stuck und Baukeramik sollen dabei die Diskussionsgrundlagen liefern. Lücken sind dabei zu detektieren und zu benennen, Grenzen der Beweisführung zu ziehen. Der Rolle der (nicht mehr so) neuen Medien mit ihren virtuellen Räumen und Animationen sowie der naturwissenschaftlichen Nachbardisziplinen (AMS / C14 etc.) ist dabei ebenfalls nach Möglichkeit Raum zu geben.

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ENGLISH VERSION

 

Call for Papers

 

6th Forum Kunst des Mittelalters

 

„Sinne / Senses“

 

Deadline: 15th October 2020

 

Frankfurt am Main, 29th September to 2nd October 2021

(Please note that due to the COVID-19 pandemic it is not decided yet whether the Forum can take place ‘live’, partially virtually, entirely virtually, or whether it will be postponed.)

 

Organisation: Deutscher Verein für Kunstwissenschaft e.V. with the Institute for Art History, Goethe University Frankfurt am Main (Kristin Böse / Joanna Olchawa)


On the conference topic "Senses": The arts and the senses have always been reciprocally related to one another. In the Middle Ages, sensual encounters with art and architecture offered a variety of ways to perceive, comprehend and structure the world. Pledging to relics enclosed in precious reliquaries, incorporating color from Byzantine icons, distinguishing the holy space by swinging polished golden censers, wearing inwardly decorated jewelry on the body or ringing the church bells to make audible the presence of God – such actions leave no doubts about the significance of the senses in the Middle Ages, and furthermore bring to light the role of art within such operations.

For the 6th Forum Kunst des Mittelalters we would like to invite discussions on the role of sensual perception and the interplay of senses in medieval image and object cultures as well as in architecture, including topics from interreligious and cross-cultural perspectives. The Call for Sessions, which has closed, yielded a large number of proposals concerning the individual senses, as well as proposals which privilege a multisensory and synesthetic approach to art and architecture.

 

We now invite applicants to submit paper proposals (preferably in German or English) to these individual sessions. Presentations usually last 20–30 minutes. Please apply with an abstract (max. one page) to one of the sessions at mail@mittelalterkongress.de by 15th October 2020. The results of the selection and the programme will be published in the first quarter of 2021 at www.dvfk-berlin.de and though other relevant online channels.

 

 

Sessions:

 

Session 1:

The Range and Reciprocity of Touch in the Byzantine World

Session organisers: Anthony Cutler (University Park) / Glenn Peers (Syracuse)

(Sponsored session: Mary Jaharis Center for Byzantine Art and Culture, Brookline)

 

Unexamined, touch may strike one as a single directional sensation when human meets object. It makes only the human, who receives the sensation and explains it. Naturally, objects cannot feel or embody tactility in themselves. As Aristotle taught us so long ago, every animated body is tactile, and touch is the evidence of soul. Touch makes the human subject, in ways articulated by Jean-Louis Chrétien, “…far from making the living organism into a mere spectator, [touch] pledges it to the world through and through, exposes it to the world and protects it from it” (The Call and the Response, 85-6).

Moreover, museums, where many of our Byzantine objects reside, keep us exiled from the regime of touch that was deeply embedded in perception and consciousness of all these participants in that historical culture. In these settings, “the contagious magic of touch is replaced by the sympathetic magic of visual representation” (Susan Stewart in Material Memories, 30) and discrete entities circulate in those museum settings, formed and inoculated by vision.

Touch activates and forms feeling subjects on both sides. For example, when tokens of St. Symeon Stylite the Elder were formed from soil that had been in contact with his column and person, the chain of touch linked saint, soil, imprint and distant devotee, each activated by their mutualizing touch across those entities. Makers knew (and know) this mutualizing of touch, too, in the ways working with materials is always a responsive, reciprocal making. The woodworker and basket-maker are each touched by their materials, and each entity is made by and in touch, “through and through.”

Such objects also make meaning for humans through reciprocal touch that expands and extends meanings from other senses. For example, in the eleventh century, Michael Psellus writes that touch bridges worlds and merges matter, as paint and flesh are touched as one, “For the image in no way differs from its model, so it seems to me at any rate. Hence, I have often touched the paint, as I would the body.” Touch ranges and makes relation across matter. Objects, such as ivories and paintings, and buildings and their furnishings, invited touch and made their subjects in the reciprocity of their touch. This is the haptic of the more-than-human totality of touch that this session explores.

This session welcomes proposals that privilege the sense of touch in art-historical analyses of Byzantine objects and that attempt to free it from the limited life such analyses conventionally impose. For touch extends through the human and beyond, to encompass all entities in the world, including that special class of historical objects now consigned to museum lives.

 

 

Session 2:

The City, the Senses, and the Arts – The Cleveland Table Fountain and

Multisensory Experience in the 13th and 14th Centuries

Session organisers: Phillipe Cordez (Paris) / Gerhard Lutz (Cleveland)

(Sponsored session: Deutsches Forum für Kunstgeschichte Paris)

 

With ca. 200.000 inhabitants, Paris around the year 1300 was the most populous city of the Western world. It was home to an important episcopal see, an increasingly centralized and professional royal administration, a large university community, and a vibrant artistic and commercial life. This unique constellation of institutions, communities, and activities was distributed within a circumscribed space on the Île de la Cité and on either side of the Seine, allowing for everyday interactions among them. Actors and visitors—be they on the streets or the river, in the workshops and markets, the churches, or the royal palace—were thus presented with a rich sensorial landscape.

