Cfp "East Asian Discourses in Times of Crisis and New Beginnings in the 20th and 21st Centuries"

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Type: 
Call for Papers
Date: 
November 30, 2022
Location: 
Austria
Subject Fields: 
Asian History / Studies, German History / Studies, Literature
 

Cfp Ostasiendiskurse im Zeichen von Krisen und Aufbrüchen im 20. und 21. Jahrhundert --

East Asian Discourses in Times of Crisis and New Beginnings in the 20th and 21st Centuries

[For English version please see below]

Sektion bei der IVG 2025 Graz: Sprache und Literatur in Krisenzeiten

Leitung: Thomas Pekar (Tokyo), Christine Frank (Berlin), Philippe Wellnitz (Montpellier)

 

Die europäische Begeisterung für die ‚exotischen‘ Kunstformen Ostasiens, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Chinoiserien oder in der Form des Japonismus Mode geworden war, erhielt durch den ab 1900 artikulierten Topos von der Krise Europas und dem damit verbundenen Wunsch nach kultureller Erneuerung eine schärfere Kontur. Die Orientierung nach Ostasien bot sich nicht allein als Alternative an zur schon ausgedienten Dichotomie von Alter und Neuer Welt. Gerade die programmatische Betonung des so ganz Anderen der Kulturen Ostasiens ermöglichte ein pointiertes Eintreten für Wahrnehmungsmuster und Wertvorstellungen, die per se einen Bruch mit den überkommenen und bisher gültigen Normen darstellten. Dieses Prinzip galt umgekehrt aber auch für die ostasiatische Orientierung am Westen, wie sie sich z.B. in Studienaufenthalten manifestierte. Sie bedeutete einen gewaltigen Innovationsschub auch für die ostasiatischen Kulturen und Gesellschaften.

Die beiden Weltkriege, globale Wirtschaftskrisen und gewaltsam durchgesetzte politische Ideologien verstärkten die Suche nach Alternativen und bedingten teils langfristige Aufenthalte in und Kontakte mit Ostasien, die auch diskursiv bearbeitet, kommuniziert und verhandelt wurden und werden. Im weiteren Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts sind erneut Moden einer eskapistischen Wendung nach Ostasien zu beobachten, zunehmend aber auch ökonomisch motivierte und gewinnorientierte Verarbeitungen von Versatzstücken oder Stereotypen aus unterdessen globalisierten Ostasiendiskursen.

Im Panel soll nicht nur das Auftreten solcher Diskurse registriert, sondern es soll auch nach ihren Entstehungsbedingungen und Funktionen wie nach ihrem historischen Wandel und ihrer Kontinuität gefragt werden. Vorrangig ist dabei von Interesse, den Zusammenhang zwischen Krisen- und Aufbruchserfahrungen und Ostasiendiskursen genauer zu bestimmen. Diese Krisen können subjektiver Art sein (persönliche Lebenskrisen) oder politische oder gesellschaftliche Krisen größerer Ordnungen betreffen wie zum Beispiel die Situation während des Zweiten Weltkriegs, als viele Menschen aus Europa in Ostasien Zuflucht fanden. Zu dieser Perspektive gehört auch die umgekehrte Einschätzung von Ostasien als Krisenraum. Diskursiv artikuliert sich dies in krisenstiftenden Ideologemen wie der Rede von der „Gelben Gefahr“ ebenso wie in der intensiven Verhandlung realer Krisensituationen wie „Fukushima“.