Parallel to this, Paris was also a hotspot for reflections on and discussions of the senses. Most famous are the theoretical debates surrounding the 1277 condemnation of Aristotelian theses, but it was also in Paris that Peter of Limoges wrote his "Moral Treatise on the Eye", that Étienne Boileau regulated trade and crafts in his "Book of Trades", and that Jean de Jandun praised in elaborate Latin the overwhelming feelings aroused by the city. It can be assumed that such experiences and discussions in medieval Paris opened the path for major evolutions in the cultural history of sensory systems and their related social value.

Our point of departure for this session is the hydraulic and musical fountain in the Cleveland Museum of Art. This device of gilt and enameled silver, made in Paris ca. 1320-1340, is a challenging unicum with no recorded history before the 20th century. One possible interpretation is that it was a multisensorial evocation of the Parisian royal palace, with its crenelated walls and towers, in the form of a divine Fountain of Youth rejuvenating the French Kingdom. Seeking to deepen understandings of this major work and its broader cultural context by staging a variety of comparisons and confrontations, we welcome contributions on the social diffusion of Aristotelianism and its reception in all arts, urban experiences and arts and their reflection in intellectual culture, urbanism and cityscapes, the art of commodities, goldsmith’s art, court and royal art, multi- and intersensorial art, and all related subjects from Paris and beyond.

 

 

Session 3:

Textiles and Trompe-l’œil

Session organiser: Evelin Wetter (Riggisberg)

(Sponsored session: Abegg-Stiftung, Riggisberg)

 

As a late medieval phenomenon, textiles – woven fabrics, tapestry, and especially embroidery – relate to other media in numerous ways. Embroidered or woven altarpieces and devotional images, for instance, create their own distinct technical effects of material illusionism that were similar to those of paintings but even more extraordinary. At the same time, painters of the 15th century eagerly competed to make the most faithful depictions of precious textiles. The page-design of late medieval books of hours must have aimed for the stimulation of all senses when illuminators illustrated jewels, pomanders etc. on gold-figured silks, which invited the beholder to visually touch and smell all of these items. The intention to evoke a multi-sensual experience through optical illusion is obvious. Next to the sheer display of splendour, artists sought to bring their subjects to life: protagonists on large-scale wall hangings seem to step down directly from the depicted story into the contemporary world of the observer. Similarly, a gold-embroidered raised crucifix on the chasuble of the priest celebrating at the altar appears in front of a sculptured altarpiece with golden depictions of the passion of Christ. Both media belong to the same sphere of perception. Except on the pragmatic level of production, the differences between these artistic genres seems to be unimportant.

Beginning with the ‘Grapes of Zeuxis’, art history often prioritized the painted image when studying the art of trompe-l’œil. Within the textile arts, however, this topic has gained far less attention, even though historical discussions on the potentials of trompe- l'œil can be traced back as far as to the story of the poor Arachne in Ovid's Metamorphoses. This might be a new starting point.

This call for papers asks for contributions focusing on the aims of trompe-l’œil effects. Starting with descriptions of the phenomenon in various textile techniques, as well as with the representation of textiles in other pictorial arts, this discussion should reveal specific motivations for creating optical illusions. Do such effects aim solely for technical mastery, or do they rather seek to confound the surprised eye? What was the functional context of such effects in the culture of noble representation in a secular space, or in the interior of a church? Do these effects mainly serve to visualize luxury, or do they lead to specific perceptions, or even evoke an inner view?

 

 

Session 4:

Scent and Sense: Olfaction and Memory in Medieval Material Culture

Session organiser: Elina Gertsman (Cleveland)

(Sponsored session: International Center of Medieval Art [ICMA], New York)

 

Although we are used to thinking that the sense of sight reigned supreme in the Middle Ages, medieval scholars of all stripes were quite obsessively preoccupied with questions of olfaction. Ephemeral and fleeting but emotionally, spiritually, and physiologically impactful, the sense of smell was tightly tethered to the humoral, anatomical, and cognitive theories. Memories, in particular, could be affected by smells: a fetid odor, it was gleaned from Avicenna, induced such illness that could make one forget the names of his own children, while sweet-smelling perfumes could strengthen memory and increase devotion.

This session will explore the multivalent relationships between objects, smells, and memory, especially as they existed in the later Middle Ages. We seek to explore two distinct aspects of this relationship. On the one hand, we welcome papers that focus on visual representations of smell, as found in a broad range of manuscripts and printed texts, from medical treatises to romance literature, from tracts on philosophy to encyclopedias. On the other hand, we hope to see contributions that focus on objects whose function is predicated on the sense of smell: among them censers and thuribles used during Christian liturgical services; Jewish Havdalah spice containers, or besamim, used in a ceremony that concluded the Sabbath; incense burners used at receptions, events, and in places of worship throughout Islamic world. Papers may focus on specific case studies or else broadly thematize the intertwinement of smell, memory, and image within the vast sensory landscape of the Middle Ages.

 

 

Session 5:

Culturally Defined Space as a Place of the Performative -

Are There Specifics of "East-Central Europe"?

Session organisers: Jiří Fajt (Leipzig / Prague) / Markus Hörsch (Leipzig)

(Sponsored session: Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa [GWZO], Leipzig)

 

The ‘Forum Kunst des Mittelalters’ emphasizes the importance of all senses for medieval art, not just seeing. This refers above all, and justifiably, to ritual and performative aspects, for which buildings and their furnishings often "only" formed the framework. A church without liturgy, a palace without courtly ceremonies, are ultimately only representative rudiments, testimonies of past action. In this space olfactory (especially incense and spices), acoustic (singing and music, sermon and speech, etc.) as well as optical aspects (changing equipment and fixed wall decorations, retables, and tomb monuments) played their respective roles. This interaction of architecture, the activities before and within it, and the creation and integration of movable equipment in its conceivable breadth should be the topic of our session. For the Middle Ages, the secular and the sacred spheres can hardly be separated.

Subjects can be chosen from the entire research area of East Central Europe (Baltic States, Poland, Belarus, Ukraine, Czech Republic, Austria and eastern parts of the historical Holy Roman Empire, Slovakia, Hungary, Romania, Bulgaria, Slovenia, Croatia, etc.) and from the entire period of the Middle Ages. It would be of special interest to draw attention to specific local or regional traditions that can be described in comparison with other regions of Europe.

The following aspects are may be understood as suggestions, especially their combination:

  • Reconstruction of processes based on documents such as chronicles, libri ordinarii, consuetudines or inventories
  • Reconstruction of processes based on traces of use in profane and / or sacred buildings, or on the basis of archaeological finds
  • Visual documentation of performative acts, e.g. in contemporary works of art, especially in the late Middle Ages
  • The role of equipment in the context of performative acts (for example, knowledge of the concrete use of altar retables in the context of the liturgy is still a desideratum)
  • Evaluation of performative acts of a sacred and / or profane nature by visitors, chroniclers, etc. and the resulting statements on the question of representative necessities, cultural norms, appropriateness, and much more
  • Differences and mutual influences between neighbouring cultural areas, e.g. the closeness of Catholic and Orthodox churches with regard to liturgy and equipment
  • Specifics, social roles, and evaluations of the ritual traditions of Judaism and Islam in East Central Europe
  • Proclamation of the word: the nature, role, and place of the sermon in monasteries, cathedrals, and parish churches, not least with regard to church reform efforts
  • Types and roles of (church) music
  • Processions and other activities in the "open air", enclosure and marking of action areas, e.g. by wayside shrines or heraldic settings
  • Exequia and funeral rituals inside and outside the church

 

 

Session 6 (this session will not be publicly announced):

Medieval Sacred and Stately Profane Spaces as Places of Multi-Sensory and Physical-Sensual Borderline Experiences

Session organisers: Michael Grünbart (Münster) / Franz Körndle (Augsburg) / Matthias Müller (Mainz) / Klaus Oschema (Bochum)

(Sponsored session: Mediävistenverband e.V., Münster)

 

 

Session 7:

Experientia and ars.

Sensual Perception, Reflexion and Imagination in the Art of the British Isles

Session organisers: Ute Engel (Halle) / Andrea Worm (Tübingen)

 

In recent years, there has been a remarkable increase in scholarly interest in the complex interrelations between medieval theories of sensory perception and artistic imagination. In this session we would like to focus on these developments in England during the High and Late Middle Ages.

In the 13th and 14th centuries, scholars such as Robert Grosseteste, Bartholomaeus Anglicus, Roger Bacon, and William of Ockham, influenced by Aristotle's writings, explored new intellectual concepts of a perception of the world based on 'experientia', and of the cohesion of the cosmos. The University of Oxford emerged as the centre of this 'scientia experimentalis', but scholars analysed and classified the mode of operation of the various senses not only there, but also in the cathedral schools. They paid particular attention to the effects of light and the composition of colours: striking examples are the studies on natural phenomena such as the rainbow. Notably, these seminal developments on visual perception, i.e. optics, were closely related to mysticism and concepts of inner vision, which demonstrates that the physical and metaphysical were still understood as related modes of perception.

In this session we would like to address questions on the interdependencies between these new theories and their possible manifestations in images, artefacts, and architecture. In which ways can these theoretical concepts of sensual perception be traced in, for example, illustrations of corresponding treatises? How are these concepts reflected in works such as the Hereford world map, which implicitly or explicitly deal with the nature of vision between 'visio' and 'speculatio'? To what extent does the observation and visual rendering of nature in English art, noticeable from the 11th century and revived in the 13th, tie in with changing ideas in philosophy and in the ways in which the world was conceived? Is the innovative power of English architectural and visual arts from the second half of the 13th century encompassed by the idea of 'Gothic Wonder' (Paul Binski) – or does Robert Grosseteste’s new geometry of light also play a part, as John Shannon Hendrix has recently argued for the architecture of Lincoln Cathedral?

We would like to encourage discussion, and invite papers on different aspects of the various interrelations between medieval theories of sensory perception, artistic imagination, and the arts. Our focus is on developments in the British Isles, but we would also welcome contributions that explore its impact on continental Europe.

 

 

Session 8:

Deceived Senses. Simulacra and Synesthesia in the Perception of Medieval Art

Session organisers: Gregory Bryda (New York) / Joris Corin Heyder (Bielefeld)

 

Medieval art offers many instances in which the deception of senses forms a crucial part of the artifact or its reception process. In our session, we are interested in all phenomena which can be connected to the closely entangled terms of simulacrum and synesthesia. The simulacrum, which has been understood as a “false claimant to being” since Plato (Camille 2003, 36), was increasingly rehabilitated in the 13th century under the influence of Aristotelian ‘materialism’. Simulacra are referential, and, in most cases, those referential ties operate on the assumption of deceived senses. Whether the manipulation of senses in copies of the Holy Sepulchure, the olfactory evidence for true or fake but optically naturalistic amber, the deceptive lifelikeness of sculptures, or the countless other examples of visual simulacra in medieval art—both the material, spatial, or temporal qualities of the art work and the interplay of our sensual experiences appear to always be affected.