 

Mögliche Schwerpunkte der Sektion:

1. Krise oder Aufbruch? Ostasiendiskurse als Ausweg aus einem krisenhaft erfahrenen (oder empfundenen) Europa im Zeichen des Eskapismus oder Exotismus;

2. Exilerfahrungen in Ostasien: welche Rolle spielt die Krise- und Aufbruchserfahrungen in den hier generierten Diskursen;

3. Diskurse, in denen Ostasien als Krisenraum erscheint (Gelbe Gefahr, Fukushima, Corona);

4. Wechselwirkungen der westlichen Ostasiendiskurse mit den ostasiatischen Diskursen über die eigene Kultur;

5. Rolle der kulturellen Vermittler (z.B. Lafcadio Hearn in Japan bzw. Mori Ōgai in Deutschland);

6. Unterschiede in den Diskursen über China, Korea und Japan.

Die zwanzigminütigen Vorträge sollten auf Deutsch gehalten werden. Bitte beachten Sie, dass die Mitgliedschaft in der IVG zwingende Voraussetzung für die aktive Teilnahme an einer Sektion ist.

Bitte richten Sie Ihren Vorschlag für einen Vortrag in dieser Sektion (300 Wörter plus kurze Angaben zur Biographie/eigenen Veröffentlichungen) bis zum 30.11.2022 an die SektionsleiterInnen:

thomas.pekar@gakushuin.ac.jp

christine.Frank@fu-berlin.de

philippe.wellnitz@univ-montp3.fr

 

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Cfp East Asian Discourses in Times of Crisis and New Beginnings in the 20th and 21st Centuries

Section at IVG 2025 Graz: Language and Literature in Times of Crisis

Chair: Thomas Pekar (Tokyo), Christine Frank (Berlin), Philippe Wellnitz (Montpellier)

The European enthusiasm for the 'exotic' art forms of East Asia, as it had become fashionable in the second half of the 19th century with chinoiseries or in the form of Japonism, received a sharper contour through the topos of Europe's crisis and the associated desire for cultural renewal articulated from 1900 on. The orientation towards East Asia did not only offer itself as an alternative to the already worn-out dichotomy of Old and New World. It was precisely the programmatic emphasis on what was so very different about the cultures of East Asia that enabled a pointed advocacy of patterns of perception and values that per se represented a break with the traditional and previously valid norms. Conversely, this principle also applied to the East Asian orientation toward the West, as manifested, for example, in study abroad. It meant an enormous innovation push also for the East Asian cultures and societies.

The two world wars, global economic crises, and violently imposed political ideologies intensified the search for alternatives and in part necessitated long-term stays in and contacts with East Asia, which were and are also discursively processed, communicated, and negotiated. In the further course of the 20th and 21st centuries, fashions of an escapist turn to East Asia can again be observed, but increasingly also economically motivated and profit-oriented adaptations of fragments or stereotypes from meanwhile globalized East Asian discourses.

The panel will not only register the occurrence of such discourses, but will also ask about their conditions of emergence and functions as well as their historical change and continuity. Of primary interest is to determine more precisely the connection between experiences of crisis and new beginnings and East Asian discourses. These crises can be of a subjective nature (personal life crises) or concern political or social crises of larger orders such as the situation during World War II when many people from Europe found refuge in East Asia. This perspective also includes the reverse assessment of East Asia as a crisis area. Discursively, this is articulated in crisis-generating ideologemes such as the talk of the "Yellow Peril" as well as in the intensive negotiation of real crisis situations such as "Fukushima."

 

Possible foci of the section:

1. crisis or new beginnings? East Asian discourses as a way out of a crisis-ridden (or perceived) Europe under the sign of escapism or exoticism;

2. experiences of exile in East Asia: what role do experiences of crisis and new beginnings play in the discourses generated here;

3. discourses in which East Asia appears as a crisis space (Yellow Peril, Fukushima, Corona);

4. interactions of Western East Asian discourses with East Asian discourses about their own culture;

5. role of cultural mediators (e.g., Lafcadio Hearn in Japan or Mori Ōgai in Germany);

6. differences in discourses about China, Korea and Japan.

Twenty-minute presentations should be given in German. Please note that membership in the IVG is a mandatory requirement for active participation in a Section.