At such an interplay, our senses collaborate to identify a picture of something seen, heard, tasted, felt, or smelled. Even if we think of specific practices normally associated with particular senses, the apprehension process has to be understood as a holistic performance of them all. This synesthesia or simultaneous perception of multiple stimuli, can, however, be deceived or enticed. Our primary concern is therefore dedicated to simulacra whose as-if-character and ineluctable imitational potential are motivated by challenges and obstacles to or consequences of the overlapping of sensual experiences. We are thus interested in how synesthetic experiences, in their varied combinations of sensory stimuli, have even inspired the production of simulacra. A first hypothesis is that simulacra that exploit synesthetic dynamics may help us better understand the nature of representation and mimesis in medieval art, more broadly. Papers in English and German may discuss but are not limited to the relationship between simulacra and synesthesia as substitutional, playful, metaphorical, re-mediated, trompe l’œil-like, or skeuomorphic phenomena in medieval artifacts and architecture.

 

 

Session 9:

Ephemeral for the Senses – Dimensions of Meaning of Medieval Art in the

Context of Ephemeral Actions and Stagings

Session organisers: Julia von Ditfurth (Kiel) / Hanna Christine Jacobs (Bonn)

 

The perception of the senses becomes particularly apparent once we realize its temporality. Ephemera enhance one's focus on the moment itself. In the Middle Ages, architecture and artworks were embedded in temporally limited singular or repeated actions, which were especially highlighted in textiles, superstructures, or elusive elements such as light, sound, smell, smoke, or movement. This took place within ecclesiastic as well as courtly or municipal ceremonies. The feel or movement of certain objects could constitute an essential part of ceremonial actions, thereby making the action effectual and thus legally binding and/or potent. In consultation with surviving objects and written sources, the aim of this session is to consider the possible ways in which ephemeral actions or certain stagings could change the perception of medieval works of art. Possible questions could be:

  • What influence did the ephemeral have on the sensory perception of objects, actions, and settings, as perceived by the observer in the Middle Ages?
  • Did the multisensory combination of several ephemeral elements lead to increased sensorial perception or an overlapping of sensations?
  • Are the issues of ambivalence or hierarchy in human sensation being addressed?
  • Do the transitions from this life to the afterlife, from one sphere to another, or the rise from one rank to another play any particular role?
  • (How) Is the ephemeral visualized beyond the event itself? Are there self-implicating or commemorated references?
  • Can the objects themselves reflect ephemeral actions? (keyword: affordance)
  • To what extent do artefacts in ephemeral actions and stagings possess a potential to be animated or embodied? (keyword: agency)

We welcome single case studies, general surveys of object groups or events, as well as methodological reflections. Papers could, for instance, reflect on phenomena of natural or artificial light that can only be perceived once, or only on certain days of the year. Another topic could examine the use of textiles to disguise interior architectural compartments or certain works of art. The movement of people and mobile objects, or the immersion of a room or object by means of sound and smoke could also be considered. Papers on methodology could examine the challenges that arise from the study of ephemeral experiences, which can be complicated or (almost) impossible to grasp. In addition to art historical research, submissions of historical, liturgical, or musicological research are more than welcome.

 

 

Session 10:

Mysticism and Image Generation

Session organiser: Gia Toussaint (Wolfenbüttel)

 

Nowhere is it more evident than in mysticism that inner images can arise through hearing. The auditive perception of reading, prayer, and liturgical singing, for example, can trigger a whole cosmos of inner sensory experiences in a mystically gifted person. The same applies to the visual perception of images and pictorial works, which, as research has already shown, serve as stimulants to an inner vision. The descriptions of the complex inner sensory experiences triggered in this way are most tangible in texts. Less common are pictorial testimonies resulting from these experiences. The writings of Henry Suso, for example, contain explanations of multisensory inner processes that often describe closely interwoven visual, auditory, haptic, gustatory and olfactory experiences. These messages are conveyed to the later recipient much more often in the medium of text than in the medium of images. In general, the mystical tradition of images seems to be characterized by extraordinarily individual representations that largely elude common iconography.

The question must be raised as to whether or not, and to what extent, these images can succeed in depicting a complex inner process of perception. Can a multi-sensorially generated inner world of images evoke external representations that make these inner perceptions visible? Is a pictorial representation not always associated with a reduction of all non-visual senses? Are images created from mystical experience therefore dependent on explanatory texts? Or is it just the other way around: are external images that originate from mystical experience understandable independent of the text? Can they even open up new possibilities of multisensory mystical experience? The session will be devoted to this interplay, which has only been explored initially in previous research.

 

 

Double Session 11: Pain – Representation and Experience

 

Session 11a:

Conceptions of Representing Pain in Image and Text

Session organiser: Iris Grötecke (Frechen)

 

Being in pain renders the entire human body an organ of sensual perception, which can feel pain in localized areas, but also throughout the whole. Injuring the body, experiencing pain, and expressing pain are basic anthropological manifestations whose understanding changes with the cultural context.

In the Middle Ages pain was ever-present: The Passion of Christ and the martyrdoms of many saints interpreted the infliction of pain as a sanctification of the victims, with rituals of repentance that followed this idea. Pain could be understood as proof of faith (e.g. Job) or as punishment (torments of hell). Secular criminal courts used the wounding of the body as means to find out truth, to punish, to mark one with signs of shame, or to humiliate. Knightly fights and war caused pain, and apart from this, hunger, disease, as well as medical interventions were connected with pain.

Session 11a asks: what function did corresponding representations of pain have in these instances? The display of intense physical pain and the concealment of pain, which in this case could only be deduced from relevant narration or from signs of an earlier torture, represent different concepts of pain. In the same way, suffering without any emotional utterance, or the absence of pain in situations where one expected it (e.g. the birth of Christ in the visions of St. Brigida), creates very different interpretations of the same sensual experience. Papers which treat the strategies of display, of hiding, sublimation, or of denial of pain in various medieval themes are welcome, as well as those which present new criteria for the analysis of representations of pain. The centre of attention of this session is the cognitive interpretation of physical pain.

 

 

Session 11b:

Pain – From the Senses to Body Memory

Session organisers: Daniela Mondini (Mendrisio) / Vladimir Ivanovici (Brno)

 

Session 11b invites papers that consider the use of pain from an embodied perspective. Visual and aural narratives of human suffering were applied to elicit a visceral response which resulted in the audience’s physical identification with their subject. The artefact / performance, the physical senses, affect, and the body thus are brought together in a chain reaction that instills power in the artefact/performance and establishes an intimate relation between the suffering subject and the audience. Rather than introducing instances in which human suffering was depicted, described, or performed, papers should focus on their mise-en-scène. From late antique martyr homilies detailing every wound, to audiences physically exhausted by travel and vigils, to manuscripts decorated with images of suffering that were read as part of specific private or public rituals, to witnessing self-flagellation on the streets of medieval Spanish cities as the emotional apex of Lent on Holy Thursday, assuring that pain did not only catch ones eye, but that it left a long-lasting impression on onlookers required careful orchestration of the experience. Papers that consider the secular aspects of this phenomenon by discussing how images of physical suffering and punishment were used to deter criminality—thus attesting to the use of the same visual strategy to repel rather than to attract—are equally welcome.

 

 

Session 12:

The Sense of Water: Perception and Representation of Water in Medieval Art

Session organisers: David Ganz / Sophie Schweinfurth (Zürich)

 

Across all cultures, water plays a vital part for the wellbeing and prosperity of societies. In times of climate change and record high temperatures, the worth of water has returned to the centre of attention. Yet, in the Middle Ages water was also recognized as precious resource of outstanding importance.

As one of the four elements, water addressed the human senses in a comprehensive and multifaceted manner: the sense of sight by color and reflection, the sense of hearing by the ability to produce different types of noise, the sense of taste by drinking, and finally the sense of touch by immersion of the human body or swimming. This panel wants to examine how sensual experience triggered by water is reflected within medieval art.

In medieval cultures, the perception of water was intimately linked to a wide range of symbolic values. For example, the life-giving character of water gave shape to the imagination of Paradise as garden-like place, irrigated by fountains and rivers, an idea which was present in all three Abrahamic religions. Water could also be used as a medium for performing rituals of purification and initiation. Numerous medieval legends refer to the healing quality of holy water. With regard to sovereign representation, the display of the wealth of water through fountains, wells, and water gardens could be used as a powerful tool to demonstrate absolute rule and to mark social differences. Yet water could also cause death by flooding and drowning, as the Old Testament story of the deluge exemplifies.

This panel wants to elaborate on how these different relations of meaning were incorporated into medieval artistic representations of water. Following a recent line of research within medieval art history, we aim to contribute to the exploration of materiality in a specific way, by bringing the medieval perception of materiality – in this case water – into the focus of discussion. This call for papers explicitly invites researchers of all fields of medieval art history (Western, Islamic, Jewish, Byzantine etc) to unfold the variety of artistic representations and displays of water in medieval culture.

 

 

Double Session 13:

Sensuality in the 3D Reconstruction of Medieval City Topographies, Objects and Spaces

Session organisers: Andrea von Hülsen-Esch (Düsseldorf) / Tanja Michalsky (Rome) / Julia Trinkert (Düsseldorf) / Gerhard Weilandt (Greifswald)

 

3D digitisation projects in historical urban space research (e.g. Naples Digital Archive / MPI for Art History, Rome or the joint project TOPORAZ and TRANSRAZ at the University of Greifswald, University of Cologne, TU Darmstadt, FIZ Karlsruhe) and monument preservation (e.g. the virtual reconstruction project The Cologne Council District around 1600; TU Darmstadt and HHU Düsseldorf) as well as in object-based research (e.g. the project Cenobium, MPI for Art History, Florence) show that the digital representation of urban topographies, objects, and spaces is being established as a serious, novel tool for scientific research. The materiality of objects and carriers of architecture and art, spatial effects, as well as contextual references are being visualized. Complex topographical and interior topographical structures can thus be captured more acccurately and more precisely than was possible with conventional means. Furthermore, virtual models also offer the opportunity to integrate databases that bring together comprehensive sources of information.

The big challenge here is to keep in mind that this creates virtual spaces and realities that did not exist in this way, since all reconstructions reflect the assumptions and the state of knowledge of a snapshot of the current state of research. Moreover, an almost perfect technical implementation leads to the assumption that the instrument of digital reconstruction is a method for verifying the correctness or 'truth' of research results - comparable to the measurements and diagrams in the so-called exact sciences.