Please submit your proposal for a paper in this section (300 words plus brief details of biography/own publications) to the section chairs by Nov. 30, 2022:

thomas.pekar@gakushuin.ac.jp

christine.Frank@fu-berlin.de

philippe.wellnitz@univ-montp3.fr

 

 

 

 

 

 

 

Contact Info: 
 

Fot English version see below

Cfp Ostasiendiskurse im Zeichen von Krisen und Aufbrüchen im 20. und 21. Jahrhundert

 

Sektion bei der IVG 2025 Graz: Sprache und Literatur in Krisenzeiten

 

Leitung: Thomas Pekar (Tokyo), Christine Frank (Berlin), Philippe Wellnitz (Montpellier)

 

Die europäische Begeisterung für die ‚exotischen‘ Kunstformen Ostasiens, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Chinoiserien oder in der Form des Japonismus Mode geworden war, erhielt durch den ab 1900 artikulierten Topos von der Krise Europas und dem damit verbundenen Wunsch nach kultureller Erneuerung eine schärfere Kontur. Die Orientierung nach Ostasien bot sich nicht allein als Alternative an zur schon ausgedienten Dichotomie von Alter und Neuer Welt. Gerade die programmatische Betonung des so ganz Anderen der Kulturen Ostasiens ermöglichte ein pointiertes Eintreten für Wahrnehmungsmuster und Wertvorstellungen, die per se einen Bruch mit den überkommenen und bisher gültigen Normen darstellten. Dieses Prinzip galt umgekehrt aber auch für die ostasiatische Orientierung am Westen, wie sie sich z.B. in Studienaufenthalten manifestierte. Sie bedeutete einen gewaltigen Innovationsschub auch für die ostasiatischen Kulturen und Gesellschaften.

Die beiden Weltkriege, globale Wirtschaftskrisen und gewaltsam durchgesetzte politische Ideologien verstärkten die Suche nach Alternativen und bedingten teils langfristige Aufenthalte in und Kontakte mit Ostasien, die auch diskursiv bearbeitet, kommuniziert und verhandelt wurden und werden. Im weiteren Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts sind erneut Moden einer eskapistischen Wendung nach Ostasien zu beobachten, zunehmend aber auch ökonomisch motivierte und gewinnorientierte Verarbeitungen von Versatzstücken oder Stereotypen aus unterdessen globalisierten Ostasiendiskursen.

 

Im Panel soll nicht nur das Auftreten solcher Diskurse registriert, sondern es soll auch nach ihren Entstehungsbedingungen und Funktionen wie nach ihrem historischen Wandel und ihrer Kontinuität gefragt werden. Vorrangig ist dabei von Interesse, den Zusammenhang zwischen Krisen- und Aufbruchserfahrungen und Ostasiendiskursen genauer zu bestimmen. Diese Krisen können subjektiver Art sein (persönliche Lebenskrisen) oder politische oder gesellschaftliche Krisen größerer Ordnungen betreffen wie zum Beispiel die Situation während des Zweiten Weltkriegs, als viele Menschen aus Europa in Ostasien Zuflucht fanden. Zu dieser Perspektive gehört auch die umgekehrte Einschätzung von Ostasien als Krisenraum. Diskursiv artikuliert sich dies in krisenstiftenden Ideologemen wie der Rede von der „Gelben Gefahr“ ebenso wie in der intensiven Verhandlung realer Krisensituationen wie „Fukushima“.

 

Mögliche Schwerpunkte der Sektion:

 

1. Krise oder Aufbruch? Ostasiendiskurse als Ausweg aus einem krisenhaft erfahrenen (oder empfundenen) Europa im Zeichen des Eskapismus oder Exotismus;

 

2. Exilerfahrungen in Ostasien: welche Rolle spielt die Krise- und Aufbruchserfahrungen in den hier generierten Diskursen;

 

3. Diskurse, in denen Ostasien als Krisenraum erscheint (Gelbe Gefahr, Fukushima, Corona);

 

4. Wechselwirkungen der westlichen Ostasiendiskurse mit den ostasiatischen Diskursen über die eigene Kultur;

 