Nevertheless, digital reconstructions are not only fundamental for the further development of conservation and restoration of objects and architecture, or essential as an additional ubiquitously available illustrative material in research. Going beyond the aspect of visual mediation to a wider audience, the potential of digital reconstructions and animations can also be used to explore synaesthetic relations at specific times: for example, the visual and acoustic effects of objects in varying time and space conditions could be simulated in order to explore the interplay between objects and viewers, and to make the viewer's sensual perception describable to a certain extent.

In this session, innovative approaches to complex space and object research will be presented as part of a research infrastructure that is to be newly established. Contributions within this session can, for example, address the following questions: to what extent is an approach to synaesthetic perception in the Middle Ages only possible through digital reconstructions? In which way do levels of interpretation of spaces and objects shift by taking into account their sensual (contemporary and historical) perception? What influence do rites and actions have on the (sensual) appearance of rooms and objects? To what extent does the cross-disciplinary cooperation of researchers pose challenges, for example with regard to field-specific terminologies and thesauri? How can the necessary cooperation between computer scientists and humanities scholars be shaped appropriately? What are the standards, and where are the deficits that should definitely be compensated for? We are looking for contributions that use 3D reconstructions as a medium for scientific, especially transdisciplinary, research. We need robust standards as guidelines for future-oriented research. This session would like to make a contribution to this.

 

 

Double Session 14: Sound and Listening

 

Session 14a:

Sound and Sacred Spaces, 12th – 15th Centuries

Session organisers: Antje Fehrmann (Hamburg) / Christian Freigang (Berlin)

 

For some years now, sound studies has been an innovative field of interdisciplinary research into synaesthetically induced meaning, especially in the fields of liturgy and ritual. Singing, music, and the sounds of bells present a strong contrast to the disparate and noisy aural landscape of the medieval city. They create and structure temporally transitional acoustic spaces that hierarchize both the inside and outside of sacred topographies. Sound emissions are framed, directed, and amplified in different ways by architectural arrangements, and are often supplemented and elucidated by other media. Barriers, sound openings, belfry designs or iconographic programs are just some of the architectural and visual effects which only attain significant layers of meaning through a multi-sensory charge of space, image, and sound. This function relates to, for example, the spatial disposition of choirs and galleries, the function of vaults, the iconography of steeples, and much more.

Contributions at the intersections between the disciplines of architectural history, music, and liturgical sciences are welcomed which aim to explore the acoustic performance of sacred spaces. The term 'sacred buildings' is to be understood in a broad sense, and includes non-Catholic churches, synagogues, and mosques. Explorations of questions on the perception and discursiveness of sounds and music in relation to sacred spaces and architectures are also welcomed.

 

 

Session 14b:

Listening in Sacred Space

Session organisers: Rebecca Müller (Heidelberg) / Joanna Olchawa (Frankfurt am Main)

 

Eagle lecterns that emit a screech, sculptures of figures that appear to be listening from pillars, organs with ‘pretzel men’ that sing mocking songs and crack rough jokes – in its multi-sensory conception and perception the art of the Middle Ages combines visual and acoustic dimensions. Enclosed sacred spaces, sophisticated automata, elaborately designed sculptures, and complex instruments as well as interior elements were created with the intention of producing sound for the structuring and hierarchization of rituals, ceremonies, and festivities. Furthermore, they often prioritized hearing itself over seeing as an invitation addressed to those who were present, in order to emphasize the acoustic experience of sermons, songs, and spoken words. This is not trivial. Hearing could make a more corporeal experience of the liturgy possible, offer mnemonic aids for further memory training, and provide guidance. In this way ‘resonance’ should also be generated in a figurative sense.

Against the background of current sound studies, the lively debates on soundscapes and the long proclaimed ‘auditory turn’, as well as the concepts of aurality, auditory knowledge and, of course, audiovisuality, this session is dedicated to this phenomenon and its relationships to works of art. Given the ephemeral nature of sound, as well as its cultural specificity, 'objective listening' will always evade historical reconstruction. It is thus important to analyze and discuss its cultural relevance, especially on the basis of preserved objects and sculptures. We also welcome contributions that deal with non-European spaces, or that are dedicated to the digital reconstruction of auditory spaces, as well as proposals that reflect on the contribution of art historical medieval studies to the broader field of sound studies.

 

 

Session 15:

Aesthetics of Touch. Haptic Practices and Their Artistic Reflection in the Late Middle Ages

Session organisers: Melis Avkiran / Ulrich Rehm (Bochum)

 

To what extent are the practices of late medieval religiosity shaped by haptic experience? What statements about the kinesthetic experiential offerings can be made about the corresponding artifacts, their materials, and forms of design? And how were these reflected artistically? Under these questions the session invites submissions on the aesthetics of touch.

The sensory attraction of late medieval devotional objects is highlighted by recent case studies on the interactive mediation of objects of material culture such as the so-called "Multi-Sensory Prayer Nuts," which demonstrate the interdisciplinary interest in the mediation of knowledge via the senses. In such a case study, the multi-sensory act of praying the rosary combines haptic experience with auditory recitation, and it can also offer attractive visual and olfactory aspects. If we think of representations of the rosary in paintings, the temporal sequence of haptic practice is suspended and the three-dimensional experience of touch is withdrawn. However, it is precisely in this context that paintings can emphasize their ability to evoke three-dimensionality and haptic perceptibility, and possibly also an action's associated temporality. The assumption of ancient authors that all senses are modifications of the sense of touch is reflected in Aristotle's theory of rays of sight. The idea that the eye 'grasps' its object of perception by means of an emitted visual ray can be directly linked to artistic attempts to translate the material nature of the world into an image. To what extent is a faithfulness to nature in detail, for example as is seen in a Jan van Eyck, less a product of visual mimesis, but rather the equivalent of a haptic exploration of the world?

 

 

Session 16:

Objects Within Rituals of Touch. Provocation, Negation and Substitutes of Tactile Experience of Salvation

Session organiser: Jochen Hermann Vennebusch (Hamburg)

 

Ancient pre-Christian as well as biblical texts reveal a tradition of ritualized encounters between people and objects that center on touch, through which especially sacred rites like ordination and veneration could be articulated. Therefore, rituals of touch became a constitutive element of Christian liturgy. This session asks whether and how objects and liturgical utensils, which were involved in these rituals of touch during the Middle Ages, were adapted in different ways and for different interpretations of touch. Furthermore, the session seeks to investigate how these objects as well as their contexts provoke, negate, regulate, ward, depict, or interpret a tactile encounter.

In the case of numerous sacral and liturgically used objects, the fact that they would be touched within ritual performances was taken for granted during their conception and shaping. While sometimes practical reasons were taken into consideration, the faithful's need for physical closeness and salvation had an outsized impact on an object's formation and use. Thus, potential contact points were highlighted in order to provoke haptic veneration or corporeal participation in the sacred. In this context, the materiality of reliquaries, images, and statues, as well as their “framing” played an important role, either by potentially inviting believers to a sensual experience of salvation or, on the contrary, by fending them off.

In cases when the direct access of the faithful to objects or to holy places was limited or even prohibited, alternative practices and substitutes often emerged, staging a certain closeness and granting a kind of tactile gaze without providing any direct contact to the image or the relic. Therefore, this session also wants to explore the different ways of compensating for factual touch of the sacred and the particular objects and substitutes being used for a haptic experience of salvation, if the immediate encounter with the sacred was restricted.

 

 

Session 17:

Sensing the Devine: Relics, Remains and Traces in Medieval Islam

Session organiser: Sara Kuehn (Aix-en-Provence / Tübingen)

 

Since the time of the Prophet Muhammad, the sensory experience of physical relics and artifacts of the Prophet and his followers has been cultivated in Islamic culture. In addition to the various ‘traces’ (athar) left by Muhammad, such as hairs, fingernails, teeth, clothing, sandals, utensils, accoutrements, weapons, and especially footprints, the veneration of saintly remains, which were often enshrined, were considered an integral part of medieval Islamic worship and popular piety.

Deriving their meaning from sensory engagement involving diverse practices of consumption (ingestion, touching, viewing, smelling), such relics and artifacts invoked bodily as well as spiritual, and individual as well as communal, sensory experiences. Highlighting the effects and consequences of these religious sensations, this panel aims to bring together papers that explore the sensory role of prophetic and saintly relics in medieval Islam. Addressing the role of relics in the various ways in which the senses were instrumentalized in the performance of Islamic piety, miraculous healing, socio-political events, and the creation of new centers of sacrality (thereby serving to extend and establish the territorial boundaries of Islam), enables us to access not only contextual atmospheres and human representations but also motivations of action. Seen as materials that directly contributed to and were conditioned by their ‘staging’, these harbingers of spiritual power and authority permit a reconstruction of medieval Sunni and Shiʿi sensorial experiences across time, space, and cultures. Studying such powerful sites of intercession and transformation in different contexts can provide further inroads into a multisensory understanding of prophetic and saintly relics in medieval Islam. Discussions of these material ‘mediators’ of the human-divine dyad at pilgrimage places that ‘shared the sacred’ between the three Abrahamic religions, as well as cross-cultural perspectives are particularly welcome. The panel further aims to open up discussion around how sensory experiences of medieval Islamic relics and artifacts can be captured and reproduced in a contemporary museum context, offering insights into diverse understandings of the senses as ‘knowledge forming’.

 

 

Session 18:

The Sensorial Experience of Saints’ Tombs in Late Antiquity and the Early Middle Ages

Session organisers: Sabine Feist (Halle) / Patricia Strohmaier (Düsseldorf)

 

The sensuous experience of martyrs was a precondition for and an integral part of their veneration in early Christianity, as is evident from probably the earliest known martyrological report about Bishop Polycarp. After his death at the stake, the parish of Smyrna collected his remains, as they considered them "more precious than the most exquisite jewels, and more pure than gold" and wanted them to be buried "in a fitting place". In the martyrological report, these passages about the treatment the bishop’s body received are of particular interest, as the veneration of the saint’s remains, his relics, became central for the veneration of Christian saints in the centuries to follow. Thanks to religious freedom, Christians were henceforth allowed to exercise their belief publicly, without the danger of being persecuted or even killed for their faith. Thus, apart from the few so-called Holy Men, found only in the Eastern part of the Roman Empire, and early medieval missionaries on the periphery and beyond the Empire’s borders, an immediate experience of saints and sainthood was no longer possible the way it was in Polycarp’s time. As a consequence, new modes of perception and new strategies for the sensuous experience of martyrs and saints had to be found.