5. Rolle der kulturellen Vermittler (z.B. Lafcadio Hearn in Japan bzw. Mori Ōgai in Deutschland);

 

6. Unterschiede in den Diskursen über China, Korea und Japan.

 

Bitte richten Sie Ihren Vorschlag für einen Vortrag in dieser Sektion (300 Wörter plus kurze Angaben zur Biographie/eigenen Veröffentlichungen) bis zum 30.11.2022 an die SektionsleiterInnen:

 

thomas.pekar@gakushuin.ac.jp

christine.Frank@fu-berlin.de

philippe.wellnitz@univ-montp3.fr

 

Die zwanzigminütigen Vorträge sollten auf Deutsch gehalten werden. Bitte beachten Sie, dass die Mitgliedschaft in der IVG zwingende Voraussetzung für die aktive Teilnahme an einer Sektion ist.

Cfp East Asian Discourses in Times of Crisis and New Beginnings in the 20th and 21st Centuries

 

Section at IVG 2025 Graz: Language and Literature in Times of Crisis

 

Chair: Thomas Pekar (Tokyo), Christine Frank (Berlin), Philippe Wellnitz (Montpellier)

 

The European enthusiasm for the 'exotic' art forms of East Asia, as it had become fashionable in the second half of the 19th century with chinoiseries or in the form of Japonism, received a sharper contour through the topos of Europe's crisis and the associated desire for cultural renewal articulated from 1900 on. The orientation towards East Asia did not only offer itself as an alternative to the already worn-out dichotomy of Old and New World. It was precisely the programmatic emphasis on what was so very different about the cultures of East Asia that enabled a pointed advocacy of patterns of perception and values that per se represented a break with the traditional and previously valid norms. Conversely, this principle also applied to the East Asian orientation toward the West, as manifested, for example, in study abroad. It meant an enormous innovation push also for the East Asian cultures and societies.

The two world wars, global economic crises, and violently imposed political ideologies intensified the search for alternatives and in part necessitated long-term stays in and contacts with East Asia, which were and are also discursively processed, communicated, and negotiated. In the further course of the 20th and 21st centuries, fashions of an escapist turn to East Asia can again be observed, but increasingly also economically motivated and profit-oriented adaptations of fragments or stereotypes from meanwhile globalized East Asian discourses.

 

The panel will not only register the occurrence of such discourses, but will also ask about their conditions of emergence and functions as well as their historical change and continuity. Of primary interest is to determine more precisely the connection between experiences of crisis and new beginnings and East Asian discourses. These crises can be of a subjective nature (personal life crises) or concern political or social crises of larger orders such as the situation during World War II when many people from Europe found refuge in East Asia. This perspective also includes the reverse assessment of East Asia as a crisis area. Discursively, this is articulated in crisis-generating ideologemes such as the talk of the "Yellow Peril" as well as in the intensive negotiation of real crisis situations such as "Fukushima."

 

Possible foci of the section:

 

1. crisis or new beginnings? East Asian discourses as a way out of a crisis-ridden (or perceived) Europe under the sign of escapism or exoticism;

 

2. experiences of exile in East Asia: what role do experiences of crisis and new beginnings play in the discourses generated here;

 

3. discourses in which East Asia appears as a crisis space (Yellow Peril, Fukushima, Corona);

 

4. interactions of Western East Asian discourses with East Asian discourses about their own culture;

 

5. role of cultural mediators (e.g., Lafcadio Hearn in Japan or Mori Ōgai in Germany);

 

6. differences in discourses about China, Korea and Japan.

Presentations should be given in German. Please note that membership in the IVG is a mandatory requirement for active participation in a Section.

Please submit your proposal for a twenty-minute paper in this section (300 words plus brief details of biography/own publications) to the section chairs by Nov. 30, 2022:

 

thomas.pekar@gakushuin.ac.jp

christine.Frank@fu-berlin.de

philippe.wellnitz@univ-montp3.fr