One possibility was offered by the lavish adornment of saints’ tombs that were made accessible to the reverent crowds. Although this was happening in Rome already during the reign of Constantine, the pontificate of Damasus I is considered to be the crucial turning point for the staging of venerated tombs. His actions can be traced through many funereal epigrams he had inscribed at the martyrs’ burial sites. Furthermore, the Roman bishop had the tombs architecturally framed, adorned with images, and had their lighting changed. According to Gregory of Tours, tombs such as that of Saint Martin received visual emphasis through marble plates, screens, candles, and textiles. Clerics washed the tombs and read the saint’s vita on their feast day. Pilgrims touched and kissed the tombs, cried, called on the saints, and spread fragrant herbs.

Such insights about the staging of saints’ tombs offered by archaeological and textual sources reveal how multisensory experiences were offered around the sacred tombs that were not limited to visual stimulation alone. This panel will focus on this broad and multifaceted range of sensuous experiences of saints’ tombs. Among other things the following questions will be addressed:

  • How did pilgrims prepare for a tomb that was accessible? What do archaeological findings tell us, e.g. about sign-posting indicating the tombs’ locations, or about their lighting and funereal epigrams (to be read aloud?)? What can be learned about all of this from early pilgrims’ reports?
  • Are there further decorative elements of the tombs that can be reconstructed, e.g. textile covers, censers, votive offerings, or ephemeral mise-en-scène from special occasions?
  • How is the ambivalence of the saint’s presence and absence in their grave made palpable?
  • What sensory practices do believers carry out at the saints’ tombs?
  • What happens when tombs themselves remain invisible? What strategies are then used to offer a sensuous experience of the saint?
  • How are relics staged and displayed during translation?

 

 

Session 19:

Sensual Encounters with the Medieval Coin

Session organisers: Jacqueline Marie Lombard (Pittsburgh) / Luke A. Fidler (Chicago)

 

Small sculptures that circulate through networks of power and exchange, coins are also material and ritual objects that solicit, and are in turn activated by, the five senses. For instance, medieval beholders attended to the optic and haptic qualities of coinage when they authenticated specie, the sounds of jingling pennies accompanied the offertory portion of the Mass, obols were buried in corpses’ mouths, and mints generated all the smells and sounds associated with spectacular metal production. Art historians, archaeologists, and numismatists have long recognized the significance of coins for dating finds and have carefully scrutinized their appearance for iconographic and epigraphic clues. This panel, however, seeks to follow the lead set recently by numismatists in examining the material, and by extension sensual, qualities of coins. How did these qualities reinforce or undermine money’s economic and social functions? How were these functions activated or altered by specific bodily encounters with the coin? Acknowledging the fundamentally interdisciplinary enterprise of studying medieval coins, we invite papers that attend to coinage’s capaciously sensual properties and performative modes. Proposals might discuss (but are not limited to) the following topics:

  • Material properties of coins (color, conductivity, weight, etc.)
  • Journeys, biographies, and transformations of specific coins
  • The abstraction and materialization of labor
  • Relations between value and sensory tokens
  • Ritual and performative uses of coins (e.g. the Royal Touch, burial practices, offerings)
  • Strategic modification of coins through procedures of bending, cutting, folding, and melting
  • Metaphoric uses of coinage in fiction, sermons, and vitae
  • Coins as sites of artistic experimentation
  • Religious and social boundaries on money-handling

 

 

Session 20: (This session takes place within the accompanying programme)

Actually, It Could Only Have Been Like This – Dating and Reconstruction in Carolingian and Ottonian Architecture and Its Church Furnishings

Session organiser: Guido Faccani (Basel)

 

The eminent role that dating and reconstruction play in the fields of archaeology, architectural research, art history, and other historical research disciplines, especially when it comes to studying the early Middle Ages, might be best described as ‘carrying water into the Main’. Dating and Reconstruction are essential for contextualization, functional understanding, and for comparative analyses. In the worst cases, they are also starting points for circular reasoning. It has always been a self-evident principle in critical research that temporal approaches and supplementary proposals of the individual disciplines should be developed first on their own and only then combined for evaluation and further interpretation. But is that really always the case? Are the disciplines in sufficiently direct exchange? Do mutual perceptions and understandings of the disciplines really exist?

The region around Frankfurt offers a density of early medieval buildings where the above-mentioned research concerns can be addressed. Historical sites that have already been researched are being considered in new ways, such as St. Justin’s Church in Frankfurt-Höchst or the Palatinate of Frankfurt. Long-term projects such as the research on the Palatinate of Ingelheim are being made accessible in on-going reports from the excavation team, and the architectural sculpture there has been discussed in monographic form. In the ongoing excavation at St. John’s Church in Mainz, older results are being supplemented and corrected by new research, and the city's history is being enriched in essential ways, but there are still serious gaps in the architectural material.

In these works mentioned as representative examples, there is, as is elsewhere also the case, the claim that the proposed reconstructions can be traced back and that the datings have a secure foundation. Is this so? How far may a preliminary report go in interpreting findings that have not yet been examined? How does it make sense to profitably compare supra-regional technical and material features – or is that not possible at all? Can liturgical or courtly ceremonial events be seen in archaeological findings? What do written sources tell us about builders and their artistic, formal, and functional intentions? Can linear developments be proven? Where can discontinuities be found?

These questions will be investigated using case studies from the Carolingian and Ottonian periods. Sacred and profane architecture, architectural sculpture, stucco and architectural ceramics will provide the basis for discussion. Gaps are to be detected and named, and limits of evidence are to be drawn. The role of the (no longer) new media with their virtual spaces and animations as well as related scientific disciplines (AMS / C14 etc.) should also be given space.

 

 

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